Volksschule
Volksschulkongress: Im Klassenzimmer kommts auf Teamgeist an

Gegen 700 Lehrkräfte, Schulleiter, Heilpädagoginnen und andere Bildungsfachleute treffen sich heute und morgen zum grossen Aargauer Volksschulkongress in Baden. Thema: «Gemeinsam Unterricht entwickeln».

Urs Moser
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Michele Eschelmüller (l.) und Alexander Grauwiler.mou

Michele Eschelmüller (l.) und Alexander Grauwiler.mou

Die Idee eines kantonalen Erfahrungsaustauschs über Unterricht und Teamarbeit stammt vom Institut Weiterbildung und Beratung der Pädagogischen Hochschule und ist im Zusammenhang mit der Einführung des integrativen Unterrichts an Aargauer Schulen entstanden.

Die Volksschule Baden hat sich bereit erklärt, die Durchführung in Baden zu unterstützen. Alexander Grauwiler, der Geschäftsleiter der Volksschule Baden, und Michele Eschelmüller, Kongressleiter und Dozent an der Pädagogischen Hochschule, waren vom grossen Interesse beeindruckt.

Während man in letzter Zeit eher den Eindruck hatte, die Lehrkräfte fühlten sich ohnehin schon zu belastet durch den reformbeladenen Schulalltag, war der Grossanlass im Nu ausgebucht. Kongressleiter Eschelmüller: «Wir hätten ohne weiteres mit 1000 oder mehr Teilnehmern planen können.» Aus logistischen Gründen war das aber nicht möglich.

Immer heterogenere Klassen

Die grosse Resonanz ist interessant, denn der «Aufhänger» für den Kongress ist die integrative Schulung. Gemeint ist damit das Modell ohne Kleinklassen für Schüler mit Lernschwierigkeiten. Alle Schüler werden in die Regelklassen integriert. Dieses Modell ist in der politischen Diskussion keineswegs unumstritten. So kam zumindest die verbindliche Einführung für alle Gemeinden bislang nicht infrage.

Für Alexander Grauwiler steht dagegen fest: Ob im integrativen Modell oder nicht, die Schulklassen sind bezüglich sozialen und kulturellen Hintergrunds, bezüglich Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft immer heterogener geworden.

Der Lehrer ist als «Einzelkämpfer» im Klassenzimmer zusehends überfordert. Heilpädagogische Unterstützung, Absprachen mit Spezialisten, gegenseitige Unterstützung im Lehrerkollegium: «Das Lehrersein wird immer mehr zum Teamjob», so Grauwiler.

Er ist sich sicher: «Wer den Wechsel von der traditionellen Lehrerrolle zur Arbeit im Unterrichtsteam erlebt hat, empfindet das als unterstützend und entlastend und will es nicht mehr anders. Darum das grosse Interesse an unserer Veranstaltung.»

Denn so positiv die Resultate sein mögen: Die kooperative Unterrichtsentwicklung ist mit Veränderungen verbunden, welche die Lehrer vor grosse Herausforderungen stellen.

Wie Idee zum Kongress entstand

Am Kongress in Baden sind Schulleiter und Lehrkräfte aus rund 40 Schulen vertreten, vom Kindergarten bis zur Sekundarstufe. In 80 Workshops präsentieren sie sich gegenseitig, wie sie bestimmte Problemstellungen in ihrer Schule angegangen sind.

Das Spektrum reicht vom «Schnupperunterricht», in dem Kindergartenkinder während zweier Lektionen zusammen mit den Kindern der Unterstufe lernen (Schule Remigen-Mönthal), über den Atelierunterricht in altersgemischten Gruppen für Zweit- bis Fünftklässler (Schule Obermumpf-Schupfart) bis zum Umgang mit Disziplinarproblemen nach der Methode der «fürsorglichen Präsenz» (PH-Dozentin Karin Frey).

Die teilnehmenden Schulen haben grossmehrheitlich, aber nicht alle das Modell der integrativen Schulung eingeführt, einige nehmen ohne eigenes Workshopangebot am Kongress teil.

Kongressleiter Michele Eschelmüller verantwortet als Projektleiter bei der Pädagogischen Hochschule ein Supportangebot, das Schulen im Umgang mit der schulischen Heterogenität wie beispielsweise der Umsetzung der integrativen Schulung unterstützt.

Er hält dazu fest: «Es geht dabei weniger um die Frage der Struktur und Organisation, entscheidend ist die Unterrichtsgestaltung.» Die Schulen, die man seit 2008 begleite, habe man animiert, dass sich die einzelnen Unterrichtsteams einmal jährlich ihre Arbeit gegenseitig präsentieren.

Daraus sei die Idee entstanden, diesen Gedankenaustausch auf die Stufe eines gesamtkantonalen Kongresses auszubauen. Im Zentrum der Tagung stehen neben den Workshops Fachreferate des Zukunftsforschers Georges T. Roos, des Familientherapeuten Jesper Juul und des Journalisten und Filmemachers Reinhard Kahl sowie eine Podiumsdiskussion unter anderen mit Christian Aeberli, Abteilungsleiter Volksschule im Bildungsdepartement.