«So still ist es sonst nicht, wenn ich hier spreche», sagte Grossrat Herbert Scholl zu den Studenten und Altherren, die sich am 34. Verbindungstag im Grossratsaal in Aarau versammelt hatten. Der Aargau stehe vor einem Umbruch: Die 20 Massnahmen, die aus der finanziellen Not entstanden seien, seien besonders in den Bereichen Gesundheit und Bildung zu spüren.

«Es soll ein feingliedriges Netz entstehen, aber die Dienstleistungen sollen nicht mehr so standortgebunden sein. Wenn ich operiert werde, dann ist mir egal, ob das in Aarau, Baden oder Zofingen ist – aber es muss der beste Arzt sein.» Und auch im Bereich Bildung gelte: Qualität vor Standort. «Aber erklären Sie mal an einer Wahlveranstaltung, dass man auf die eigene Schule verzichten wolle, weil die im Nachbardorf besser ist», so Scholl.

Deshalb sei auch die Gesellschaft wichtig: «Verbindungen sind aktueller denn je. In den Verbindungen haben wir gelernt, uns eine Meinung zu bilden, diese zu vertreten, Koalitionen zu schmieden und nicht bei jedem Gegenwind sofort umzufallen.» Deshalb brauche es mehr Leute aus Verbindungen im Grossen Rat, sagte Scholl, mit über 31 Jahren das amtsälteste Parlamentsmitglied.

Attraktivität hat gelitten

Regierungsrätin Franziska Roth erklärte, Verbindungen seien wichtig und erhaltenswert. «Es gibt wenig, das im Alter immer schöner wird, Verbindungen scheinen aber dazu zu gehören», meinte sie schmunzelnd. Auch das Militär habe sich einer Verjüngungskur unterziehen müssen, spann Roth den Bogen. Das Privileg der Bildung dürfe man nicht unterschätzen. «Bildung sehe ich weniger als Rohstoff, sondern als hochwertiges, verarbeitetes Produkt. Das ist nur möglich, weil die Sicherheit gewährleistet ist, für die auch das Militär verantwortlich ist.»

Auch Martin Burkard, Rektor der Alten Kantonsschule Aargau, überbrachte eine Grussbotschaft. «Ich mache das seit 20 Jahren», erklärte er und blickte auf diese Zeit zurück. Die Schülerzahl habe meist zugenommen, in den letzten Jahren gebe es einen leichten Abwärtstrend. Aktuell sind 1250 Schülerinnen und Schüler auf 58 Klassen verteilt und werden von 170 Lehrerinnen und Lehrern unterrichtet. «Allerdings sind besonders die Einstiegslöhne im Aargau relativ tief, der Kanton hat als Arbeitgeber an Attraktivität verloren.»

Auch Landmann sehr politisch

Zwischen den Reden wurde zur Auflockerung traditionsbewusst gesungen. Freudig erwartet wurde der Festvortrag zum Thema «Freiheit» vom schweizweit bekanntesten Anwalt Valentin Landmann. «Heute bin ich nicht vor Gericht und muss einmal nichts beweisen», witzelte er. Was danach kam, tönte dann sehr nach Wahlkampfrede: Landmann warnte vor dem EU-Rahmenabkommen und weibelte für die Selbstbestimmungsinitiative der SVP. «Wenn die Schweiz immer mehr internationales Recht übernimmt und dieses über der Verfassung steht, dann sind das zwei Seiten einer Zange, die unsere Freiheit bedrohen.» Unser Recht hätte dann nur noch folkloristische Bedeutung, sagte der bekannte Milieuanwalt.

Ein Zuhörer meinte beim anschliessenden Apéro treffend: «Etwas schwere Kost für einen Verbindungstag.»