Kinderpornografie

Verurteilter Kinderarzt von Aarau – das sagt der Kinderschutz-Experte

Der verurteilte Arzt arbeitet heute nicht mehr mit Kindern. (Symbolbild)

Der verurteilte Arzt arbeitet heute nicht mehr mit Kindern. (Symbolbild)

Darf ein Kinderarzt, der jahrelang kinderpornografische Bilder und Videos konsumiert hat, weiterhin als Arzt tätig sein? Ein Chefarzt gibt Auskunft.

«Eine heikle Frage», sagt Markus Wopmann. Er ist Chefarzt im Bereich Kinder- und Jugendmedizin am Kantonsspital Baden und Leiter der Fachgruppe Kinderschutz der Schweizer Kinderkliniken.

Viele Leute hätten Fantasien, die sie in der Realität niemals machen würden. «Solche Leute sind nicht per se eine Gefahr für andere.» Bei Fantasien, die mit Kinderpornografie zu tun haben, sei der Fall schwieriger, da schon der Konsum von kinderpornografischem Material strafbar ist.

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Zudem sehe der Arzt die Kinder berufsbedingt nackt, was ihn möglicherweise sexuell erregen könnte. «Die Vorstellung, dass ein Arzt mit solchen Neigungen mit Kindern arbeitet, die ihn in einem anderen Kontext sexuell erregen, ist schwierig», sagt Wopmann.

Ob der Arzt weiterhin praktizieren dürfe, müsse je nach Fall abgeklärt werden. Beschränken sich die sexuellen Fantasien des Mannes auf Knaben eines bestimmten Alters? Kann ausgeschlossen werden, dass der Mann in seiner zukünftigen beruflichen Tätigkeit eine Gefahr ist? «Der Arzt soll weiterhin praktizieren dürfen. Vorausgesetzt, er hat keinen Kontakt mehr zu Kindern», findet Wopmann.

Gesetzliche Grundlagen zur Überprüfung von Kinderärzten gibt es nicht. Laut Wopmann würde dies auch wenig Sinn machen. «Ein Strafregisterauszug ist kein Blankocheck. Mit einer Kontrolle würde man sich in falscher Sicherheit wiegen.» Wie also kann man sich vor Übergriffen von Ärzten schützen? «Indem man als Patient klar sagt, wenn man etwas nicht will», so Wopmann.

In einem Spital sei die soziale Kontrolle zudem höher, da dort viel mehr Leute arbeiten. Zu einer Untersuchung könne zum Schutz auch eine Begleitperson mitgenommen werden. Laut Wopmann verlangen heute schon viele Ärzte zu ihrem eigenen Schutz, dass bei einer Untersuchung eine Begleitperson dabei ist.

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