Ein heisses Eisen war damals für uns, zur Töfflibuben-Zeit, ein Töffli mit einem erhöhten Lenker und einer hohen Rückenlehne. Meine Lehne hatte der Sanitärinstallateur des Dorfes, der ein Herz für unsere jugendlichen Träume hatte, aus einem Wasserrohr gebogen. Sie putzte mein Töffli gewaltig heraus. An den Gepäckträger hatte ich Militärtornister gehängt, und am Lenker baumelte – zwingend – ein Fuchsschwanz.

Zwischen Linn und Zeihen fährt mir ein junger Bursche auf seinem Töffli entgegen, der hat zwei Fuchsschwänze am Lenker. Der kommt gut, denke ich schmunzelnd, und pedale zum Elektrofach- geschäft Richard Schmid AG in Zeihen. 

Auf einer entsprechenden App habe ich vorher gesehen, dass dort eine Ladestation geführt wird, die nicht nur elektrische Autos und Motorräder gratis mit Strom versorgt, sondern auch drei Haushaltsteckdosen zur Verfügung stellt – ein Glücksfall.

Hier stecke ich mein Handy und den Velo-Akku an und verbringe zunächst knapp zwei Stunden mit einem Spaziergang durchs Dorf und mit Warten am Dorfbrunnen, um schliesslich nach Herznach weiterzufahren. Strom laden entschleunigt ungemein. Ich mache mich über die Umgebung schlau und stelle rasch fest: Eisen wird diese Etappe prägen.

Vorrat von 30 Millionen Tonnen Eisenerz

Geologische Untersuchungen nach dem Ersten Weltkrieg zeigten in einem Steinbruch bei Herznach einen überraschend hohen Eisengehalt. Die umfangreichen Untersuchungen des Geologen Alfred Amsler im Gebiet zwischen Herznach und Wölflinswil ergaben einen abbauwürdigen Erzvorrat von gegen 30 Millionen Tonnen mit einem Eisengehalt zwischen 28 und 33 Prozent, lese ich auf der Website www.bergwerkherznach.ch.

1920 wurde an der Stelle des späteren 370 m langen Hauptstollens des Bergwerks ein Versuchsstollen angelegt. 1937 konnte das Bergwerk Herznach seinen Betrieb aufnehmen, der 1966 allerdings eingestellt werden musste, weil der Hochofen der Von Roll in Choindez auf Sphäroguss umgestellt wurde.

Angenehm kühl ist es im ehemaligen Eisenbergwerk Herznach, das heute ein Museum ist.

Angenehm kühl ist es im ehemaligen Eisenbergwerk Herznach, das heute ein Museum ist.

Grund genug, da mal einen Blick drauf- und sogar reinzuwerfen, weil gerade eine Schulklasse durch den Stollen geführt wird. Auch hier drin sind viele Informationen zu finden. 1955 erreichten die 36 Arbeiter mit 56 664 Tonnen die höchste Erzfördermenge der Nachkriegszeit; davon wurden 26 200 Tonnen im Hochofen der Von Roll in Choindez verhüttet. Insgesamt lieferte das Bergwerk Herznach ca. 1,7 Millionen Tonnen Erz, rund die Hälfte davon während des Zweiten Weltkriegs.

Engagierter Verein macht das Bergwerk zugänglich

Der Verein Eisen und Bergwerke (VEB) mit Sitz in Herznach wurde 2004 gegründet und zählt rund 200 Mitglieder. Sein Ziel ist es, die Geschichte des Erzabbaus im oberen Fricktal im Zusammenhang mit der Geologie und der Landschaft bewusster zu machen. Er setzt sich auch für den Betrieb und Unterhalt des Eisenwegs ein.

Er ist 14 Kilometer lang und führt in Etappen von Wölflinswil nach Herznach, von Herznach nach Zeihen und von Zeihen aus auf den Homberg. Am 31. August und 1. September findet übrigens das 5. Bergwerkfest statt, mit freier Besichtigung von Museum und erweitertem Stollen, Markt, musikalische Unterhaltung für Gross und Klein, Bahnbetrieb sowie Klopflatz für die Kinder.

Die Verpflegung gestalte ich an diesem Tag einigermassen abwechslungsreich: Hirtenkäse mit Oliven, zwei Tomaten, zwei Äpfel und ein Brot, Bratwürste und Brot vom Mittag am Abend, macht 14.20 Franken. Ob damit mein täglicher körperlicher Eisenbedarf gedeckt war, darf bezweifelt werden.