Kanton Aargau

Von allen Ballungsräumen wächst die Agglo Wohlen am schnellsten

Die ländliche Idylle täuscht: Die Agglomeration Wohlen mit der Zentrumsgemeinde Wohlen (oben), mit Villmergen und Waltenschwil wächst stürmisch.

Die ländliche Idylle täuscht: Die Agglomeration Wohlen mit der Zentrumsgemeinde Wohlen (oben), mit Villmergen und Waltenschwil wächst stürmisch.

Nicht nur der ganze Kanton Aargau, auch seine Agglomerationen wachsen, allen voran der Raum Wohlen. Die neuste Städtestatistik zeigt aber auch, wo es am schwierigsten ist, eine Wohnung zu finden: in Baden und im benachbarten Wettingen.

Die neuste schweizerische Städtestatistik erkennt im Kanton Aargau fünf Agglomerationen. Die grösste ist Baden-Brugg mit 122'000 Einwohnerinnen und Einwohnern.

Auf sie folgt kantonsübergreifend Olten-Zofingen mit 115'000, dann die Agglomeration Aarau mit 92'000.

Es folgen die Agglomerationen Lenzburg mit 31'000 und Wohlen mit 25'000 Menschen. Alle fünf Agglomerationen sind 2013 gewachsen. Das erstaunt nicht weiter, wächst doch der gesamte Aargau einwohnermässig jedes Jahr.

Die Städtestatistik im Überblick

Die Städtestatistik im Überblick

Herausragend bei den Agglomerationen ist die kleinste im Aargau, die Wohlen, Villmergen und Waltenschwil umfasst. Hier wuchs die Bevölkerung mit 2,7 Prozent besonders stürmisch. Erfreulich ist, dass der Wohnungsbestand mit plus 2,7 Prozent mithielt.

Wie die Auswertung der Statistik zeigt, entstanden in Wohlen selbst wenig Wohnungen, in der ganzen Agglomeration aber 300. Die Zahl der Beschäftigten stieg gar um 3,6 Prozent. Der Wermutstropfen an diesen Zahlen: Mit 3,5 Prozent blieb die Arbeitslosenrate leicht überdurchschnittlich hoch und die Steuereinnahmen in Wohlen selbst sind recht tief. Mit ihrem starken Wachstum ist diese Agglomeration sogar gesamtschweizerisch herausragend.

Konzept in Entwicklung

Walter Dubler, langjähriger Gemeindeammann von Wohlen, weist darauf hin, dass das Wachstum nicht nur in Wohlen, sondern auch in Villmergen stattfindet, wo einige grössere Überbauungen realisiert wurden. Dubler sagt: «In Wohlen steht das qualitative Wachstum im Vordergrund. In den Baubewilligungsverfahren nimmt die Gemeinde positiv Einfluss.»

Wachstum hat aber immer zwei Seiten. Es bedeute auch eine grössere Belastung für die Verwaltung. Dies vor allem deshalb, so Dubler, weil der Ausländeranteil stärker wächst.

Die zunehmende Internationalität sei auch eine Herausforderung für die Schule. Dubler weiter: «Aufgrund dieser Entwicklung ist es sinnvoll, die Zone für öffentliche Bauten und Anlagen im Zentrum auszuweiten.» Diesbezüglich müsse eine Anpassung stattfinden, welche parallel zum Wachstum der Gemeinde läuft.

Die vom Regierungsrat geplante Optimierung der Aufgabenteilung Kanton – Gemeinden und Neuordnung des Finanzausgleichs sei für Wohlen wichtig, betont Dubler. Um für die Zukunft gerüstet zu sein, hat der Regionalplanungsverband Unteres Bünztal beschlossen, ein regionales Entwicklungskonzept zu entwickeln. Diese Arbeit wird mit den Verbandsgemeinden im Mai 2015 aufgenommen.

Städte wachsen langsam

Gesamtschweizerisch erfuhren 2013 nur fünf der 167 Städte einen Bevölkerungsschwund. Alle anderen wuchsen. Auch im Aargau. Im Rückblick zeigt die Statistik zudem: Hohes Wachstum seit 2009 war praktisch immer auf Fusionen zurückzuführen. Das gilt auch für Aarau (mit Rohr) und Brugg (mit Umiken).

Blickt man bis 1930 zurück, fällt auf, dass die Aargauer Städte recht organisch gewachsen sind. Die Einwohnerzahl der meisten hat sich seither verdoppelt, wie in Brugg – genau wie die Einwohnerzahl der Schweiz. Eine sehr stürmische Entwicklung vom beschaulichen Dorf zur Kleinstadt erlebte dafür die einstige Bauerngemeinde Spreitenbach, deren Bevölkerung sich seit 1930 verzehnfacht hat.

Sehr beeindruckend ist die hohe Zahl Arbeitsplätze, die Baden und Aarau traditionellerweise bieten, derweil kleinere Städte mit viel mehr leeren Wohnungen klar weniger Arbeitsplätze vorweisen. Dies mag auch aufzeigen, wie schwierig der gute Vorsatz umzusetzen ist, möglichst dort zu wohnen, wo man auch arbeitet.

Über 3000 neue Wohnungen

2013 wurden gesamtschweizerisch 57'000 Wohnungen gebaut, allein im Aargau waren es 3736. Hier sticht Rheinfelden mit einem Plus von über 6 Prozent gesamtschweizerisch als Gemeinde mit dem höchsten Wohnungszuwachs heraus. Die Statistik zeigt aber auch, dass der Wohnungsbau in der Stadt Baden, die kaum leere Wohnungen hat, 2013 kaum etwas zur Entschärfung der schwierigen Wohnungssituation beitragen konnte.

Gross sind die Unterschiede auch bei den Steuereinnahmen. Baden schwingt auch dank hoher Einnahmen von Firmen weit obenauf. Die Stadt bleibt so auch jene Aargauer Gemeinde, die mit Abstand am meisten in den innerkantonalen Finanzausgleich einzahlt.

Demgegenüber bleiben die Steuererträge in rasch gewachsenen Agglomerationsgemeinden mit hohem Ausländeranteil wie Spreitenbach oder Oftringen vergleichsweise tief.

Laden Sie sich die komplette Städtestatistik herunter:

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