Bildung
Viertelmillion für einen Schüler – Kanton streicht Spezialklasse

Kaum ist das Pilotprojekt «Regionale Spezialklassen» definitiv im Angebot der Aargauer Volksschule, wird im Sommer der Standort Chappelehof in Wohlen geschlossen. Mit der Konzentration auf Baden spart das Bildungsdepartement jährlich 250'000 Franken.

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Schliessung wegen zu tiefer Auslastung: Nach den Frühlingsferien zählt die Wohler Spezialklasse nur noch einen Schüler. (Symbolbild)

Schliessung wegen zu tiefer Auslastung: Nach den Frühlingsferien zählt die Wohler Spezialklasse nur noch einen Schüler. (Symbolbild)

Keystone

Vor rund dreieinhalb Jahren startete in Baden und Wohlen ein Pilotprojekt für verhaltensauffällige Jugendliche. Aargauer Schülerinnen und Schüler, die mit sich, der Klasse und/oder den Lehrpersonen zeitweilig nicht zurechtkommen, besuchen hier regionale Spezialklassen (RSK). Durch eine kurzfristige räumliche Trennung von ihren Klassen und Schulhäusern soll eine Besserung der Situation erzielt werden.

Seit dem Schuljahr 2014/15 sind diese nun fester Bestandteil der Aargauer Volksschule. Im Sommer wird nun aber der Standort im Chappelehof in Wohlen bereits wieder ersatzlos geschlossen, wie der «Wohler Anzeiger» am Dienstag berichtete.

Erfolgreich, aber zu teuer

Grund für die Schliessung sei nicht Qualität der regionalen Spezialklasse, erklärt Christian Aeberli, Leiter Abteilung Volksschule beim Kanton. Seit September 2011 besuchten insgesamt 28 Schülerinnen und Schüler die RSK in Wohlen, wovon über 80 Prozent erfolgreich wieder in die Regelschule integriert wurden.

Der Departementsentscheid stützt sich vielmehr auf die Auslastung der RSK. Die Schülerzahlen sanken stetig; nach den Frühlingsferien zählt die Wohler Klasse nur noch einen Schüler – zu wenig.

Der Wohler Schulleiter Rolf Stadler zeigt zwar Verständnis für die Konzentration des Angebots auf den zentralen Standort Baden. Dennoch gibt er zu Bedenken, dass die Distanz aus dem Oberfreiamt gross sei und sich auf die Nutzung auswirken könnte.

Für Thomas Leitch, Wohler SP-Grossrat und Präsident der Kommission für Bildung, Kultur und Sport, kam die Schliessung plötzlich. Seine Kommission war am Beschluss nicht beteiligt, jedoch habe man aufgrund der geringen Belegung am Standort Wohlen bereits im September 2014 eine Verlegung an einen zentraleren Ort diskutiert.

Thomas Leitch sieht im Departementsentscheid, der am Montag einzig auf dem Schulportal kommuniziert wurde, eine Sparmassnahme. «Mit der Aufhebung des Standorts Wohlen werden zwei Stellen und 250'000 Franken gestrichen.» Den beiden Lehrpersonen wird gekündigt.

Unbeliebter Sparkurs

Trotz Verständnis bedauert Rolf Stadler besonders den aktuellen Sparkurs im Bildungsbereich: «Bei der Abstimmung Stärkung Schule Aargau waren einst vier Spezialklassen geplant, zwei wurden eingeführt, jetzt gibt es noch eine.» Zudem würde auch bei den Zusatzlektionen Abstriche gemacht.

Das bezeichnet auch Bildungsexperte Thomas Leitch als «heikel». So sieht der Grossrat für Zusatzlektion in sozial erheblich belasteten Schulen ab 2016/17 jährlich nur noch 17 Millionen Franken vor.

«Dies obwohl der Regierungsrat in der Abstimmungsvorlage vorgeschlagen hatte, ab dann jährlich 30 Millionen Franken einzusetzen», sagt Leitch. (edi)

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