Tiefenlager – Reaktionen
Von «nicht überrascht» bis «Katastrophe»: Die sind die Reaktionen der Gemeinden

Die Nagra hat im Kanton Aargau sieben mögliche Standorte für Oberflächenanlagen für das geplante Atommüll-Tiefenlager vorgeschlagen. Jetzt nehmen die betroffenen Gemeinden gegenüber der az Stellung.

Merken
Drucken
Teilen
Atommüll aus Schweizer Anlagen: wohin damit? (Symbolbild/Andrew Kerr)

Atommüll aus Schweizer Anlagen: wohin damit? (Symbolbild/Andrew Kerr)

Andrew Kerr
Der mögliche Standort in Hornussen Das Areal liegt in der Gemeinde Hornussen in einer Landwirtschaftszone südlich der Autobahn A3. Es schliesst an ein Gewerbegebiet der Gemeinde Frick an. Die Erschliessung per Bahn erfordert einige bauliche Massnahmen. Von grösseren Siedlungsgebieten aus wäre die Anlage nicht einsehbar, jedoch von Einzelbauten nördlich der Autobahn.

Der mögliche Standort in Hornussen Das Areal liegt in der Gemeinde Hornussen in einer Landwirtschaftszone südlich der Autobahn A3. Es schliesst an ein Gewerbegebiet der Gemeinde Frick an. Die Erschliessung per Bahn erfordert einige bauliche Massnahmen. Von grösseren Siedlungsgebieten aus wäre die Anlage nicht einsehbar, jedoch von Einzelbauten nördlich der Autobahn.

Nagra

Ein möglicher Standort für die Oberflächenanlage eines geologischen Tiefenlagers liegt in der Fricktaler Gemeinde Hornussen. Dort steht man dem Vorhaben allerdings «sehr kritisch» gegenüber, wie Gemeindammann Claudia Balz auf Anfrage sagt: «Unser Dorf ist mit Autobahn, Bahnlinie und hohem Steuerfuss schon genug belastet.»

Eine Oberflächenanlage senke die Attraktivität und Lebensqualität von Hornussen und passe nicht in die Jura-Landschaft. «Wir werden jetzt die Bevölkerung miteinbeziehen und hoffen auf eine rege Teilnahme», sagt Balz.

Der mögliche Standort in Bözen/Effingen Das Areal liegt in der Gemeinde Bözen und teilweise in Effingen. Es beindet sich in einer Landwirtschaftszone entlang der Autobahn A3. Die Erschliessung des Areals erfordert bauliche Massnahmen. Von Wohnquartieren aus wäre die Anlage teilweise einsehbar. Insbesondere die Oberflächenanlage des HAA- oder Kombilagers müsste teilsweise in den Hang eingebettet werden.

Der mögliche Standort in Bözen/Effingen Das Areal liegt in der Gemeinde Bözen und teilweise in Effingen. Es beindet sich in einer Landwirtschaftszone entlang der Autobahn A3. Die Erschliessung des Areals erfordert bauliche Massnahmen. Von Wohnquartieren aus wäre die Anlage teilweise einsehbar. Insbesondere die Oberflächenanlage des HAA- oder Kombilagers müsste teilsweise in den Hang eingebettet werden.

Nagra

Etwas zurückhaltender zeigt man sich in der 700-Einwohner-Gemeinde Bözen, welche die Nagra ebenfalls für eine Oberflächenanlage in Betracht zieht. «Wir werden uns in nächster Zeit intensiv mit der Thematik befassen und dann eine Stellungnahme abgeben», sagt Gemeindeammann Annemarie Baumann. «Wir möchten auch die Bevölkerung miteinbeziehen und ihr Feedback einbringen.» Die Grundeigentümer, so Baumann, seien informiert worden. Eine Meinung sei aus ihren Rückfragen aber noch nicht abzuleiten.

Und Ruedi Schär, Gemeindeammann von Effingen, sagte die jetzt vorliegende Auswahl sei Grundlage für weitere Diskussionen und meinte: «Es war vorauszusehen, dass niemand ‹Hurra!› rufen wird.»

Der mögliche Standort in Kölliken Das Areal liegt in der Gemeinde Kölliken nahe der Autobahn A1. Das Areal befindet sich in einem Gebiet, das teilweise gewerblich-industriell und teilweise landwirtschaftlich genutzt wird. Ein direkter Bahnanschluss bietet sie hier nicht an. Die Anlage wäre von Wohnquartieren aus einsehbar.

Der mögliche Standort in Kölliken Das Areal liegt in der Gemeinde Kölliken nahe der Autobahn A1. Das Areal befindet sich in einem Gebiet, das teilweise gewerblich-industriell und teilweise landwirtschaftlich genutzt wird. Ein direkter Bahnanschluss bietet sie hier nicht an. Die Anlage wäre von Wohnquartieren aus einsehbar.

Nagra

In Kölliken hätten die Nagra-Pläne wie ein «Katastrophenereignis eingeschlagen», schreibt der Gemeinderat in einer Mitteilung. Der Vorschlag des Standorts Kölliken sei nicht nachvollziehbar und gegenüber einer Gemeinde, die immer noch unter Folgen der Sondermülldeponie leide, nicht gerade von Feingespür und Verantwortung geprägt.

«Die Bevölkerung wird da nicht mitmachen», schreibt der Gemeinderat. Er will nun der Regionalkonferenz darlegen, dass Kölliken kein geeigneter Standort ist und nicht weiter zu verfolgen ist.

Der mögliche Standort in Mellikon/Rekingen Das Areal liegt in der Gemeinde Mellikon und teilweise in Rekingen. Der östliche Teil des Areals wird landwirtschaftlich genutzt. Der westliche Teil befinde sich in einer Industriezone und ist bereits überbaut sowie gut erschlossen. Für den Bau der Anlage müssten zwei Betriebsgebäude rückgebaut werden. Die Anlage wäre von Siedlungsgebieten aus wenig einsehbar.

Der mögliche Standort in Mellikon/Rekingen Das Areal liegt in der Gemeinde Mellikon und teilweise in Rekingen. Der östliche Teil des Areals wird landwirtschaftlich genutzt. Der westliche Teil befinde sich in einer Industriezone und ist bereits überbaut sowie gut erschlossen. Für den Bau der Anlage müssten zwei Betriebsgebäude rückgebaut werden. Die Anlage wäre von Siedlungsgebieten aus wenig einsehbar.

Nagra

«Ich bin nicht überrascht, dass Mellikon für den Standort der Oberflächenanlage vorgeschlagen wurde», sagt der Melliker Gemeindeammann Rolf Laube. Er habe sich als Vertreter der Gemeinde Mellikon an der Regionalkonferenz beteiligt und deshalb gewusst, welches die Auswahlkriterien für die Oberflächenanlage seien.«Das Areal der ehemaligen Zement-Fabrik ist erschlossen und zugänglich und erfüllt somit die Kriterien», so Laube. «Wir wurden Anfang Woche vom Bundesamt für Energie informiert.»

Am Donnerstag habe man dann die betroffenen Grundbesitzer eingeladen. Die Reaktionen seien unterschiedlich ausgefallen. «Während die Landwirte natürlich wenig begeistert sind, habe ich das Gefühl, dass die Besitzer des Areals einer solchen Anlage gegenüber nicht abgeneigt sind.»

Mit einem Flugblatt habe man die Bevölkerung am Freitagmorgen über die Standortwahl informiert. Die Gemeinde selber sei natürlich auch nicht gerade begeistert über den Entscheid der Nagra. «Der Gemeinderat wird in den kommenden Tagen und Wochen zusammensitzen und eine klare Position erarbeiten», sagt Laube. Es sehe es als grosse Chance, dass er die Anliegen Mellikons in der Regionalkonferenz einbringen könne.

Die Gemeinde Rekingen, die zusammen mit Mellikon von der Nagra als potenzieller Standort auserkoren wurde, ist hingegen klar gegen eine Oberflächenanlage auf Gemeindegebiet. «Wir lehnen dies aus verschiedenen Gründen strikte ab», sagt Jürg Fischer, Gemeindeammann von Rekingen. «Erstens widerspricht dieses Ansinnen klar der von uns Ende 2011 verabschiedeten Vision Zurzibiet mit den sechs Entwicklungszielen, die wir als Gemeinde mitunterzeichnet haben.»

Zweitens, so Fischer, gehöre zu den absoluten Standortvorzügen der Gemeinde, dass sie als Erholungsgebiet mit dem traditionellen und erfolgreichen Gesundheits- und Rehabilitationszentrum in Bad Zurzach verknüpft und verbunden sei. Der Gemeinderat Rekingen will nun - in enger Zusammenarbeit mit der bestehenden Regionalkonferenz und der Repla - die nötigen Schritte einleiten, um sich gegen eine Oberflächenanlage eines Tiefenlagers zur Wehr zu setzen.

Der mögliche Standort in Suhr Das Areal liegt in der Gemeinde Suhr neben einem Verteilzentrum mit Parkplatz. Das Areal wird heute zum Grossteil landwirtschaftlich genutzt und ist gut erschlossen. Es grenzt an die Wyna und Naherholungsräume (z.B Schwimmbad). Von Suhr aus wäre die Anlage grundsätzlich einsehbar, könnte jedoch in ein bestehendes Gewerbegebiet mit grösseren Bauten integriert werden.

Der mögliche Standort in Suhr Das Areal liegt in der Gemeinde Suhr neben einem Verteilzentrum mit Parkplatz. Das Areal wird heute zum Grossteil landwirtschaftlich genutzt und ist gut erschlossen. Es grenzt an die Wyna und Naherholungsräume (z.B Schwimmbad). Von Suhr aus wäre die Anlage grundsätzlich einsehbar, könnte jedoch in ein bestehendes Gewerbegebiet mit grösseren Bauten integriert werden.

Nagra

Für Beat Rüetschi, Gemeindepräsident von Suhr und Mitglied im Leitungsgremium Regionalgruppe Plattform Jurasüdfuss ist Suhr als möglicher Standort einer Oberflächenanlage «persönlich nicht nachvollziehbar», wie er auf Anfrage sagte. Ihn überrascht, dass Suhr überhaupt in Betracht gezogen werde.

Der geplante Standort liege schliesslich in unmittelbarer Nachbarschaft von Lebensmittelbetrieben und der Badi. «Er dürfte wohl kaum Akzeptanz finden», sagt Rüetschi.

Der mögliche Standort in Würenlingen Das Areal liegt in der Gemeinde Würenlingen, angrenzend an Zwilag und Bundeszwischenlager. Das Areal befindet sich hauptsächlich im Wald, entsprechend wären Rodungen mit Ersatzaufforstungen notwändig. Die Erschliessung des Areals ist einfach möglich. Von Wohnquartieren aus wäre die Anlage nicht einsehbar.

Der mögliche Standort in Würenlingen Das Areal liegt in der Gemeinde Würenlingen, angrenzend an Zwilag und Bundeszwischenlager. Das Areal befindet sich hauptsächlich im Wald, entsprechend wären Rodungen mit Ersatzaufforstungen notwändig. Die Erschliessung des Areals ist einfach möglich. Von Wohnquartieren aus wäre die Anlage nicht einsehbar.

Nagra

«Vom Entscheid für den Standort in Würenlingen bin ich nicht überrascht», sagt der Würenlinger Gemeindeammann André Zoppi. Wenn das Tiefenlager wirklich im Gebiet Jura Ost zu liegen komme, dann würde sich eine Oberflächenanlage in Würenlingen anbieten. «Wir haben hier gleich das Zwischenlanger, also kurze Transportwege und zudem befinden sich drei Atomkraftwerke in näherer Umgebung», sagt Zoppi.

Der Gemeinderat werde sich nun in dieser Sache absprechen. «Aus meiner Sicht spricht nichts gegen eine solche Anlage, wenn sie sicher, sinnvoll und praktisch ist», so Zoppi.

Der mögliche Standort in Villigen Das Areal liegt in der Gemeinde Villigen sowie teilweise in Böttstein in unmittelbarer Nähe von Zwilag und Bundeszwischenlager. Ein Grossteil der Arealfläche diente früher der Kiesgewinnung und wird seit der Rekultivierung wieder landwirtschaftlich genutzt. Nowändig wäre die Verlegung der Kantonsstrasse. Von Wohnquartieren aus wäre die Anlage wenig einsehbar.

Der mögliche Standort in Villigen Das Areal liegt in der Gemeinde Villigen sowie teilweise in Böttstein in unmittelbarer Nähe von Zwilag und Bundeszwischenlager. Ein Grossteil der Arealfläche diente früher der Kiesgewinnung und wird seit der Rekultivierung wieder landwirtschaftlich genutzt. Nowändig wäre die Verlegung der Kantonsstrasse. Von Wohnquartieren aus wäre die Anlage wenig einsehbar.

Nagra

Jakob Baumann, Ammann von Villigen, zeigte sich nicht überrascht, dass Standorte in der Nähe des Zwilag infrage kämen.

«Ich erwarte derzeit keinen grossen Aufschrei in der Bevölkerung» so Baumann. Dieser käme nur, falls Jura Ost aus politischen nicht aber aus Sicherheitsüberlegungen als Tiefenlagerstandort gewählt würde.

(Umfrage: mru/Kel/mfi/bau)