Auto-Orte
Viele Fahrzeuge im Dorf – ein Segen für Garagen und Fahrschulen?

Schwaderloch und Baldingen haben einen hohen Motorisierungsgrad, hier sind überdurchschnittlich viele Fahrzeuge gemeldet. Da liegt die Vermutung nahe, dies könnte ein Vorteil etwa für Garagenbetriebe sein.

Marc Fischer und Michael Hunziker
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Ausserhalb von Zentren sind gerade Pendler auf ein Auto angewiesen. (Symbolbild)

Ausserhalb von Zentren sind gerade Pendler auf ein Auto angewiesen. (Symbolbild)

Alex Spichale

73 Autos pro 100 Einwohner werden in Schwaderloch gezählt. Im Vergleich zu den anderen Aargauer Gemeinden ein hoher Wert. Vier Garagenbetriebe sowie ein Carrosserie-Spritzwerk sind laut Telefonbuch in dem direkt am Rhein gelegenen Dorf ansässig. Einerseits hätten diese Betriebe selber wohl einige Fahrzeuge eingelöst, sagt Roger Keller von der Bahnhofgarage Keller AG.

Dieser Umstand könne zum hohen Motorisierungsgrad beitragen. Andererseits seien viele Schwaderlocher auf ein Auto angewiesen, fährt Keller fort. Er nennt ein Beispiel: «Wir haben bei uns keinen Dorfladen. Ohne Auto wird es schwierig, die Einkäufe zu erledigen.»

Auf die Bahnhofgarage habe der Motorisierungsgrad keine direkten Auswirkungen. Er sei auch nicht entscheidend gewesen bei der Wahl des Firmenstandorts, sagt Keller weiter. «Wir haben unser Geschäft schon über 40 Jahre hier. Ein grosser Teil unserer Kunden kommt nicht aus der Gemeinde, sondern aus der Umgebung.»

Ähnlich äussert sich Astrid Schibli, die seit über 20 Jahren eine Fahrschule in Windisch betreibt. Mit 46 Autos pro 100 Einwohner liegt die Gemeinde auf der anderen Seite der Skala. Ihre Kunden kämen nicht nur aus Windisch, sondern aus der ganzen Region, sagt die Fahrlehrerin.

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Der gute Name zählt

Einen Einfluss des Motorisierungsgrades auf ihr Geschäft könne sie nicht feststellen, so Astrid Schibli. Von Bedeutung sei vielmehr, wie viele Fahrlehrer und wie viele Fahrschüler es im Allgemeinen gebe. «Wichtig ist, sich einen guten Namen zu schaffen. Davon lebt man.»

Über Jahrzehnte einen Namen geschaffen hat sich Bernhard Binder, einziger Fahrlehrer in Baldingen. «Ich habe kein Mobiltelefon und keine Website und bin voll ausgelastet», sagt er. Und: «Ich habe nicht gewusst, dass Baldingen einen so hohen Motorisierungsgrad hat, aber das kann gut sein. Es gibt ja kaum öV-Verbindungen. Die jungen Baldinger werden erst mobil, wenn sie mit 16 Jahren Roller fahren dürfen. Vorher ist es mühsam.»

Auch er lebt aber nicht nur von den Fahrschülern aus der 300-Seelen-Gemeinde. «Ich bin im ganzen Studenland tätig. Man kennt mich dort, ich bin in den Vereinen tätig. Von vielen meinen Schülern habe ich schon den Eltern Autofahren beigebracht.»

Aargauer Zahlen 2014