Wünscht man dem Niesenden nach einem lauten «Hatschi» jetzt Gesundheit oder muss er sich, wie vom Knigge verlangt, entschuldigen?

Die Frage zur Anstandsregel rund um den Reflex bei juckenden Nasen ist topaktuell, denn verschiedene Apotheken im Aargau bestätigen auf Anfrage der Aargauer Zeitung die steigende Zahl von Kunden, die sich mit einem Schnupfen – aber auch Husten oder leichten Halsschmerzen –  herumplagen.

«Momentan kommen tatsächlich viele Menschen mit einer Erkältung zu uns», gibt Regula Petri von der TopPharm Apotheke in Aarau Auskunft. Diesen Trend bestätigt Apotheker Philipp Wyss aus Baden, relativiert aber die Ausmassen der Erkrankung: «Die Zahl der Erkältungen ist zwar grösser als normal, aber von einer Epidemie kann man aktuell nicht sprechen.»

Die wechselhaften Witterungsverhältnisse in diesem durchzogenen Sommer sieht er als Hauptursache für die Erkältungserkrankungen, die heuer früher als im Durchschnitt der Jahre auftreten. „Die Viren fühlen sich wohl bei diesen Bedingungen“, erklärt Philipp Wyss und verweist zugleich auf die überforderten Abwehrkräfte. „Das Immunsystem ist noch nicht parat, der Infektion standzuhalten.“

Präventive Massnahmen

Wenn der Körper gegen die viralen Angriffe noch ungenügend gewappnet ist, gilt es, vorbeugende Massnahmen zu ergreifen. Regula Petri empfiehlt, bei der Kleiderwahl dem Zwiebelprinzip zu folgen.

Verschiedene Schichten garantieren, dass man sich situativ an die Umgebungstemperaturen anpassen kann und immer genügend warm angezogen ist. Auch die gesunde Ernährung spielt eine wichtige Rolle: «Grundsätzlich sollte man fünf Mal am Tag Obst und Gemüse essen», erklärt Philipp Wyss.

Immunsystem stärken

Zum Aufbau eines gestärkten Immunsystems können aber auch sparsam eingenommene Vitamin C- oder Zinkpräparate förderlich sein. Andere schwören wiederum auf ein Produkt der Natur mit abwehrsteigernden Heilkräften, das sogar gar in den heimischen Gärten wächst.

«Präparate aus dem Sonnenhut – oder mit lateinischem Namen Echinacea – stärken das Immunsystem», klärt Regula Petri auf. Treten die ersten Symptome auf, ist es wichtig, die Ansteckungsgefahr für andere möglichst gering zu halten und die Übertragung auf den verschiedenen Wegen  - Beispielsweise Brührungen mit Hand oder via Tröpfcheninfektion - einzudämmen, betont Philipp Wyss.

Regelmässiges Händewaschen gilt hier als Grundsatz. Niessen sollte man besser in den Ellenbogen und nicht wie oft praktiziert in die vorgehaltene Hand. Wenn die Symptome doch überhand nehmen und der Leidensdruck stetig steigt, beleibt dem Erkrankten der Weg in die Apotheke oft nicht erspart.

Nasensprays in verschiedenen Varianten lindern die Entzündungen der Nasenschleimhäute. Durch die gefässverengende Wirkung der Medikamente schwellen die Schleimhäute ab und die Nasenhöhlen werden frei. Bei einer besonders starken Ausprägung vom Schnupfen kann ein unangenehmer Druck in den Kieferhölen unterhalb der Augen auftreten, der sich beim Bücken besonders schmerzhaft bemerkbar macht, wie Regula Petri erklärt.

Bleibt nur zu hoffen, dass sich der aktuelle Trend mit dem grassierenden Schnupfen nicht weiter verschärft und man dank der vorbeugenden Massnahmen tatsächlich von seinen lästigen Begleiterscheinungen verschont bleibt.