Vor gut einem Monat berichtete die «Schweiz am Sonntag» von den Plänen, nun ist es offiziell: Das Bundesamt für Verkehr und die SBB setzen zwischen Zürich und Aarau auf einen 28 Kilometer langen neuen Eisenbahntunnel.

Dieser soll in Zürich Altstetten beginnen und in Aarau enden, wie das Bundesamt mitteilt. Bisher standen zwei neue Tunnel im Vordergrund: der Chestenberg-Tunnel zwischen Rupperswil und Mellingen und der Honeret-Tunnel zwischen Zürich Altstetten und Mellingen.

Der lange Tunnel, der nun geplant ist, weise gegenüber diesen Plänen aber wirtschaftliche und betriebliche Vorteile auf.
Nach einem Variantenvergleich sind Bundesamt für Verkehr und SBB zum Schluss gekommen, den Bau einer neuen direkten Verbindung Aarau – Zürich-Altstetten weiter zu verfolgen und die Planungen für einen Chestenberg-Tunnel einzustellen.

Bereits im vergangenen Jahr hatte der Bund diverse Varianten zum Schienenausbau geprüft. Der nun vorgesehene Tunnel wäre wäre laut dem kürzlich aktualisierten Sachplan Verkehr sogar günstiger als eine Lösung mit zwei Tunnels, die rund fünf Milliarden Franken kosten würde, wie die «Schweiz am Sonntag» schrieb. 

Heute dauert die Bahnfahrt von Zürich nach Bern knapp eine Stunde – genau sind es 56 Minuten. Künftig könnte es weniger als eine Dreiviertelstunde sein, wenn die Bahn mit dem neuen Tunnel einen beträchtlichen Teil des Mittellandes unterirdisch durchquert.

Nur wenige hundert Meter weiter westlich könnte es in den Tunnel gehen: Bahnhof Zürich Hardbrücke

Planung läuft schon seit 2011

Das Bundesamt entschied bereits 2011, für die Kapazitätserhöhung auf der Strecke Aarau – Zürich nebst dem Chestenberg-Tunnel weitere Varianten zu prüfen. Dies gestützt auf eine Zweitmeinung der ETH Zürich. Diese stellte als Alternative eine Neubaustrecke zwischen Aarau und Zürich-Altstetten zur direkten Querung des Reusstals zur Diskussion. 

Im weiteren Verlauf der Arbeiten zeigte sich, dass eine direkte Linienführung Aarau – Zürich-Altstetten mit einem rund 30 Kilometer langen Tunnel zur Querung des Reusstals betrieblich und wirtschaftlich besser abschneidet als der Chestenberg-Tunnel.

Zudem müsste man für die Variante mit Chestenberg- und anschliessendem Honeret-Tunnel für den Anschluss im Raum Gruemet ein Naturschutzgebiet von nationaler Bedeutung queren. Weiter zeigte sich laut dem Bundesamt für Verkehr, dass der Chestenberg-Tunnel den Raum Lenzburg nicht wie erhofft vom Güterverkehr entlasten könnte.

Wann der Tunnel kommt, ist offen

Als nächsten Schritt wird die SBB nun im Auftrag des Bundesamts für Verkehr die genaue Linienführung, die bauliche Machbarkeit und die Kosten einer direkten Verbindung Aarau – Zürich-Altstetten abklären. Wann der neue Tunnel gebaut wird, ist heute noch offen. Der Entscheid werde im Rahmen der ordentlichen Planung des Bahninfrastruktur-Ausbaus gefällt, teilt das Bundesamt mit. Das Parlament legt jeweils alle vier bis fünf Jahre die nächsten Ausbauschritte fest. 

Vorab will der Bund die Kapazität auf der Strecke Aarau – Zürich mit kleineren Massnahmen ausbauen: Im Rahmen des bereits beschlossenen Ausbauschritts 2025 werden eine Verbindungslinie zwischen Birr und Mägenwil sowie eine Erweiterung des Bahnhofs Mägenwil realisiert. Diese Ausbauten erlauben laut dem Bundesamt für Verkehr die Einführung des Halbstundentakts für die S-Bahn, ohne dass dabei der Güterverkehr verdrängt wird.

«Kapazität im Aargau gewährleisten»

Das kantonale Departement Bau, Verkehr und Umwelt begrüsst in einem Communiqué den Entscheid für den langen Tunnel. Es sei richtig, «die betrieblich und wirtschaftlich bessere Lösung zu wählen, wenn dadurch auch ein Nutzen für den Bahnverkehr im Aargau gesichert ist». Mit einer zusätzlichen Verbindung könne der Aargau besser ins Städtenetz eingebunden werden, teilt das Departement von Verkehrsdirektor Stephan Attiger mit.

Bis zur Inbetriebnahme der Direktverbindung könne das Angebot im Schienenverkehr im östlichen Mittelland aus Kapazitätsgründen nur sehr beschränkt ausgebaut werden. Das Departement verlangt, dass der Bau neuen Tunnels im sogenannten Ausbauschritt 2030 aufgenommen wird, der 2018 dem eidgenössischen Parlament vorgelegt wird.

Mit der vom Bundesamt für Verkehr vorgeschlagenen Variante bleiben die Fragen zur künftigen Führung des Güterverkehrs auf der Ost-West-Achse noch ungelöst. «Hierzu ist aufzuzeigen, wie die Siedlungsgebiete vom Güterverkehr entlastet werden können», fordert das Aargauer Verkehrsdepartement.

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