Fislisbach
Vom Küchenbrand bis zur Grosstierrettung: Hier lernen Feuerwehr-Offiziere, was sie können müssen

Bei den Einsätzen der Feuerwehr geht es nicht nur um Brände – dementsprechend viel müssen die Offiziersanwärter lernen. Diese Woche haben sie in Fislisbach ihre Ausbildung absolviert.

Dominic Kobelt
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In der Ausbildung treffen die angehenden Feuerwehr-Offiziere auf verschiedene Situationen: Hier liegt ein Mann unter einem Kleintransporter, Rauch tritt aus.
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Der Instruktor erklärt den Feuerwehrleuten, warum sie nicht einfach zum Patienten rennen dürfen: Es stehen Chemiefässer auf der Ladefläche, es könnte also auch für die Einsatzkräfte gefährlich werden.
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Ein Auto brennt. Hier müssen die Feuerwehrleute beachten, dass das Auto unter einem Vordach steht, dass ebenfalls Feuer fangen könnte.
Eifrig schreiben sie auf, wie sie vorgehen würden.
Hier ist ein Arbeiter mit einem Gabelstapler gegen einen Behälter gefahren, Flüssigkeit tritt aus.
Die Feuerwehr muss darauf achten, dass die Flüssigkeit nicht verschleppt wird. Der Mann wird aus dem Gefahrenbereich gebracht.

In der Ausbildung treffen die angehenden Feuerwehr-Offiziere auf verschiedene Situationen: Hier liegt ein Mann unter einem Kleintransporter, Rauch tritt aus.

Dominic Kobelt

Rauch kommt aus dem Kleintransporter, ein Mann liegt scheinbar bewusstlos am Boden. Feuerwehrleute stehen in einiger Entfernung, die Männer und Frauen machen sich Notizen – aber keiner macht Anstalten, dem Bewusstlosen zu helfen. «Sehr gut», urteilt Instruktor Antonio Angelicchio, der den Offizierskurs in Fislisbach leitet. Er erläutert: «Auf der Ladefläche befinden sich Fässer mit Chemikalien. Wenn die Rettungskräfte hier kopflos losstürmen würden, dann müssten sie bald selber gerettet werden.»

Es ist einer der Merksätze, die den angehenden Feuerwehr-Offizieren beigebracht wird: feststellen, beurteilen, entscheiden. Sie sollen Einsätze leiten, delegieren, sagen, was wo und von wem gemacht werden soll. «Das ist eine grosse Verantwortung», sagt Angelicchio. «Wenn die Lage falsch beurteilt wird, hat das Auswirkungen auf alles Folgende.»

Damit die Offiziere Einsätze koordinieren können, müssen sie beispielsweise auch die Zusammenarbeit mit anderen Rettungs- und Partnerorganisationen beherrschen. Dementsprechend breit gestaltet sich die Ausbildung. Am Kurs in Fislisbach lernen Feuerwehrfrauen und -männer an sieben Tagen in 48 Lektionen und sechs Vorträgen, wie sie im Einsatz am Effizientesten vorgehen und welche Ressourcen dafür zur Verfügung stehen. Die Szenarien reichen vom Küchenbrand bis zur Grosstierrettung und zu Überschwemmungen. Auch das Auftreten vor einer Gruppe wird geübt. Und ein Kollege von der Kantonspolizei erklärt, wie die Spurensicherung bei einer Brandermittlung funktioniert und worauf die Feuerwehr achten sollte.

Was zählt, sind Routine und Erfahrung

Der Baggerfahrer ist verzweifelt – er hat eine Gasleitung erwischt, eine Flamme steigt vom Rohr empor. «Soll ich das Loch zuschütten?», fragt er die herbei eilenden Feuerwehrleute. «Nein, schalten sie die Maschine ab und kommen sie aus dem Fahrzeug», ruft einer ihm zu, ein anderer stellt die Gasleitung ab. «Würde man die Flamme löschen, und das Gas weiter fliessen, dann könnte sich ein Gas-See bilden. Das kann gefährlich werden, weil man den nicht sieht – solange das Gas verbrennt, ist die Lage sicherer», erklärt Angelicchio. Über 30 Jahre Erfahrung hat er auf dem Buckel, und Erfahrung ist etwas vom Wichtigsten, was es bei den Rettungskräften braucht. «Kein Einsatz ist gleich wie der andere, es gibt kein Rezeptbuch. Wir lernen Schemas, aber die muss man auf die entsprechende Situation anpassen können», so der Instruktor.

63 Frauen und Männer aus dem ganzen Aargau lassen sich dieser Tage in Fislisbach ausbilden. Der Kurs findet im Auftrag der Aargauische Gebäudeversicherung statt. «Wegen Corona mussten wir den letzten Kurs absagen, jetzt sind wir ausgebucht», so Kurs-Adjutant Thomas Meyer. Er hat zusammen mit seinen Kollegen der Feuerwehr Fislisbach alles organisiert, unter anderem auch die über 30 Häuser und Gewerbebauten, in denen die Feuerwehrleute Keller, Küchen, Schlafzimmer und Lagerhallen nutzen dürfen, um sie brandtechnisch zu beurteilen und für Übungen zu nutzen.