Was der Name «Eebrunnen» in der Gemeinde Hausen bedeutet, möchte Yvonne Sibold, die an der Eebrunnenstrasse wohnt, gerne wissen. Sie vermutet, dass es sich hierbei um einen ehemaligen Brunnen handeln könnte. In der Schulzeit wurde angeblich erzählt, dass an dieser Stelle ein e-förmiger Brunnen gewesen sei. Und auf der Siegfriedkarte aus dem 19. Jahrhundert steht sogar der Name «Ehebrunnen». Aber was hat nun die Ehe mit einem Brunnen zu tun?

Hart an der Grenze

Tatsächlich geht das schweizerdeutsche Wort «Ee» und das neuhochdeutsche Wort «Ehe» auf den gleichen mittelhochdeutschen Wortstamm «ewe» zurück, das endlos lange Zeit, Ewigkeit, durch göttliches und menschliches Recht geheiligter Lebensbund und Gesetz bedeutet.

In neuhochdeutscher Zeit hat sich das Wort auf den Begriff Lebensbund verengt. Früher war «Ee» jedoch ein umfassender Ausdruck für die dörfliche Ordnung. «Ee» beinhaltete dabei die Respektierung festgelegter Grenzen. Natürlich sind dabei nicht die Grenzen der eigenen Ehe gemeint, wohlverstanden.

In Hausen befindet sich der «Eebrunne» bzw. der «Ehebrunnen» östlich des Dorfkerns in der Nähe der Gemeindegrenze zu Windisch. Mit «Brunnen» muss nicht zwingend ein Becken als Quellfassung, ein Brunnentrog, gemeint sein, sondern «Brunnen» kann auch ganz einfach eine Quelle oder Quellwasser bedeuten. Der in der Nähe liegende Fluss sowie die Namen «römische Wasserleitung», der auf der Siegfriedkarte ersichtlich ist, und «Soorematte» auf dem Gebiet der Gemeinde Windisch deuten alle auf ein Feuchtgebiet hin.

Das schweizerdeutsche Wort «Sore» meint dabei leicht versiegendes Wasser, eine Pfütze oder Lache. Beim «Ehebrunnen» werden also keine Lebensbunde geschlossen, sondern der Flurname deutet auf eine Quelle oder Quellwasser hin, das an einer Grenze liegt.

Die «Schneeschmelzi»

Grenzmarkierungen waren und sind in der dörflichen Gemeinschaft ein ernstes Thema, das sich auch in zahlreichen Flurnamen niedergeschlagen hat. Dass es auch einfach geht, zeigt der Name «Gränze» in Hausen, der südöstlich des Dorfes an der Grenze zu Lupfig liegt.

Ein weiteres Beispiel ist der Flurname «Schneeschmelzi», der etwa in Mellingen und Hirschthal vorkommt. Der Begriff «Schneeschmelzi» wurde in alten Grenzbeschreibungen verwendet und bezeichnet den Grenzverlauf über Felsgräte und Passhöhen. Dort verzichtete man weitgehend auf das Setzen von Grenzsteinen, sondern legte die Grenze mit diesem Begriff fest. In einigen Gemeinden ist dieser alte Ausdruck bis heute noch in einem Flurnamen enthalten. In Mellingen liegt die «Schneeschmelzi» an der Grenze zu Niederrohrdorf auf dem Berg Brand und in Hirschthal auf der Passhöhe Chropfbode an der Grenze zu Schöftland.

Das «Zil» ist auch eine Grenze

In der Flurnamenlandschaft sind an Grenzlagen auch häufig Ziel-Namen anzutreffen. Im heutigen Sprachgebrauch ist damit meistens das menschliche Bestreben gemeint, ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Meist ist man auch am Ende, wenn das Ziel denn endlich erreicht ist. Das schweizerdeutsche Wort «Zil» bedeutet «Grenze, abgegrenzter Raum, Markstein oder Ende» und stammt vom gleichnamigen althochdeutschen Wort ab, das «Grenze, Ende» meint.

Mit Zil werden also Flurstücke, bezeichnet, die an einer Grenze liegen.
In Auw gibt es den Namen «Zil», der nahe des Weilers Rüstenschwil liegt und somit auf die Grenze zum einst eigenständigen Weiler hindeutet. Gleiches trifft auf das Ziel und den Zilacher in Sins zu; auch sie liegen im Grenzgebiet und verweisen auf die Weiler Aettenschwil und Meienberg.