«Unheimlich stolz» sei er, dass der grosse Gedenkanlass in seinem Dorf möglich wurde, meint Gemeindeammann Ueli Lütolf. Das 1960 eingeweihte Schlachtdenkmal wurde zum Jubiläumsjahr frisch herausgeputzt, das Kopfsteinpflaster auf dem Platz sandgestrahlt.

Delegationen aus 10 Kantonen

Ausgerichtet wird die Gedenkfeier vom Kanton. Projektkoordinator Michael Achermann und Staatsarchivarin Andrea Voellmin informierten gestern bei einem Augenschein auf dem Festgelände über die letzten Vorbereitungen. Über 300 geladene Gäste werden am Samstag nach Villmergen kommen. Regierungsräte und Parlamentarier aus 10 Kantonen, hohe Militärs, Gelehrte und weitere Prominenz.

Eingeladen wurden alle damals in den Villmergerkrieg involvierten Kantone. Hochrangige Delegationen aus Zürich, Bern, den Innerschweizer Kantonen, St. Gallen und dem Wallis (unterstützte damals die katholischen Innerschweizer) werden mit einem «verre d’amitié» auf die freund-eidgenössische Koexistenz anstossen, bis zu der es nach dem vierten Aarauer Landfrieden vom 11. August 1712 noch ein Weilchen dauerte. Der gastgebende Aargauer Regierungsrat nimmt in corpore am Gedenkanlass teil. Nur die Regierungen von Genf und Neuenburg (zogen damals mit den reformierten Bernern in die Schlacht) liessen sich entschuldigen: alle noch in den Ferien.

Zwei Zusatzvorstellungen

Für das Fussvolk wurden 155 Plätze reserviert, aber die waren schnell vergeben. Wer kein Ticket hat, braucht am Samstag nicht nach Villmergen zu fahren. Mehr als 480 Personen fasst die Tribüne des Freilichttheaters «Mit Chrüüz und Fahne» nicht, das sich die Gäste am Abend ansehen werden. Die Urheber eines parlamentarischen Vorstosses erachteten es zwar «als eine Pflicht des Kantons Aargau», neben einer offiziellen Feier mit Kantonsvertretern «auch der heutigen Generation die historischen Zusammenhänge zu vermitteln».

Das geschieht im Stück «Mit Chrüüz und Fahne» aber sicher mindestens so anschaulich wie in den Festansprachen am Samstag. Und das Theater kommt beim Publikum so gut an, dass die 16 Aufführungen schnell ausverkauft waren und zwei Zusatzvorstellungen am 16. und 21. August gespielt werden.

Vormachtstellung der katholischen Orte beendet

Der Villmergerkrieg beendete die Vormachtstellung der katholischen Orte in der alten Eidgenossenschaft. Im vierten Landfrieden von Aarau (auf dessen Jahrestag, nicht auf den der grossen Schlacht am 25. Juli die Gedenkfeier bewusst gelegt wurde) diktierten die reformierten Stadtstaaten die Neuordnung der Machtverhältnisse. Vielleicht deshalb haben sich die Landeskirchen darauf geeinigt, dass in ihrer aller Namen am Samstag Luc Humbel sprechen wird, Kirchenratspräsident der römisch-katholischen Landeskirche.

Weitere Ansprachen halten Landammann Susanne Hochuli, der Politikwissenschafter Wolf Linder und als «höchster» Gast Bundesrätin Doris Leuthard: sie über damalige und heutige Konfliktbewältigungsstrategien. Bevor es dann zum «Verre d’amitié» geht, soll aus 500 Kehlen die Landeshymne über die Freilichtbühne beim Schloss Hilfikon hallen, wo sonst die Motocross-Maschinen knattern.