Kara ist ein American Staffordshire Terrier. Und damit eine Rasse, die im Aargau auf der Liste der Hunde mit erhöhtem Gefährdungspotenzial steht. Kara ist ein Kampfhund, oder eben ein Listenhund. «Eine Kampfschmuserin», würde Anita Gasser vom Tierheim des Aargauischen Tierschutzvereins in Untersiggenthal sagen.

Und wie, um es zu beweisen, leckt Kara der Tierpflegerin mit ihrer grossen Zunge das ganze Gesicht ab.

Kara ist einer der 13 Hunde, die im vergangenen Jahr vom Veterinärdienst beschlagnahmt wurden. 7 weitere Listenhunde wurden laut Angaben des Veterinärdienstes von ihren Haltern freiwillig abgegeben. Dies ist eine Folge des neuen Hundegesetzes, das im Mai 2012 in Kraft trat.

Entgegen den Erwartungen: Beschlagnahmte Hunde sind keine zähnefletschenden Bestien. «Die Mehrheit der Listenhunde hat einen Top-Charakter", Rahel Marschall vom kantonalen Veterinärdienst. Eingeschläfert werden sie nur, wenn sie krank oder extrem aggressiv sind. Bisher musste noch kein Hund getötet werden, weil er gefährlich war.

Warum will jemand einen Pitbull?

Einige der beschlagnahmte Listenhunde kommen ins Tierheim nach Untersiggenthal. Dort befasst man sich intensiv mit ihnen. Sobald ein Listenhund zur Vermittlung bereit ist, wird er auf der Internetseite des Tierheims veröffentlicht.

Von den 15 Hunden des Tierheims, die zurzeit ein neues Zuhause suchen, sind 3 Listenhunde. Ihre Vermittlung ist aufwendig, wie Anita Gasser. Leiterin des Tierheims, erklärt.

Die Frage ist doch: Wer will einen Rottweiler, wenn er auch einen Labradorhund haben kann? Anita Gasser antwortet mit einer Gegenfrage: «Warum will jemand einen Nackthund, wenn er auch einen Hund mit Fell haben kann?»

Die Wahl der Hunderassen sei eben Geschmackssache - dem einen gefällt der Pudel, dem anderen der Pitbull. Sie findet überhaupt, dass Listenhunde stigmatisiert und in der Öffentlichkeit als Bestien dargestellt werden - dies zu Unrecht.

Listenhunde seien ganz tolle Hunde, die keine brutale Erziehung brauchen, sondern liebevolle konsequente Führung. Ruft jemand an und will einen der Listenhunde, fragt Gassner besonders genau nach. Würde ein Anrufer nach einem Prestige-Objekt suchen, wäre das Telefonat sofort beendet.

Kara ist im Kanton Zürich verboten

Bis ein Hund mit erhöhtem Gefährdungspotenzial abgegeben wird, kommt ein potenzieller Halter mehrmals im Tierheim vorbei. Nach dem ersten Gespräch erfolgt die Abklärung beim Veterinärdienst, ob bereits Tierschutzvorfälle vorliegen.

Liegt nichts vor, darf der potenzielle Halter vorbeikommen, wieder Gespräch, dann erste Spaziergänge mit dem Hund, irgendwann Tagesausflüge und nochmals Gespräche. Haben zwei Tierpflegerinnen des Tierheims unabhängig voneinander einen guten Eindruck, wird der Hund auf Probe abgegeben. Voraussetzung ist, dass eine provisorische Haltebewilligung besteht.

Zubeissen kann jeder Hund. «Der Biss eines Pitbulls sei aber verheerender als der eines Pudels.» Daher sei auch die Verantwortung höher. Selbstverständlich müsse aber auch ein Chihuahua-Halter sein Tier unter Kontrolle haben.

«Kein Hund kommt böse auf die Welt, auch kein Listenhund», sagt Gasser. Das beweise Kara, die vor drei Monaten ins Tierheim kam. Damals sei sie verängstigt und panisch gewesen. Jetzt zeigt sich: «Kara ist ein genialer Hund.» In den Kanton Zürich könnte Kara trotzdem nicht vermittelt werden. Dort sind American Staffordshire Terrier verboten.