Rücktritt
«Vor einem Monat hätte Reinhardt schon zurücktreten müssen»

Die Politiker sind irritiert über die Geheimhaltungstaktik des Polizeikommandanten Stephan Reinhardt. Er hätte schon früher den Hut nehmen müssen. Nun fordern sie Verbesserungen beim Auswahlverfahren.

Fabian Muster
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SP-Fraktionspräsident Dieter Egli zeigt sich irritiert: "Es bleibt ein schaler Nachgeschmack, weil Reinhardt vor einem Monat nicht alles aufgeklärt hat." Emanuel Freudiger

SP-Fraktionspräsident Dieter Egli zeigt sich irritiert: "Es bleibt ein schaler Nachgeschmack, weil Reinhardt vor einem Monat nicht alles aufgeklärt hat." Emanuel Freudiger

Vor einem Monat wurde publik, dass der Aargauer Polizeikommandant Stephan Reinhardt zu schnell gefahren ist und den Führerausweis abgeben muss. Die Politiker waren damals noch nachsichtig. Niemand forderte seinen Rücktritt. Heute ist das anders, nachdem zwei weitere Verkehrsdelikte öffentlich wurden: «Vor einem Monat hätte er schon reinen Tisch machen und zurücktreten müssen", sagt CVP-Präsident Markus Zemp. SP-Fraktionspräsident Dieter Egli zeigt sich irritiert: "Es bleibt ein schaler Nachgeschmack, weil Reinhardt vor einem Monat nicht alles aufgeklärt hat." Der Rücktritt sei nötig geworden und konsequent, sagt auch FDP-Fraktionschef Daniel Heller.

Es braucht eine einheitliche Sicherheitsüberprüfung

Einzig SVP-Fraktionschef Andreas Glarner will davon nichts wissen: «Für mich ist es kein Problem, wenn ein Polizeichef mit überhöhter Geschwindigkeit erwischt wird.» In seinen Augen hätte Reinhardt nicht zurücktreten müssen. "Wir sind alle Menschen und uns kann das passieren", sagt er. Er finde die Hetzjagd der Medien bedenklich.

Die Politiker fordern nun - wieder mit Ausnahme von Glarner -, dass das Auswahlverfahren für Chefposten wie Polizeikommandanten verbessert wird. «Die Sicherheitsüberprüfung müsste einheitlich und von einer Kantonsstelle zentral gesteuert sein», sagt FDP-Heller. Es gehe künftig nicht mehr an, dass jedes Departement nach Gutdünken verfahre. Er erwarte nun, dass die Regierung die richtigen Schlüsse ziehe. Sonst könnte er sich vorstellen, auch politisch mit einem Vorstoss aktiv zu werden. "Das unseriöse Auswahlverfahren für den Polizeikommandanten-Posten wirft ein schlechtes Licht auf die damaligen Verantwortlichen."

Fall Reinhardt kein Fall Hofmann

SP-Fraktionspräsident Egli glaubt nicht, dass der Fall Reinhardt nun ein Fall Hofmann wird. "Hofmann musste davon ausgehen, dass ein direkt ihm unterstellter Polizeikommandant nicht Infos vorenthält", sagt er zum SP-Regierungsrat. Auch CVP-Zemp geht "grundsätzlich davon aus, dass die Leute die Wahrheit sagen." Trotzdem sagt er: "Für solche Chefposten braucht es künftig eine Sicherheitsüberprüfung."