Leidenschaft soll die erste Priorität in der Berufswahl haben. Das war die Message des Podiums, das die Berufsbildungsorganisation «Swiss Skills Career» und die Bank UBS am Mittwoch in Aarau veranstalteten. Rund 300 Gäste, mehrheitlich Jugendliche in Begleitung ihrer Eltern, nahmen am Pilotprojekt teil. Neben Moderator Stefan Büsser, der auf den sozialen Medien mit seinen Kritiken der «Bachelor»-Sendungen bekannt wurde, diskutierten «Wilder»-Darstellerin Sarah Spale, Emil von Wattenwyl, Berufsweltmeister Informatik, Yves Müller, UBS-Banker, und Yasmin Giger, U20-Europaweltmeisterin im Hürdenlauf.

Kein Entscheid fürs Leben

Leidenschaft. «Ohne geht es nicht», sagt Gastgeber und UBS-Regionalleiter Thomas Sommerhalder zu Beginn des Podiums. «Ohne Leidenschaft steht man am Morgen nicht mehr gerne auf. Und spätestens dann ist der Zeitpunkt gekommen, etwas im Leben zu ändern. Und das ist auch möglich.» Er spricht aus eigener Erfahrung, denn Sommerhalder war nicht immer im Bankenwesen tätig. «Ich war in der Textil- und Druckereibranche.» Aber dann war die Leidenschaft weg und Sommerhalder orientierte sich um. «Möglich machts das duale Berufsbildungssystem der Schweiz, auf das ich sehr stolz bin.» Es liege ihm am Herzen, dass die Jugendlichen verstehen, wie aussergewöhnlich dieses System sei. «Und sie müssen wissen, dass sie sich bei der Berufswahl nicht für einen Beruf fürs Leben entscheiden müssen.»

So hat den Besuchern der «Swiss Skills» die Diskussion gefallen – und das haben sie gelernt:

Für Stefan Büsser stand schon immer fest: «Ich will zum Radio.» Seine Eltern machten ihm damals aber einen Strich durch die Rechnung und sagten, er solle eine KV-Lehre machen. «Es war keine schlechte Erfahrung», sagt er. «Aber dem eigenen Wunsch zu folgen, ist wichtiger.» Schauspielerin Sarah Spale pflichtet ihm bei. Sie brach das Studium ab, um sich beim Theater zu engagieren – mit Erfolg. Die 37-Jährige gewann kürzlich den Prix Walo in der Kategorie Schauspiel. Auch die anderen geladenen Gäste haben spezielle Lebensläufe. Emil von Wattenwyl brach das Gymnasium ab und wollte eigentlich Fussballprofi werden, Yves Müller startete mit einer Lehre als Hochbauzeichner ins Berufsleben und berät jetzt Unternehmer und Geschäftsführer in komplexen Geldfragen. Und die 18-jährige Yasmin Giger bringt Spitzensport mit KV-Ausbildung unter einen Hut – dank der grossen Leidenschaft, sagt sie.

Wo liegen meine Stärken?

Leidenschaft. Laut Büsser ist das Wort eine Kombination aus «leiden» und «schaffen». Leiden gehört im Berufsalltag manchmal auch dazu, macht er den jungen Besuchern klar. Yasmin Giger bringt ein Beispiel aus ihrem Alltag: «Im Leichtathletik-Training leidet man auch. Aber ich bin umso stolzer, wenn ich dann auch mehr schaffe, also bessere Zeiten laufe.» Der Erfolg sei ein überwältigendes Gefühl. Um Erfolg zu fühlen, müsse man aber erst herausfinden, für welche Sache man bereit wäre, alles zu geben.

Das sagt Tobias Roder, Experte der Swiss Skills. «Das ist aber nicht leicht – vor allem, wenn man nicht weiss, wo seine Stärken liegen. Die meisten Schüler wissen nach der Oberstufe ganz genau, was sie nicht können.» Was sie hingegen können, sei ihnen unbekannt. Deswegen entwickelte Roder einen Test, der durch visuelle Aufgaben die Stärken des Probanden evaluiert. Schauspielerin Sarah Spale hats ausprobiert: «Das Ergebnis stimmt zu 100 Prozent», sagt sie.

Den Druck nehmen

Die Jugendlichen schienen von der 75 Minuten dauernden Podiumsdiskussion nicht gelangweilt zu sein. Während der gesamten Zeit war es still im Saal. Für Janna Lübbers, Projektleiterin Swiss Skills Career, ein Zeichen dafür, dass das Konzept funktioniert. «Wir wollten einen Anlass organisieren, der dem Tempo der Zeit entspricht und die Jugendlichen inspiriert», sagt sie. «Und wir wollen Leute zeigen, die spezielle Karrieren absolviert haben – und auch ohne Matura oder Studium Erfolg hatten.» Vor allem aber sei es ihr ein Anliegen, den Jugendlichen den Druck zu nehmen. «Heute legt man sich nicht mehr auf einen Beruf fest – und das ist auch gut so.»