Flurnamen-Serie

Von «Stilli» bis «Schäffige»: Stromschnellen bei der Flösserei waren ein Hindernis

Blick auf das Stauwerk «im Schäffige» in Laufenburg am Rhein.

Blick auf das Stauwerk «im Schäffige» in Laufenburg am Rhein.

Einst gab es am Rhein bei Laufenburg starke Stromschnellen. Beim Holztransport mit Flossen waren sie ein Hindernis.

«Singend rauscht vom Hochland her der grüne Rhein» – die Engstelle zwischen der Laufenbrücke und dem heutigen Kraftwerk faszinierte schon Dichter und Komponist Hermann Suter. «Gischt und Wogen schäumen um das Felsgestein», beschreibt er in seinem «Laufenburger Lied» und wie das Wasser danach «aus der Enge in die Lande flieht». Heute sieht es anders aus. Zwischen 1908 und 1914 baute die Aktiengesellschaft Kraftwerk Laufenburg das Stauwerk im Schäffige, verbreiterte den Flusslauf in der Enge und sprengte im 1910 die sogenannte Rote Fluh, ein Felsbrocken, der sich gleich hinter dem Laufen befand. Insgesamt wurden mehr als 300'000 Kubikmeter Felsmassen weggesprengt.

Die Stromschnellen beim Berg

Die gefährliche Flussenge war somit Geschichte und die namengebenden Felsen für das Rheinstädtchen ebenfalls. An dieser engen Stelle des Stroms entstand auch die erste Rheinbrücke, die unter der Herrschaft von Rudolf II. von Habsburg erbaut wurde und der Siedlung zur handelspolitischen befestigten Stadt verhalf. Der Name Laufenburg ist bereits 1207 schriftlich erwähnt, aber als «Loufenberc». Das mittelhochdeutsche Wort «loufe» bedeutet dabei «Wasserfall» oder «Stromschnelle». Die Wörter «Berg» und «Burg» werden bereits in der germanischen Sprache als zwei unterschiedliche Kennzeichnungen verwendet, gehören aber trotzdem eng zusammen. Sie wurden deshalb häufig synonym zueinander verwendet. Im 16. Jahrhundert ist erstmals auch die Namensform «Loufenburg» fürs Rheinstädtchen überliefert. Laufenburg bedeutet also «Berg beim Wasserfall».Dieter Diess und Rudolf Lüscher fragen nun, ob es einen Zusammenhang zwischen der ehemaligen Flösserei und dem Flurnamen Schäffige gibt. Das Gebiet Schäffige ist ein ebenes Stück Land, das direkt beim Kraftwerk und somit direkt am Wasser liegt. Auf der historischen Siegfriedkarte aus dem 19. Jahrhundert ist gut, zu sehen, dass Schäffige unmittelbar nach den Stromschnellen liegt. Auf der Karte sind zudem die Flurnamen «Enge» und «Schnelle» bezeichnet, die beide auf die starken Stromschnellen zurückzuführen sind.

Das Wort «Schäff» in «Schäffige» geht auf das mittelhochdeutsche Wort «Schif, Schef» zurück, das Schiff oder Floss bedeutet. Während mit «Schiff» grössere Schiffe, Last- oder Dampfschiffe bezeichnet werden, meint «Scheff» mittelgrosse Schiffe, wie etwa Nachen mit Fischkästen. Mit der Endung «-ige(n)» werden Stellenbezeichnungen gebildet. Das bedeutet, das namengebende Merkmal erscheint gehäuft an dieser bestimmten Stelle. Der Flurname bezeichnet also ein Landstück, auf dem sich häufig Schiffe befanden.

Tatsächlich ist es so, dass bis ins späte 19. Jahrhundert die Flösserei eine wichtige Rolle in dieser Region innehatte. Holz wurde in grossen Mengen geflösst. Doch das Engnis bei Laufenburg war mit seinen Stromschnellen ein Hindernis. So wurden die Flosse oberhalb des Laufens, beim Sennhof, an Land genommen, ausgeladen und dann im ruhigen Wasser, unterhalb des Laufens, eben bei «Schäffige» wieder zusammengebunden und zu Wasser gelassen. Grössere Ware wurde zum Teil sogar bereits in Villigen in der «Stilli» auseinandergebunden und dann in «Schäffige» wieder zusammengebunden.

Flurnamen, die den Wortbestandteil «still» enthalten, bezeichnen ruhige Orte oder auch ruhige Gewässer. Ruhig fliesst heute auch der Rhein durch Laufenburg; die starken Stromschnellen und Wasser- fälle sind nur noch im Namen «Laufenburg» oder im Laufenburgerlied erhalten.

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