Der Kanton Aargau verfügte letztes Jahr über 1885 Sonderschulplätze für Kinder mit einer Beeinträchtigung oder Behinderung. Davon sind 876 Plätze für Kinder und Jugendliche mit einer kognitiven Beeinträchtigung, 570 Plätze für Kinder mit einer Körper-, Sinnes- und Sprachbehinderung und 439 Plätze für Schülerinnen und Schüler mit einer sozialen Beeinträchtigung vorgesehen. Doch die Plätze reichen nicht.

Schulleiterinnen und Schulleiter erzählen, dass sie in den letzten Jahren Kinder abweisen mussten, weil die Klassen bereits voll waren. Insbesondere die Anfragen nach Tagessonderschulplätzen für Kinder und Jugendliche mit einer sozialen Beeinträchtigung hätten in den letzten Jahren zugenommen. Das zeigt sich auch in den Zahlen des Kantons: Auf die 439 Plätze für Kinder mit einer sozialen Beeinträchtigung kommen 457 Aargauer Schülerinnen und Schüler mit einer sozialen Beeinträchtigung.

36 zusätzliche Plätze im Aargau

Der Kanton will dieser Entwicklung entgegenwirken. Peter Walther-Müller, Leiter der kantonalen Abteilung Sonderschulung, Heime und Werkstätten, sagt: «Es ist ein Ausbau von 36 Schulplätzen für Kinder und Jugendliche mit einer sozialen Beeinträchtigung geplant.» Ansonsten bleibe das Platzangebot aber «im Wesentlichen» gleich. Auch in der Regelschule würden die verfügbaren Ressourcen für die Schulung von Kindern und Jugendlichen mit einer Beeinträchtigung erhalten bleiben. «Wir gehen daher davon aus, dass weiterhin alle Schülerinnen und Schüler nach ihren Bedürfnissen gefördert werden können.»

Die Angebotsplanung werde von der Abteilung Sonderschulung, Heime und Werkstätten in Zusammenarbeit mit den Einrichtungen erarbeitet. «Mit dem Aufgaben- und Finanzplan unterbreitet die Regierung dem Grossen Rat die Planung», erklärt Peter Walther-Müller den Ablauf. Das letzte Wort in dieser Sache haben also die Aargauer Grossrätinnen und Grossräte in der Budget-Debatte im Herbst.

Die Zahlen des Departements Bildung, Kultur und Sport zeigen, dass sich die Anzahl Sonderschulplätze im Aargau in den letzten fünf Jahren kaum verändert hat:

2013: 1827 Plätze

2014: 1859 Plätze

2015: 1874 Plätze

2016: 1897 Plätze

2017: 1885 Plätze

Die Betriebsaufnahme des heilpädagogischen Zentrums für Werkstufe und Berufsvorbereitung in Othmarsingen habe auf 2015 und 2016 zu einer «spürbaren Steigerung der Kapazität» geführt, sagt Peter Walther-Müller.

Aargauer Plätze sind günstiger

Letztes Jahr besuchten 1908 Aargauer Kinder und Jugendliche eine Tagessonderschule oder eine Sonderschule im Schulheim. 1688 Schülerinnen und Schüler besuchten eine Schule im Kanton Aargau, 220 eine ausserkantonale Schule. Die ausserkantonal beschulten Kinder und Jugendlichen dürften den Kanton mehr kosten als jene, die im Aargau unterrichtet werden. Die Sonderschulkosten pro Platz liegen im Aargau nämlich «generell leicht unter dem Deutschschweizer Durchschnitt», sagt Peter Walther-Müller.

Trotzdem könnten die Kosten nicht direkt verglichen werden. Die Kostenstruktur von Tagessonderschulen und Heimschulen unterscheide sich, betont Peter Walther-Müller. «Und der überwiegende Teil der ausserkantonalen Schülerinnen und Schülern lebt im Heim.»