Aargau/Solothurn
Verträge fürs Frauenhaus nur befristet verlängert – weitere Verhandlungen geplant

Die beiden Kantone verlängern die ausgelaufene Vereinbarung mit der Stiftung Frauenhaus Aargau/Solothurn nur um acht Monate.

Kelly Spielmann
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Wo das Frauenhaus Aargau Solothurn steht, ist geheim.
56 Bilder
Kein rachsüchtiger Mann soll seine Frau oder Ex-Frau hier finden.
Wer ins Frauenhaus aufgenommen werden will, ruft die Nummer 062 823 86 00 an. Dann steht zuerst eine telefonische Beratung an.
Nur das Personal darf ins Büro.
Im Frauenhaus haben die Frauen Zeit, gesund kochen zu lernen.
Die Küche ist hell und modern.
Eine Klientin (Bewohnerin) bereitet das Mittagessen vor.
Zu Hause sind viele Frauen zu stark unter Druck, um richtig zu kochen.
Die Betreuerinnen planen die Mahlzeiten. Die Klientinnen kaufen ein und kochen.
Die Einkaufsliste.
Im Spielzimmer kümmern sich Betreuerinnen um die Kinder.
Blick in das Spielzimmer.
Züsi Born leitet das Frauenhaus.
Zeichnung mit Fensterfarbe.
Kinderwagen, Trottinett, Schneeschaufel: Das Frauenhaus ist gut ausgerüstet.
Viele Frauen sind nach dem Austritt unendlich dankbar und schicken Dankeskarten an das Frauenhaus.
Viele Kinder schenken den Betreuerinnen zum Abschied Zeichnungen.
Ihr eigenes Handy müssen die Frauen beim Eintritt abgeben. Zu gross ist die Gefahr, geortet zu werden.
Als Ersatz erhalten die Frauen ein einfaches Handy mit neuer Nummer, aber ohne Internetzugang.
Das eigene Smartphone darf nicht benutzt werden.
An diesem Computer dürfen die Frauen nach Jobs und Wohnungen suchen oder Mails abrufen.
Soziale Medien sind hingegen tabu.
Viele Kinderkunstwerke zieren das Frauenhaus.
Im Garten steht ein Töggelikasten.
Gewisse Frauen dürfen nur in den Garten, nicht aber auf die Strasse. Sie könnten auf ihren Peiniger treffen.
Die Kinder dürfen sich im Spielzimmer Spielsachen ausleihen. Mit Lego und Duplo verarbeiten sie teilweise ihre Traumata.
Bücher und Spiele helfen ebenso bei der Verarbeitung verstörender Erlebnisse. Diese Bilderbücher thematisieren häusliche Gewalt.
Blick in ein Badezimmer.
Der Eingangsbereich.
Hier geht es zum Spielzimmer.
Für ältere Kinder gibt es den Jugendraum.
Auch eine kleine Bibliothek steht zur Verfügung.
«Meine Probleme weiss ich und meine Beraterin. Sonst niemand», sagt Hana (Name geändert), eine ehemalige Bewohnerin des Frauenhauses.
Damit der Garten von aussen nicht zu sehen ist, ist das Gelände umzäunt.
Gartenstühle zum Verweilen.
Eine Klientin telefoniert im Garten.
Das Telefon ist ein wichtiger Anker für die Frauen – ihr Bezug zur Aussenwelt.
Frauen, die Opfer von häuslicher Gewalt geworden sind, finden im Frauenhaus Unterschlupf.
Aufklärungsbmaterial zu Themen wie Sexualität liegt in mehreren Sprachen vor.
Eine Klientin richtet ihr Bett.
Frauenhaus Aargau Solothurn (1)
Eine Klientin im Aufenthaltsraum und Esssaal.
Blick in ein Zimmer.
Jede Klientin erhält ihr eigenes Zimmer.
Weitere Impressionen aus dem Frauenhaus Aargau Solothurn.

Wo das Frauenhaus Aargau Solothurn steht, ist geheim.

Sandra Ardizzone

Die Stiftung Frauenhaus Aargau-Solothurn schloss das Jahr 2017 mit einem Rekorddefizit ab. Das Minus betrug 724 673 Franken und war damit fast eine halbe Million grösser als im Jahr 2016, in dem die finanzielle Lage bereits als kritisch galt. Die Stiftung führt das Frauenhaus Aargau-Solothurn seit über zehn Jahren im Auftrag der beiden Kantone.

Die Leistungsvereinbarung sei wegen des hohen Defizits jedoch nicht in Gefahr, sagte Simone Strub vom Departement Bildung, Kultur und Sport (BKS) des Kantons Aargau im Juli 2018. Doch nun, nachdem die Vereinbarung Ende 2018 ausgelaufen ist, wird sie nur befristet bis Ende August dieses Jahres verlängert. Dies schreibt das Amt für soziale Sicherheit des Kantons Solothurn in einer Medienmitteilung.

Weitere Verhandlungen geplant

Die befristete Verlängerung habe nichts mit dem Defizit zu tun, erklärt Claudia Hänzi vom Amt für soziale Sicherheit. Die Leistungsvereinbarung sei bereits Ende 2017 ausgelaufen. Man habe sich entschieden, sie um ein Jahr zu verlängern, um während dieser Zeit neue Verträge auszuhandeln. «Wir mussten nun merken, dass ein Jahr nicht ausgereicht hat», so Hänzi. «Die Stiftung befindet sich zurzeit in einer Phase der Umstrukturierung. Bis sie abgeschlossen ist, macht es keinen Sinn, eine neue Vereinbarung zu treffen.»

In den kommenden Monaten sollen Verhandlungen geführt und die Zusammenarbeit überprüft werden. «Wir müssen miteinander reden und allenfalls die Verträge anpassen», erklärt Hänzi. Man könne jedoch nie wissen, ob man auf einen gemeinsamen Nenner komme: «Das ist wie bei allen Vereinbarungen. Manchmal sucht man sich dann einen neuen Partner», so Hänzi. Es seien aber gemeinsame Ziele vereinbart worden, die man in den kommenden Monaten erreichen wolle.

Ziel: ausgeglichene Rechnung

Auch im Aargau empfindet man die Zusammenarbeit mit der Stiftung Frauenhaus Aargau-Solothurn als wichtig: Man sei daran interessiert, den Betrieb am heutigen Standort weiterführen zu können, sagt Sascha Giger, Mediensprecherin beim Departement für Bildung, Kultur und Sport. «Der Kanton wird die aktuelle Situation vor Ablauf der Leistungsvereinbarung zusammen mit dem Frauenhaus prüfen und dann das weitere Vorgehen festlegen», so Giger.

Das Frauenhaus befinde sich in einem tiefgreifenden Veränderungsprozess, sowohl auf operativer als auch auf strategischer Ebene. «Der Kanton Aargau sieht darin eine Chance, die es auch erlaubt, das Angebot nachhaltig auf die sich verändernden gesellschaftlichen Bedingungen auszurichten», so Giger. Ein Ziel sei, dass möglichst bald wieder eine ausgeglichene Rechnung erreicht werden könne. «Das scheint realistisch», meint Giger.