Die Staatsanwaltschaft Aargau hat am Donnerstagmorgen vor dem fünfköpfigen Bezirksgericht Lenzburg dargelegt, warum Rechtsanwalt Roland Padrutt eine vierjährige Gefängnisstrafe absitzen soll.

Ihm werden diverse Vermögensdelikte in Zusammenhang mit Erben- und Stockwerkeigentümergemeinschaften vorgeworfen. Padrutt soll während mehr als zehn Jahren vier- bis sechsstellige Beträge von Klienten zweckentfremdet haben, um finanzielle Löcher zu stopfen. Der Gesamtdeliktsbetrag beläuft sich laut Anklage auf 1,66 Mio. Franken.

Mehrere Anwälte von Zivilklägern distanzierten sich in ihren Plädoyers von den mutmasslichen Machenschaften ihres Berufskollegen. Dieser habe einen «schweren Vertrauensmissbrauch» begangen und sei noch viel härter zu bestrafen. Ein anderer Opfervertreter sagte, er fühle sich in seiner Standesehre angegriffen.

Der amtliche Verteidiger Padrutts kritisierte die Staatsanwaltschaft, die während der Untersuchung zu wenig Kompetenz in Sachen Wirtschaftskriminalität an den Tag gelegt habe.

Zudem seien die vielen Akten willkürlich zuungunsten seines Mandanten ausgewertet worden und dessen Einvernahmen nur ungenügend in die Anklage eingeflossen. In rund der Hälfte der 13 Straftatendossiers sei Padrutt freizusprechen, zumal in diesen Fällen - hauptsächlich bei den Erbengemeinschaften - alles korrekt abgelaufen sei.

Bei den Stockwerkeigentümerschaften hätten tatsächlich Verfehlungen stattgefunden, wobei sich Padrutt damals in einer schwierigen Phase befunden habe. Er war offenbar monatelang in stationärer psychiatrischer Behandlung.

Die Verteidigung plädierte für eine Freiheitsstrafe von 18 Monaten bedingt. Dies auch unter Berücksichtigung einer «massiven Vorverurteilung» von Padrutt in den Medien. Sein Mandant sei ¯an zahlreichen Widerwärtigkeiten gescheitert», sagte der Verteidiger.

Das Gericht wies am Mittag den Wunsch der Verteidigung ab, der Angeklagte sei noch vor der Urteilseröffnung ärztlich zu begutachten und zu befragen. Der Verteidiger hatte entsprechende Anträge gestellt, weil Padrutt nicht zur Verhandlung erschienen war.

Dieser hatte vor zwei Tagen ein Dispensationsgesuch aus gesundheitlichen Gründen eingereicht, das vom Bezirksgericht diesmal akzeptiert worden war. Beim ursprünglich vorgesehenen Prozesstermin Anfang März misstraute das Gericht dem Arztzeugnis, musste aus formellen Gründen aber einen zweiten Termin ansetzen.

Das Urteil wird am Freitagmorgen eröffnet.

Kanzlei-Mobiliar verkauft

Das Konkursamt Aargau, das für Pfandgläubiger der inzwischen liquidierten Villa Malaga GmbH eine Verwertung der Liegenschaft plant, hat schon mal das Inventar verkaufen lassen (die az berichtete).

Der Erlös aus dem Verkauf der ehemaligen Padrutt'schen Anwaltskanzlei soll «zur Deckung der Zivilforderungen» und «zur Sicherstellung der Verfahrenskosten» verwendet werden, steht in der Anklageschrift.

Die Gesamtdeliktsumme beträgt 1,7 Mio. Franken.