Reaktion auf den Klimawandel

Pilotprojekt soll zeigen, wie der zunehmenden Trockenheit im Aargau sinnvoll begegnet werden kann

Bewässerung landwirtschaftlicher Kulturen mit Wasser aus der Bünz im Juli 2018: Später wurde die Entnahme aus dem kleinen Fluss verboten.

Bewässerung landwirtschaftlicher Kulturen mit Wasser aus der Bünz im Juli 2018: Später wurde die Entnahme aus dem kleinen Fluss verboten.

Im ganzen Bünztal wird untersucht, wie die Bewässerung aussehen soll, welche Kulturen an welchem Standort optimal sind und wie Gemeinden und Kanton der zunehmenden Trockenheit langfristig begegnen können.

Wortwörtlich auf dem Trockenen sassen viele Aargauer Bauern im Hitzesommer im letzten Jahr. Das nötige Regenwasser fehlte, zudem verbot der Kanton die Wasserentnahme aus Bächen und kleinen Flüssen. Kurzfristig fordern die Bauern eine stärkere Grundwassernutzung zur Bewässerung ihrer Kulturen.

Längerfristig ausgerichtet ist ein Projekt mit dem Titel «Landwirtschaft und Bewässerung im Klimawandel – Anpassung als Chance», das am Montag lanciert wurde. Im neuen Infoflyer des kantonalen Departements Bau, Verkehr und Umwelt wird der Aargau als Top-5-Agrarkanton der Schweiz bezeichnet. «Entsprechend wichtig ist es, dass die Landwirtschaft auch in Zukunft eine Perspektive hat», schreibt Norbert Kräuchi, Leiter der Abteilung Landschaft und Gewässer. Der Kanton gehe die Problematik ganzheitlich an, heisst es im Flyer weiter.

Früher wurde stark entwässert

Das Landwirtschaftssystem im Aargau ist laut dem Flyer «historisch bedingt nicht auf zu wenig Wasser ausgerichtet, sondern auf zu viel Wasser». So wurden früher Sumpfgebiete im Reusstal trockengelegt, im letzten Jahrhundert wurde der Wasserhaushalt der Bünz korrigiert und Drainage-Leitungen wurden im Landwirtschaftsgebiet eingezogen. «Vielleicht muss im Hinblick auf trockenere und heissere Sommer hier ein Umdenken stattfinden, wir wollen herausfinden, welche Möglichkeiten es gibt», sagt Kräuchi. Mit dem Klimawandel verändert sich die Situation, so haben Sommer und Herbst 2018 eindrücklich gezeigt, was den Gewässern und der Landwirtschaft künftig blüht: Die Pegel waren massiv gesunken, viele Bachabschnitte sogar ganz trockengefallen. In den letzten Jahren hätten sich solche Ereignisse im Aargau insbesondere im Bünztal gehäuft. Deshalb müsse die Wassernutzung den neuen klimatischen Bedingungen angepasst werden, andererseits könnten sich für die Landwirtschaft auch Chancen ergeben, so zum Beispiel durch eine längere Vegetationsperiode.

Vor dem Hitzesommer eingereicht

Im Rahmen eines Pilotprojekts werden für den Aargau nun die fehlenden Grundlagen erarbeitet. Vertieft betrachtet wird das Einzugsgebiet der Bünz, wo eine Strategie aufzeigen soll, wie der Trockenheit langfristig sinnvoll begegnet werden kann. Im Bünztal hätten sich viele Landwirte damit arrangiert, «dass ich ihnen praktisch regelmässig das Wasser abstellen muss», sagt Norbert Kräuchi. In anderen Gebieten des Kantons sei das aber nicht der Fall. Er hofft, die Erkenntnisse aus dem Projekt im Bünztal auf andere Regionen übertragen zu können.

Das Projekt ist ein Teil des nationalen Pilotprogramms zur Anpassung an den Klimawandel, mit dem der Bund innovative Lösungsansätze fördert. Es dauert drei Jahre und kostet insgesamt 230 000 Franken. Davon übernehmen Bund und Kanton die Hälfte. «Wir haben das Projekt schon im März 2018 eingereicht, also vor dem trockenen, heissen Sommer im letzten Jahr», sagt Kräuchi. Der offizielle Kick-off-Anlass fand am Montag im Landwirtschaftlichen Bildungszentrum Liebegg in Gränichen statt.

«Der Workshop diente dazu, das Systemverständnis aller Beteiligten zu schärfen und die Erwartungen in einem partizipativen Prozess zu formulieren», sagt Kräuchi. Dies als Grundlage für die nun folgende vertiefte Analyse bis zum nächsten Workshop im kommenden Herbst. Das Projekt ist breit abgestützt, am Montag waren Vertreter der Bundesämter für Landwirtschaft und Umwelt, Mitarbeiter der kantonalen Verwaltung, Vertreter der Forschung (FiBL und Agroscope), des Bauernverbandes, Gemeindevertreter, aber auch betroffene Bauern aus dem unteren Bünztal dabei.

Bewässerung statt Entwässerung?

«Dass viele Akteure dabei sind, ist sehr wichtig, denn es geht nicht nur um die Frage der künftigen Bewässerung», hält Kräuchi fest. «Wir wollen zum Beispiel auch herausfinden, welche landwirtschaftlichen Kulturen künftig an welchem Standort vorteilhaft sind und wie wir die Synergien mit dem Ringleitungsprojekt Wasser 2035 und der Modernen Melioration Othmarsingen optimal nutzen können», führt er aus. Die Melioration hat unter anderem zum Ziel, den Hochwasserschutz und den Bodenwasserhaushalt zu verbessern. Thematisch gibt es einen engen Zusammenhang: So soll im Rahmen des Pilotprojekts zum Beispiel gezeigt werden, ob bei der Gesamtmelioration neben neuen Massnahmen zur Entwässerung auch solche zur Bewässerung zu planen sind.

Das Projekt orientiert sich am Vorgehen der landwirtschaftlichen Planung mit Einbezug aller Beteiligten. Die Methode kommt häufig bei der Vorbereitung landwirtschaftlicher Strukturverbesserungen zur Anwendung. Im laufenden Jahr werden Aspekte wie Boden, Wasser, Kulturen, Management und Markt mit Blick auf die Trockenheit analysiert. Danach sollen mögliche Optionen für die Zukunft entwickelt werden, bevor in den Jahren 2020/21 die Erkenntnisse kommuniziert werden und die Umsetzung angepackt wird.

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