Hochwasser
Vorsicht auf den Flüssen! Hindernisse sind nicht sichtbar

Die Pegelstände sinken zwar langsam wieder. Aber Bootsfahrten auf Aare, Reuss und Rhein bleiben gefährlich wegen des Hochwassers. Einige Bootsführer sagenganze Touren ab.

Marc Fischer
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Zur Zeit ist besondere Vorsicht geboten auf den Flüssen.

Zur Zeit ist besondere Vorsicht geboten auf den Flüssen.

Emanuel Freudiger

Der Pontonierfahrverein Wallbach sagte am Wochenende sein Schlauchboot-Wettfahren ab. Präsident René Koch: «Der Rhein führte relativ viel Wasser und es hatte einiges an Schwemmholz im Fluss. Aus Sicherheitsgründen haben wir entschieden, das Wettfahren nicht durchzuführen.» Koch erwähnt neben der starken Strömung noch eine weitere Gefahr: «Der Fluss ist trüb, Hindernisse und Schwemm-Material sind so schwierig zu erkennen.»

Die kommenden Tage sollen sonnig und warm werden. Im Wasserkanton Aargau ist Ferienzeit und die Flüsse locken. Trotzdem rät Koch Ungeübten davon ab, auf eigene Faust Bootstouren auf den Aargauer Flüssen zu unternehmen. Er rechnet erst für Ende Woche mit normalisierten Wassermengen – «wenn es nicht zu weiteren Niederschlägen kommt».

Bootsführer verzichtet auf Tour

Doch ist irgendwo geregelt, wann man Bootsfahrten durchführen darf und wann nicht? Nein, sagt Susette Burger, Projektleiterin Gewässernutzung beim Departement für Bau, Verkehr und Umwelt. Sie appelliert an die Eigenverantwortung jedes Einzelnen: «Man sollte nur mit einem Boot auf den Fluss, wenn man über Route und Verhältnisse informiert ist und sich die Fahrt auch wirklich zutraut.» Es gelte immer, die Grundregeln der Schweizerischen Lebensrettungsgesellschaft (SLRG) zu beachten. Verbindliche Grenzwerte gebe es aber nicht.

Auch Paul Brünisholz, Veranstalter von Bootsfahrten auf der Reuss, weist auf die Eigenverantwortung hin. Er hat heute und morgen keine Bootstouren geplant. «Die Reuss ist zwar leicht am Sinken. Doch wir haben uns selber einen Grenzwert von 400 Kubikmeter Wasser pro Sekunde gesetzt», so Brünisholz. Dieser Wert wurde gestern an der Reuss in Mellingen knapp nicht erreicht. Die Lagebeurteilung werde täglich oder sogar halbtäglich vorgenommen, sagt Brünisholz. Zudem ist die Reuss noch lehmig braun. Erst wenn der Durchfluss auf etwa 300 Kubik zurückgegangen ist, wird sie wieder grün.

Dennoch: Ein gewisses Risiko bleibt. Die Gefahren können lokal unterschiedlich gross sein. «Es ist gescheiter, einmal zuviel auf eine Bootstour zu verzichten», betont Philipp Bonaghi, Leiter Kommunikation der SLRG. «Besonders Laien müssen vorsichtig sein. Wenn sie erst mal unterwegs sind, ist ihr Boot dem Fluss ausgeliefert und sie können kaum mehr reagieren.» Auch Bonaghi verweist auf die Flussregeln der SLRG, deren Einhaltung in der aktuellen Wasser-Situation besonders wichtig sei.

Die sechs Flussregeln

- Auf Bootstouren müssen zwingend Rettungswesten getragen werden.
- Boote dürfen nicht zusammengebunden werden. - Die angegebene Nutzlast der Boote darf nicht überschritten werden.
- Unbekannte Flussabschnitte müssen vor dem Befahren mit dem Boot erkundet werden.
- Nur gute und geübte Schwimmer dürfen in freien Gewässern schwimmen
- Je kälter das Wasser ist, umso kürzer sollte man darin verweilen, da sich bei Unterkühlung Muskelkrämpfe einstellen.