Talk Täglich

Von Slips und Disco-Schlägereien: Glarner und Wermuth duellieren sich zur Durchsetzungsinitiative

Das Duell Wermuth gegen Glarner

Das Duell Wermuth gegen Glarner

Sehen Sie die wichtigsten Momente aus dem «TalkTäglich» zur Durchsetzungsinitiative im Zusammenschnitt oben – oder im die ganze Sendung weiter unten.

Andreas Glarner (SVP) gegen Cédric Wermuth (SP). Die beiden Aargauer Nationalräte verkörpern gegenseitig das, was sie vehement bekämpfen. Zur Durchsetzungsinitiative gaben sie sich im «Talk Täglich» entsprechend Saures. Zu Beginn stand aber ein anderer SVP-Politiker im Mittelpunkt.

Moderator David Kaufmann liess gleich zu Beginn die Szene des letzten Talks zur Durchsetzungsinitiative einblenden, die tagelang zu reden gab und für Lacher sorgte. Der Aargauer SVP-Präsident Thomas Burgherr sagte damals offen, er habe den Ausschaffungs-Katalog nicht im Kopf.

Sogar Parteikollege Glarner konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen, als der Moderator ihn nicht ganz ernst fragte, ob Herr Burgherr in der Zwischenzeit ein parteiinternes Seminar besucht habe, damit er nun wisse, was in der SVP-Initiative stehe. Er sei in den Ferien gewesen, meinte Glarner, gestand aber ein: «Ich habe diesbezüglich auch einige Mails bekommen.»

In der Folge stritten sich Wermuth und Glarner mal mehr, mal weniger inhaltlich zur Durchsetzungsinitiative. Mal oberhalb, mal unterhalb der Gürtellinie.

Ein Schnelldurchgang in Stichworten:

Die Schoggistängeli-Frage

Wird ein Ausländer, der ein Schoggistängeli gestohlen hat, nun ausgeschafft oder nicht? Glarner: «Das ist absurd. Solche Bagatellen sind nicht erfasst in der Initiative. Die Gegner suggerieren immer, dass man wegen jedem Seich ausgeschafft wird.»

Wermuth entgegnet: Wenn juristisch Einbruch, Diebstahl, Sachbeschädigung zusammenkommen (z.B. unbefugt in ein Gartenhäuschen eindringen und dort etwas entwenden), dann werde im Wiederholungsfall jemand auch bei Bagatellen sehr wohl automatisch ausgeschafft.

Glarners Fussball-Analogie

«Bei einem groben Foul gibt es Rot; dann wird jemand auch beim ersten Delikt ausgeschafft», erklärt Glarner. Bei einem leichteren Delikt gebe es Gelb. «Wenn man sich danach richtig verhält, passiert nichts. Erst eine zweite gelbe Karte führt zu einer roten Karte und damit zur Ausschaffung.»

Wermuths Disco-Vergleich

«Stellen Sie sich vor», so Wermuth, «Sie sind mal in der Tempo-30-Zone 50 gefahren und sind dafür bestraft worden. Acht Jahre später geraten Sie in eine Rauferei vor einer Disco. Wenn deswegen eine Verurteilung wegen leichter Körperverletzung folgt, werden Sie automatisch ausgeschafft. Das ist unverhältnismässig.»

Rhetorik an der Gürtellinie

Angesprochen auf die Übergriffe in Köln, gingen die Meinungen auseinander, ob die SVP-Initiative da überhaupt greifen würde. Nein, meinte Wermuth. Die Vorfälle in Köln seien gar nicht erfasst in der SVP-Initiative. Doch, meinte Glarner: «Sexuelle Nötigung ist im Katalog vorgesehen.» Und mit Sarkasmus an Cédric Wermuth gerichtet: «Ich weiss nicht, wie du das beurteilst, aber wenn man einer Frau in den Slip greift, geht das etwas weit.»

Die (Anti-)Demokraten

Wermuth: «Kinder haben ein Anrecht mit ihrem Vater oder Mutter aufzuwachsen. Darum muss man jeden Einzelfall abwägen bei Secondos, die ein leichtes Delikt begangen haben. Das ist die Idee des Rechtsstaates wie er seit 200 Jahren funktioniert. Der SVP geht es um einen Angriff auf die Demokratie. Die SVP ist die grösste anti-demokratische Bewegung des Landes.»

Glarner: «Die SP hat bis 1989 noch Regimes wie jenes des rumänischen Diktaturs Ceausescu unterstützt, die weit weg waren von einer Demokratie.»

Neuer Ferienbegriff und andere Touristen

Glarner: «Ja, wer ein leichteres Delikt begeht, muss halt aufpassen; und wer wieder ein Delikt begeht, muss im dümmsten Fall halt für fünf Jahre in ein anderes wunderschönes Land und kann dann wieder zurückkommen.»

Wermuth: «Es geht nicht um Kriminaltouristen, sondern um Secondos, die hier leben. Die können wir nicht irgendwo hinschicken.» (roc)

Sehen Sie hier die ganze Sendung:

Durchsetzungsinitiative: Wer blickt noch durch?

Durchsetzungsinitiative: Wer blickt noch durch?

SVP-Präsident Thomas Burgherr blamierte sich im TalkTäglich auf Tele M1, weil er den Deliktskatalog der Durchsetzungsinitiative im Detail nicht kannte. So geht es vielen Stimmbürgern.

Ein paar nüchterne Fakten zur Durchsetzungsinitiative und die Unterschiede zur Ausschaffungsinitiative finden Sie hier in Form der Cards:

Cards: Durchsetzungsinitiative

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