Wohnungsmarkt Aargau
Virtuelle Besichtigung: Mieter unterschreiben, bevor die Wohnung steht

In Aarau und Baden werden Wohnungen vergeben, die erst auf dem Papier existieren. Besichtigt wird virtuell.

Manuel Bühlmann
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So wird das Grossprojekt «Gleis 0» beim Aarauer Bahnhof aussehen. ZVG

So wird das Grossprojekt «Gleis 0» beim Aarauer Bahnhof aussehen. ZVG

Neben dem Bahnhof Aarau entstehen 91 neue Wohnungen. «Gleis 0» heisst das Grossprojekt. Wer will, kann über die Webcam live mitverfolgen, wie das Gebäude in die Höhe wächst. Zu sehen bekommen die Zuschauer zurzeit Gerüste, Container, Baukräne. Wie die 1,5- bis 4,5-Zimmer-Wohnungen dereinst aussehen werden, zeigen bislang erst Visualisierungen. Davon lassen sich die Interessenten allerdings nicht abschrecken, wie ein Blick auf die Website zeigt. Rund zwei Drittel der Wohnungen sind reserviert oder vermietet – über ein halbes Jahr vor dem geplanten Einzugstermin im August 2018.

Ein Phänomen, das sich bei vielen Neubauprojekten an guter Lage beobachten lasse, sagt Patrick Schnorf, Leiter der Abteilung Markt & Research bei Wüest Partner. «Wohnungen in Bahnhofnähe sind sehr gesucht, Interessierte wollen deshalb möglichst früh zuschlagen.» Dazu kommen die neuen technologischen Möglichkeiten. «Die Wohnungen können dreidimensional auf der Website besichtigt werden, weshalb Interessierte eher bereit sind, sich bereits im Vorfeld für eine Wohnung zu entscheiden», sagt Schnorf.

Ähnliche Erfahrungen hat das Immobilienunternehmen Privera gemacht: Viele der 90 Mietwohnungen in den Hochhäusern Belétage in Baden waren ebenfalls schon früh reserviert. Allerdings seien beim Erstbezug nicht alle vermietet gewesen, sagt Sprecherin Katharina Bornhauser. Aktuell stehen drei 4,5-Zimmer-Wohnungen leer.

In Aarau wird viel gebaut

Auch wenn Wohnungen in Aarau und Baden begehrt sind, bestehen zwischen den beiden Städten Unterschiede. Während in Baden unterdurchschnittlich wenig gebaut werde, sei die Bautätigkeit in Aarau sehr hoch, sagt Immobilienexperte Patrick Schnorf. Aarau zähle diesbezüglich zu den dynamischsten Städten der Schweiz. Festmachen lässt sich dies an einer anderen Zahl: Obwohl die beiden Städte ähnlich gross sind, wurden in Aarau in den letzten Jahren durchschnittlich rund doppelt so viele Baubewilligungen wie in Baden erteilt.

Eine Entwicklung, die sich in der Leerstandsquote widerspiegelt. Diese beträgt in der Kantonshauptstadt 2,4 Prozent. Zum Vergleich: In Baden stehen deutlich weniger Wohnungen leer – 0,7 Prozent. Das führt zu einer noch stärkeren Nachfrage und entsprechend zu noch höheren Preisen als in Aarau. Patrick Schnorf: «Die Mieten dürften nächstes Jahr in Baden zumindest auf gleich hohem Niveau bleiben.»

Auch die Preise für Wohneigentum sind in der Region Baden in den letzten zehn Jahren stark gestiegen – um 38 Prozent. Zum Vergleich: Der durchschnittliche Anstieg im Aargau liege bei 34 Prozent, sagt Philipp Knecht, Chefökonom der Neuen Aargauer Bank. Preistreibend wirkten sich dabei die regionale Zentrumsfunktion der Stadt Baden sowie die hervorragende Verkehrsanbindung nach Zürich und den Flughafen aus. Zu spüren sei auch ein Verdrängungseffekt durch den noch stärkeren Preisanstieg in der Stadt Zürich, sagt Knecht: Dieser führe dazu, dass sich Immobilienkäufer ihren Traum von den eigenen vier Wänden in der im Vergleich noch günstigeren Region Baden verwirklichen.