Medizin
Viele Hausärzte finden keine Nachfolger - Doch neue Modelle bieten Abhilfe

Für Hausärzte, die ihre Praxis abtreten wollen, ist die Suche nach einem Nachfolger eine mühsame Angelegenheit. Neue Modelle sind gefragt. Beispielsweise jenes von Medplace in Oberentfelden.

Janine Müller
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Hanspeter Döbelin (in Schwarz) und seine Kollegen haben geregelte Arbeitszeiten und garantierte Ferien. Mathias Marx

Hanspeter Döbelin (in Schwarz) und seine Kollegen haben geregelte Arbeitszeiten und garantierte Ferien. Mathias Marx

Gruppenarztpraxen scheinen die Zukunft der Hausmedizin zu sein: Geregelte Arbeitszeiten, kaum administrativer Aufwand. Eine solche Gruppenarztpraxis ist das Gesundheitszentrum Medplace in Oberentfelden. Die ist im Besitz des Krankenversicherers Concordia. Eine neue Praxis, topmodern ausgerüstet.

Wie ist die Situation für Ärzte in einer Praxis, die von einer Aktiengesellschaft geführt wird? Das Urteil des Leitenden Arztes Hanspeter Döbelin fällt mehrheitlich gut aus.

Nachfolger fehlte

Seine eigene Praxis gab er auf. Er wollte sich altershalber zurückziehen. Doch einen Nachfolger für seine Praxis fand er – wie so viele seiner Berufskollegen – nicht. Der Umzug in die Gruppenpraxis kam für ihn gelegen. Er profitiert von der guten Ausstattung. Die Investitionen trägt Medplace. Und er muss nur noch 70 Prozent arbeiten.

Hört man den Ausführungen von Döbelin zu, hat man das Gefühl, dass eine solche Gruppenpraxis eine Wohlfühloase für Ärzte ist. Beste Bedingungen, wie sie sich junge Ärzte heute wünschen. Trotzdem gestaltet sich die Suche nach Ärzten schwierig.

Drei der vier Praxiskollegen Döbelins sind aus dem Ausland. Deutschland, Polen, Griechenland. Doch alle sprechen Deutsch. «Das ist eine Bedingung», sagt Döbelin.

Ein Nachteil sei der Verdienst. «Im Schnitt verdiene ich weniger als zuvor, aber ich muss weniger Verantwortung tragen», sagt Döbelin. «Und ich bin freier. Wenn ich aufhören will, muss ich den Vertrag kündigen und kann gehen.»

Eine Art Franchise-System

Eine andere Lösung für die Nachfolge eines Hausarztes bietet die Aktiengesellschaft Praxis Gruppe Schweiz. Deren VR-Präsident ist bekannt: Joseph Rohrer, auch VR-Präsident des Inselspitals Bern. Eine Medienschlacht in der «Neuen Luzerner Zeitung» Anfang September hat «Wellen bis nach Bern geschlagen».

Eine Praxis von Gruppen Praxis Schweiz wurde in den gleichen Topf geschmissen wie die Praxen, die von Krankenkassen betrieben werden (siehe Box). «Aber das sind wir nicht», betont Rohrer. «Das Missverständnis wurde geklärt.»

Praxis Gruppe Schweiz hilft Hausärzten bei der Suche nach ihrer Nachfolge. Zwei solcher Praxen werden am 1. Januar in Seon und in Safenwil eröffnet; die betroffenen Hausärzte gehen in Rente oder reduzieren das Pensum. Die Nachfolger sind gefunden. «Oft finden wir rasch jemanden», sagt Rohrer. Das mag daher rühren, dass Praxis Gruppe Schweiz den Ärzten zu Beginn ein Grundeinkommen garantiert.

Sobald die Praxis rentiert, beziehen sie ihr Gehalt vom Einkommen der Praxis. «Der Arzt bleibt Unternehmer der Praxis mit eigener Bewilligung und persönlicher Abrechnungsnummer», sagt Rohrer.

Die Ärzte sind also eine Art Geschäftsführer, die Praxis ist im Besitz der Praxis Gruppe Schweiz. Die Ärzte müssen dort wohnen, wo sie arbeiten. Und sie müssen Mundart verstehen.

In beiden Fällen gibt es für die Patienten kaum Nachteile. Beide Anbieter versuchen, dass die Patienten immer zum gleichen Arzt in die Behandlung können. Wobei es bei Medplace bei kurzfristigen Anmeldungen sein kann, dass man nicht von seinem persönlichen Arzt betreut wird. Für die Ärzte sind beide Modelle vorteilhafter als das alte Hausarztsystem. Feste Arbeitszeiten, garantierte Ferien und ein geringeres ökonomisches Risiko.

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