Interview

Viele Schritte bis zum Himlung im Himalaja-Gebirge

Gianin Müller aus Gontenschwil in den Bergen, hier am Breithorn. ZVG

Gianin Müller aus Gontenschwil in den Bergen, hier am Breithorn. ZVG

Der 57-jährige Schulleiter Gianin Müller nimmt im Oktober als Testperson an einer Himalaja-Expedition teil. Er steckt mitten in den Vorbereitungen für die Tour, welche neue Erkenntnisse zum Höhenbergsteigen liefern soll.

Was reizt Sie an diesem Projekt?

Gianin Müller*: Meine Hauptmotivation ist sicher, Teil einer Studie zu sein, die neue Erkenntnisse zum Höhenbergsteigen liefert. Ich will auch mehr über meinen Körper und meine Leistungsfähigkeit in grossen Höhen erfahren. Zudem interessiert mich die nepalesische Kultur. Ich bin überzeugt, dass sich die Hoffnung auf erlebnisreiche Tage erfüllen wird – trotz der grossen Anstrengungen.

Was ist am Berg speziell wichtig?

Gute und unterstützende Kameradschaft am Berg sind für mich Hoffnung und Herausforderung zugleich. Ich hoffe auf ein unvergessliches Erlebnis. Natürlich wäre es das «Tüpfelchen auf dem i», wenn ich auch den Gipfel erreichen würde. Mir ist aber meine Gesundheit wichtig. Ich werde also meine Grenzen respektieren.

Wäre eine Expedition ohne Forschung nicht attraktiver?

Ich freue mich, Teil eines grossen Forschungsprojektes zu sein und bin auch stolz, genau dieser Expedition anzugehören. Mir ist bewusst, dass die Forschung zum Teil sehr anstrengend sein wird und ein gerüttelt Mass an Disziplin und Anpassungsfähigkeit erfordert. Aber mich interessieren die medizinischen und biologischen Zusammenhänge.

Wie hat Ihr Umfeld reagiert?

Mein ganzes Umfeld ist sehr interessiert und ich erfahre von allen Seiten her Unterstützung. Wir wissen, dass die Expedition sowohl bergtechnisch als auch medizinisch hervorragend organisiert ist. Ich bin gut vorbereitet, werde aber kein Risiko eingehen. Der Gipfelerfolg ist nur ein kleiner Teil der ganzen Expedition.

Auf was freuen Sie sich speziell?

Auf den Start am 27. September! Ich kann es kaum erwarten.

Macht sich eine Spur Angst breit?

Ich habe grossen Respekt vor den Bergen, dies ist aber auch in den Alpen so. Angst habe ich keine. Aber die grosse Hoffnung, am Berg nicht krank zu werden.

Wie laufen die Vorbereitungen?

Sie haben im Dezember begonnen mit Indoor-Cycling, Biken und Skitouren. Ich war aber viel in unserer Region unterwegs, oft mit einem zehn Kilogramm schweren Rucksack und bin bis 50 Kilometer marschiert. Für die Rumpfmuskulatur habe ich Krafttraining gemacht. Nach längeren Märschen in den Voralpen liegt das Schwergewicht jetzt auf möglichst vielen Höhenmetern.

Wo genau sind Sie unterwegs?

Der Pilatus ist mein Hausberg und bietet hervorragende Bedingungen. Seit Anfang Juli mache ich viele Bergtouren. Eine Hochtourenwoche im Gebiet Monte Rosa soll dabei zu einem Höhepunkt werden. Die Expedition liegt zeitlich sehr günstig, da praktisch die ganze Sommersaison als Vorbereitung genutzt werden kann. Ich bin schon recht gut in Form!

Für die Forscher sind die Testreihen wichtiger als der Gipfelerfolg der Probanden. Stört Sie das?

Nein, das ist für mich völlig klar. Sie haben auch ein grosses Ziel vor Augen. Die Verantwortlichen werden dafür besorgt sein, dass das Gipfelerlebnis nicht zu kurz kommt.

Was nehmen Sie für die gute Laune in der dünnen Luft mit?

Die mentale Vorbereitung ist sehr wichtig. Ich stelle mir schwierige Situationen vor und versuche gute Lösungsansätze oder schöne, motivierende Bilder zu speichern. Ich werde eine Notration Schokolade dabei haben. Die Ausrüstung muss stimmen, natürlich gehören auch Jasskarten zum Notfallset.

Was wird Ihnen im fernen Nepal am meisten fehlen?

Das ist schwierig zu sagen. Die Grundbedürfnisse müssen auf das Nötigste reduziert werden. Also werde ich mich auf eine Dusche freuen. Ausserdem werde ich meine Liebsten natürlich sehr vermissen – und umgekehrt hoffentlich auch.

Zur Person: Der 57-jähriger Schulleiter Gianin Müller aus Gontenschwil ist eine der Aargauer Testpersonen, die an der Himalaja-Expedition teilnehmen.

Meistgesehen

Artboard 1