Energiewende
Von wegen AKW-Kanton: Der Aargau ist Vorreiter bei der Energiewende

Eine neue Karte zeigt, wo der Energiekanton auf dem Weg zur Energiewende eine Vorreiterrolle einnimmt. Der Kanton mit drei Atomkraftwerken hat überraschend viele Leuchttürme zu bieten.

Manuel Bühlmann
Merken
Drucken
Teilen
Das Paul-Scherrer-Institut ist einer der insgesamt 15 Punkte – sogenannte Leuchttürme –, die auf der Karte im ganzen Kantonsgebiet aufgeführt sind. (Archivbild)

Das Paul-Scherrer-Institut ist einer der insgesamt 15 Punkte – sogenannte Leuchttürme –, die auf der Karte im ganzen Kantonsgebiet aufgeführt sind. (Archivbild)

Wenn Pascale Bruderer duscht, spart sie Energie. Ihre Joulia-Duschwanne wärmt mit dem warmen Abwasser das Wasser, das aus der Brause kommt. Das sei nur ein Beispiel, wie sich im Alltag Energie sparen lasse, ohne auf Komfort verzichten zu müssen, sagt die SP-Ständerätin und Präsidentin von Cleantech Aargau.

Was ist Cleantech?

Mit Cleantech oder clean technologies (saubere Technologien) sind Produkte, Prozesse oder Dienstleistungen gemeint, die zur Steigerung der Energieeffizienz und gleichzeitiger Reduktion des Energieverbrauchs sowie der Verschmutzung beitragen. Beispielsweise in den Bereichen Mobilität oder Wohnen. «Diese ressourcenschonenden Produkte werden in Zukunft immer gefragter werden», sagt Pascale Bruderer. (SAS)

Eine neue Karte soll die Bevölkerung für Energie-Themen sensibilisieren. Seit diesem Wochenende ist sie auf der Cleantech-Website für alle zugänglich. Das Ziel: Den Aargauerinnen und Aargauern vor Augen führen, wie ihr Kanton mithilfe neuster Technologie zur Energiewende beiträgt und was diese Entwicklung für ihren Alltag bedeutet. Ausserdem soll die Karte dazu beitragen, den Bekanntheitsgrad der wichtigsten Cleantech-Projekte zu steigern. «Der Aargau hat als Energiekanton viel zu bieten», sagt Bruderer. «Viel mehr als nur die Atomkraftwerke, auf die unser Kanton häufig reduziert wird.» Dabei sei der Aargau Taktgeber bei der Weiterentwicklung der erneuerbaren Energien und der Energieeffizienz.

Für ein «hervorragendes Beispiel» hält Pascale Bruderer das Paul-Scherrer-Institut (PSI) in Villigen: «Das PSI ist führend in der Forschung rund um die Speicherung erneuerbarer Energie.» Das Institut ist denn auch einer der insgesamt 15 Punkte – sogenannte Leuchttürme –, die auf der Karte im ganzen Kantonsgebiet aufgeführt sind. Die Liste ist nicht abschliessend und soll regelmässig erweitert werden.

Eines der Kriterien, um auf die Karte zu kommen: Führungen oder selbstständige Besuche müssen möglich sein. Denn die Karte soll insbesondere Familien und Schulklassen motivieren, die Angebote vor Ort anzuschauen. Gemeinsam mit Aargau Tourismus und der Postauto AG werden zudem Touren angeboten, die an Cleantech-Standorten im Kanton vorbeiführen. So erfahren etwa die Besucher der Umweltarena in Spreitenbach, wie sie im Alltag einfach Energie sparen können – zum Beispiel mit modernen Geräten. «Vielen ist gar nicht bewusst, welche energiesparenden Innovationen bereits auf dem Markt sind», sagt Bruderer.

Hinter der neuen Karte steht der Verein Cleantech Aargau, der 2011 gegründet wurde. Dabei handelt es sich um einen Zusammenschluss von Personen, Unternehmen, Organisationen und Institutionen. Die Idee für den Verein gehe noch auf die Zeit vor dem Reaktorunfall in Fukushima zurück, betont Bruderer. Die nach der Katastrophe eingeleitete Energiewende habe dem Anliegen dann aber zusätzlichen Schwung verliehen. Seither verfolgt der Verein sein Hauptanliegen: Eine Brücke zwischen Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und breiter Bevölkerung schlagen. Die Initianten wollen die Öffentlichkeit einbeziehen, um auf diese Weise den Energieverbrauch im Alltag nachhaltiger auszurichten. «Lustbetont, nicht belehrend», wolle man dabei vorgehen, sagt Pascale Bruderer.

Das sind die 15 Leuchttürme

1. Axporama

Das Besucherzentrum der Axpo zeigt in der Ausstellung «Leben mit Energie» neue umweltfreundliche Technologien.

2. Paul-Scherrer-Institut

Das PSI erforscht Systeme zur Nutzung von Energie aus Sonne und Biomasse, für die effiziente Energiespeicherung und für eine nachhaltige Mobilität.

3. Postauto Schweiz AG

Postauto setzt Brennstoffzellenbusse im Linienverkehr ein und leistet damit Pionierarbeit für eine nachhaltige Mobilität.

4. Swissgrid

Die Eigentümerin des Schweizer Übertragungsnetzes spielt eine Schlüsselrolle bei der Nutzung erneuerbarer Energie, die unregelmässig anfällt.

5. Laufwasserkraftwerk am Hochrhein

Das neue Laufwasserkraftwerk am Hochrhein in Rheinfelden wurde nach modernsten technischen und ökologischen Gesichtspunkten realisiert.

6. Herzog Kull Group

Die HKG entwickelt in ihrem neuen Cleantech-Bürogebäude integrale, energieoptimierte Konzepte für die Gebäudetechnik.

7. AEW

Die AEW fördert nachhaltige Elektrizität und sensibilisiert die breite Bevölkerung dafür, wie man im Alltag Energie sparen kann – ohne Komforteinbusse.

8. ABB Semiconductors

ABB ist führend in der Herstellung von Leistungshalbleitern und steigert so die Effizienz von wichtigen Komponenten des Stromnetzes.

9. Stiebel Eltron

Das Unternehmen Stiebel Eltron stellt Produkte in den Bereichen Haus-und Systemtechnik auf technisch höchstem Effizienz-Niveau her.

10. Green.ch

Die Firma green.ch leistet Pionierarbeit mit der Steigerung der Energie-Effizienz in seinem Grossrechenzentrum.

11. ABB-Forschungszentrum

Im Konzernforschungszentrum wird nach Wegen gesucht, um alle Teilsysteme der elektrischen Energiekette effizienter zu gestalten.

12. Umweltarena

Die Umweltarena in Spreitenbach macht Clean-Technology bei Gebäuden, Strom und Mobilität für den Alltag erlebbar.

13. Ferrowohlen

Die Firma Ferrowohlen in Wohlen hat auf einem Hallendach eine der grössten dachintegrierten Solarstrom-Anlagen der Schweiz realisiert.

14. Wasserwirbelkraftwerk

Die Genossenschaft Wasserwirbel Konzepte Schweiz (GWWK) setzt sich für den Bau und Betrieb von Wasserwirbelsystemen im Einklang mit der Natur ein.

15. Recycling-Paradies

Die öffentliche Sammelstelle macht Wiederverwertung zu einem Erlebnis und fördert die entsprechende Akzeptanz in der Bevölkerung.