Fahndung
Videokameras sind die neuen Hilfssheriffs – nicht nur bei Badener Schlägern

Öffentlichkeitsfahndungen mit Bildern von Überwachungskameras sind für die Kantonspolizei Aargau das letzte Mittel. Wenn sie diese doch einsetzt, kommt jeweils das gleiche stufenweise Vorgehen zum Zug.

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Bilder von Überwachungskameras:

Bilder von Überwachungskameras:

ZVG

Februar 2011: Sechs junge Männer prügeln in Baden einen Passanten spitalreif.

November 2014: Fussball-Fans liefern sich in Aarau eine Massenschlägerei.

Januar 2015: Zwei Männer rauben in Baden eine Frau aus. Die Kantonspolizei Aargau konnte die Täter überführen – indem sie Bilder von Überwachungskameras publiziert hatte.

Trotz Erfolg: Solche Öffentlichkeitsfahndungen gelten bei der Kantonspolizei als letztes Mittel. «Würden wir dies jeden Tag machen, würden die Fotos in der täglichen Bilderflut nicht mehr beachtet werden und somit ihre Wirkung verlieren», sagt Polizeisprecher Bernhard Graser.

Pro Jahr greift die Polizei rund zehn Mal auf die sogenannte Öffentlichkeitsfahndung zurück. «Nur wenn die bisherigen Ermittlungen erfolglos waren, ein schweres Delikt vorliegt und die Täter auf den Fotos erkennbar sind, gehen wir mit den Bildern an die Öffentlichkeit», sagt Graser.

Die Vorgehensweise ist dabei nicht immer die gleiche. Bei den Hooligans, die sich am Bahnhof Aarau prügelten, entschied sich die Polizei für ein stufenweises Vorgehen.

Zuerst rief sie die Hooligans auf, sich zu stellen; ansonsten würde sie die Fotos der Überwachungskameras veröffentlichen. Als dies ohne Wirkung blieb, publizierte die Polizei die Bilder. Die Gesichter der Hooligans waren dabei noch nicht erkennbar.

Nach einer weiteren Drohung, die Fotos nun mit erkennbaren Gesichtern zu veröffentlichen, stellten sich die Hooligans. «Wir wussten, dass es sich bei den Schlägern um rivalisierende Fussballfans handelte und durften daher annehmen, dass die Veröffentlichung der Bilder in der Szene auf Beachtung stossen würde», sagt Graser.

Wenn man die mutmasslichen Täter nicht eingrenzen kann, wie etwa beim Raubüberfall im Januar und den Schlägern, die ab Mittwoch vor dem Bezirksgericht Baden stehen, geht die Polizei von Anfang an mit unverpixelten Fotos an die Öffentlichkeit. (ssu)