Bei der Suche der Nagra nach einem Tiefenlagerstandort (vgl. Box) stellt sich auch die Frage, wo denn eine Oberflächenanlage gebaut werden könnte, über die die Abfälle ins Lager verbracht werden. Für den Fall, dass das Lager in den Bözberg (Jura Ost) kommt, hat die Regionalkonferenz Jura Ost bereits vor zwei Jahren einen von mehreren diskutierten Oberflächenanlage-Standorten «als den am wenigsten ungeeigneten» erwählt. Es ist ein Standort in Villigen, in grosser Nähe zum Paul-Scherrer-Institut (PSI).

Hightech-Zentrum und Atom-Endlager, wie passt das zusammen? «Tele M1»-Redaktor in Brugg im Gespräch mit Regierungsrat Urs Hofmann (Mitte) und PSI-Direktor Joël Mesot (rechts).

Hightech-Zentrum und Atom-Endlager, wie passt das zusammen? «Tele M1»-Redaktor in Brugg im Gespräch mit Regierungsrat Urs Hofmann (Mitte) und PSI-Direktor Joël Mesot (rechts). (März 2015)

Gegen diesen Standort wehrt sich allerdings die Aargauer Regierung. Im az-Interview sagte der zuständige Regierungsrat Stephan Attiger: «Eine zentrale Forderung von uns ist, dass das PSI als wichtigstes Forschungszentrum der Schweiz mit seinen Grossforschungsanlagen in seiner Entwicklung nicht eingeschränkt werden darf.» Dazu gehöre die Forschungsanlage SwissFEL. SwissFEL-Ingenieure sagten ihm, dass sie spüren, wenn draussen ein Auto vorbeifährt.

Attiger: «Da frage ich mich schon, wie man in der Nähe ein Tiefenlager bohren und eine Oberflächenanlage hinstellen will. Wir haben grösste Vorbehalte zur Vereinbarkeit des Standortes für die Oberflächenanlage mit dem PSI.» Kurz nach diesen Aussagen in der az sagte Leo Grünenfelder, Vorsitzender der Fachgruppe Oberflächenanlagen der Regionalkonferenz Jura Ost, man halte am Standort fest. «Bei unseren umfangreichen Abklärungen hat sich gezeigt, dass Villigen gegenüber den anderen Vorschlägen der Nagra klar am wenigsten Nachteile hat.»

Nagra-Visualisierung: Wie ein Tiefenlager an der Erdoberfläche aussehen würde und wie es aufgebaut ist.

Nagra-Visualisierung: Wie ein Tiefenlager an der Erdoberfläche aussehen würde und wie es aufgebaut ist.

Entscheid am 18. Juni

Basierend auf dieser Beurteilung hat die Nagra drei Planungsstudien für diesen Standort ausgearbeitet: für ein Lager mit schwach- und mittelaktiven Abfällen, für eins mit hochaktiven Abfällen und für ein Kombilager. Die zuständige Fachgruppe der Regionalkonferenz hat dazu eine 15-seitige Stellungnahme erarbeitet. Diese wird der Regionalkonferenz an ihrer Versammlung vom 18. Juni unterbreitet. Konferenzmitglieder können noch bis 11. Juni Anträge und Korrekturvorschläge einreichen. Am 18. Juni wird dann entschieden.

Laut dem Papier wurden die Hauptforderungen der Regionalkonferenz «in den Planungsstudien mehrheitlich berücksichtigt». Einige Aspekte seien jedoch zu vage erläutert oder widersprächen den Anliegen der Regionalkonferenz. Daraus leitet diese zahlreiche Forderungen an die Nagra ab.

Das sind die Forderungen

Villigen, Böttstein, Würenlingen sowie die betroffenen Grundeigentümer sollen in die Planung der neuen Aare-Brücke und einer allfällig notwendigen neuen Tunnelanlage einbezogen werden. Zusätzliche Anstrengungen zum Schutz von Biotopen, Oberflächengewässern, Wildtierkorridoren und Vernetzungsräumen seien vorzunehmen.

Weiter seien Massnahmen zur Grundwassersicherung aufzuzeigen: «Eine wissenschaftliche Betrachtung des Einflusses auf Mineral- und Thermalquellen und auf die Tiefengeothermie ist vorzunehmen.» Durch Böttstein und Villigen soll es keinen Baustellenverkehr geben. Verlangt wird ein Verkehrskonzept. Die Eingliederung der Oberflächenanlage (OFA) in die Umgebung sei zu verbessern. Auch will man Lösungen sehen, um den neuen Aareübergang für die Öffentlichkeit nutzbar zu machen.

Weiter sei abzuklären, ob vom Rutschhang «Chästel/Nassberg» eine Gefährdung für die OFA ausgeht und welche Hochwasserschutzmassnahmen am Krebsbach vorzunehmen sind. Sämtliche Anpassungen seien punkto Verträglichkeit mit dem Jurapark Aargau abzugleichen. Schliesslich sei vertieft abzuklären, «wie eine Beeinträchtigung der Forschungstätigkeiten des PSI und der Sicherheit des Zwilag ausgeschlossen werden kann». Schliesslich sei aufzuzeigen, «wie das Tiefenlager ohne Beeinträchtigung des Parks innovAARE realisiert werden kann».