Vor vier Jahren landete der damalige Aargauer Baudirektor Peter C. Beyeler einen Coup. Für den Heimfallverzicht des Kantons Aargau auf den Schweizer Teil des Kraftwerks Ryburg-Schwörstadt handelte er für den Kanton eine Kraftwerks-Beteiligung von 23 Prozent aus. Dieses Aktienpaket war damals bei einem Strommarktpreis zwischen 8 und 9 Rappen über eine Viertelmilliarde Franken wert. Ziel war und bleibt, die Finanzbeteiligung dereinst mit bestmöglichem Ertrag zu verkaufen und das Geld wohl zur Schuldenreduktion (Sondermülldeponie) einzusetzen.

Doch es kam anders. Am Spotmarkt in Leipzig zahlt man aktuell für eine Kilowattstunde noch 3,6 Eurocents bzw. knapp 4,5 Rappen. Das sind 4 Rappen weniger als 2010. Der Preiszerfall ist aus Schweizer Sicht noch dramatischer, weil der Euro gegenüber dem Franken massiv an Wert verloren hat. Hauptsächlich ist dieser aber die Folge eines Überangebots aufgrund der deutschen Subventionspolitik für erneuerbare Energien und der tiefen Kohlepreise. Wenn man einem Rappen weniger pro kWh vorsichtig einen Wertverlust am Aktienpaket von 30 Millionen Franken zugrunde legt, ist es noch gut die Hälfte wert.

Warten auf den Aufschwung

Maurus Büsser, Generalsekretär des Departements Bau, Verkehr und Umwelt (BVU), vertritt den Kanton im Kraftwerks-Verwaltungsrat. Er erinnert sich, dass man das Geld damals gerne bar gehabt hätte. Die verhandelte Lösung war aber für das Kraftwerk liquiditätsschonender. Büsser geht davon aus, dass der Preis mittelfristig wieder steigt. Das zeigt ihm auch der Blick auf den Langfristtrend. «Irgendwann wird die Subventionierung in der Energiepolitik nicht mehr finanzierbar», sagt Büsser. Käufer würde man finden. Schon verschiedentlich sei Interesse signalisiert worden, sagt Büsser, doch: «Jetzt müssen wir Geduld haben und warten, bis der Markt wieder 250 Millionen Franken oder mehr hergibt, und Sorge tragen zur Wasserkraft als wichtigem und zuverlässigem Pfeiler der Stromproduktion.

Der Aargau kann warten. Schliesslich produziert das Kraftwerk Strom für etwa 3 Rappen/kWh, rentiert also sogar im heutigen Umfeld. Der Aargau hat als Aktionär Energiebezugsrechte und verkauft diesen Strom mit Gewinn. Zudem partizipiert er als Eigner am – derzeit aber bescheidenen – Gewinn des Werks.

Lob für deutsche Förderpolitik

Ist die deutsche Förderpolitik nicht falsch? Der Strom soll ja teurer werden, damit weniger verschwendet wird, fragen wir den SP-Grossrat und Energiepolitiker Jürg Caflisch. Er fordert: «Der Strom muss den Preis haben, der seinen tatsächlichen Kosten entspricht. Und die sind gerade beim Atom- und Kohlestrom viel höher.» Er freut sich aber sehr, dass Deutschland den Anteil an Sonnen- und Windstrom auf 25 Prozent erhöhen konnte. Caflisch: «Davon sind wir noch weit, weit entfernt. Wir können uns von Deutschland eine grosse Scheibe abschneiden.»

Die Schweiz soll ihre Förderpolitik deswegen ja nicht stoppen, sondern dringend verbessern, fordert Caflisch. Ihn ärgert, dass Deutschland nebst Atomstrom noch derart auf schmutzige Kohle setzt. Schade findet er, dass wegen des tiefen Marktpreises auch saubere Wasserkraft unter Druck kommt. Steuern könnte man Angebot und Preis besser, indem man nebst dem Durchsetzen der Kostenwahrheit den Strom endlich besser speichern könnte, so Caflisch.

Für den FDP-Grossrat und Energiepolitiker Bernhard Scholl ist klar: «Die unsinnige deutsche Subventionspolitik, der starke Franken und die lächerlich billigen CO2-Zertifikate machen den Markt kaputt.» Genau gleich falsch sei die schweizerische Politik der kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV). Er verstehe nicht, so Scholl, warum die SP diese unterstützt. Das sei doch pure Umverteilung zulasten der Mieter, die selbst keine Solaranlage montieren können. Das können «diejenigen mit den grossen Dächern. Das ist asozial.» Scholl plädiert denn auch für die Abschaffung der KEV. Aber wie würde er denn erneuerbare Energien fördern? Alternativ sähe Scholl einmalige Anschubfinanzierungen. Am liebsten würde er darüber hinaus die Axpo, die dem Aargau und anderen Kantonen gehört, privatisieren. Scholl: «Doch auch das macht derzeit angesichts ihrer sehr tiefen Bewertung keinen Sinn.»