1841 wurde das Kloster Muri aufgehoben und ging in den Besitz des Kantons über. Dabei wurden auch die farbigen Glasmalereien aus dem 16. Jahrhundert aus dem Kreuzgang entfernt und nach Aarau gebracht.

Seit 1957 sind die Scheiben wieder im Kloster – streng genommen aber nur inoffiziell. Es gibt zwar einen entsprechenden Beschluss des Regierungsrats, ein Leihvertrag zwischen dem Kanton Aargau als Besitzer der Glasscheiben und der katholischen Kirchgemeinde Muri als Eigentümerin des Klosters fehlte bisher aber.

Festgestellt hat dies Immobilien Aargau, weil in der Datenbank der kantonalen Besitztümer kein solches Dokument zu den Murianer Glasmalereien hinterlegt war. «Weder bei der Denkmalpflege noch bei der Kirchgemeinde Muri oder im Staatsarchiv war ein Vertrag zu finden», erklärt Denkmalpfleger Reto Nussbaumer.

Seit Donnerstag ist die vertragslose Situation aber vorbei: Nussbaumer und Thomas Suter, Präsident der Murianer Kirchenpflege, unterzeichneten in der Sakristei des Klosters einen Dauerleihvertrag.

Restaurierung dauerte sieben Jahre

Damit ist der Verbleib der Glasmalereien in Muri, die zwischen 2006 und Ende 2013 für 1,85 Millionen Franken restauriert worden sind, auch offiziell gesichert.

«Die Scheiben sind und bleiben hier», betonte Denkmalpfleger Nussbaumer. Muri habe die Malereien in den letzten 57 Jahren auch ohne Vertrag sehr gut gepflegt, hielt er fest.

Nussbaumer betonte ausserdem, der Kanton habe die Glasmalereien im Jahr 1841 nicht gestohlen, wie dies immer wieder zu hören sei. «Mit der Verstaatlichung des Klosters gehörten die Scheiben automatisch dem Kanton», erläuterte der Denkmalpfleger.

Dass die Scheiben 116 Jahre lang im Gewerbemuseum Aarau gelagert worden seien, habe auch Vorteile gehabt. «In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden viele Kunstwerke aus europäischen Klöstern und Schlössern verkauft. Vielleicht hat der Kanton den Murianer Glasfenstern dieses Schicksal erspart, als sie in die Hauptstadt gebracht wurden», sagt er.

Heute herrscht zwischen Muri und Aarau ein gutes Verhältnis. «Die Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege war in den letzten Jahren hervorragend», betont Thomas Suter, Präsident der Kirchenpflege im Klosterdorf.

Muri dürfe stolz sein auf die Malereien im Kreuzgang, sagt Reto Nussbaumer. «Zusammen mit den Fenstern in Königsfelden und Wettingen bilden sie ein schönes Ensemble», führt er aus.

Der Fensterzyklus in Muri sei zeitlich, künstlerisch und stilistisch so dicht und geschlossen, «dass dies mindestens schweizweit einzigartig ist», macht er klar.