Meisterschwanden war eine der ersten Gemeinden im Aargau, die wegen der Trockenheit ein Bewässerungsverbot erliess. Ausgerechnet das Dorf mit dem vielleicht schönsten Blick auf den Hallwilersee, der rund 200 Milliarden Liter Wasser enthält, griff zu dieser Massnahme. Dabei wäre es doch naheliegend, das Seewasser aufzubereiten und daraus Trinkwasser zu gewinnen.

Tatsächlich gibt es ein solches Projekt. Die Gemeindeversammlung von Meisterschwanden hat Ende Juni grünes Licht für die Planung eines Seewasserwerks gegeben: Mit 88 zu 0 Stimmen genehmigte der Souverän 250'000 Franken für einen Projektierungskredit.

Dereinst soll dem See beim Strandbad Seerose Wasser entzogen werden. Von dort wird es über eine Leitung ans Ufer gepumpt und dort gereinigt und aufbereitet. Das Seewasserwerk soll 4,6 Millionen Franken kosten, denkbar ist die Versorgung weiterer Gemeinden. Am Sempachersee ist seit 1965 eine Anlage in Betrieb.

Trinkwasserbedarf steigt

Grundsätzlich sind im Aargau die Gemeinden für die Wasserversorgung zuständig. Dennoch gibt es auf kantonaler Ebene Leitbilder zu diesem Thema. Zum ersten Mal nahm sich der Kanton 1973 der Wasserversorgung an, 1980 folgte eine zweite Version, das aktuelle Leitbild stammt von 2007.

«Wenn dieser Salat kein Wasser bekommt, ist er morgen verdorrt»: Christoph Barmettler, Gemüsebauer Ammerswil

«Wenn dieser Salat kein Wasser bekommt, ist er morgen verdorrt»: Christoph Barmettler, Gemüsebauer Ammerswil

Ein weiteres Wasserentnahmeverbot verschärft die Lage der Bauern in der Region. Kann das Gemüse nicht mehr bewässert werden, verdorrt es. (23. Juli 2018)

Darin heisst es, dass der Aargau als Wasserschloss der Schweiz auch künftig seine Versorgung «weitgehend selbstständig und ohne grosse überregionale Infrastrukturen bewältigen kann». Dies, obwohl der Trinkwasserbedarf markant steigt: Laut dem Leitbild rechnet der Kanton im Vergleich zum Jahr 2000 für 2020 mit einem Mehrbedarf von 13 Prozent, für 2040 gar mit einem von 25 Prozent. Grund ist primär das Bevölkerungswachstum.

Ringleitung verzögert sich

Aufgrund der Reserven bei der Wassergewinnung ist laut Leitbild in den meisten Regionen kein Ausbau der Wasserbeschaffung notwendig. Bei Bedarf könne auf ausgeschiedene Grundwasserschutzareale zurückgegriffen werden.

Engpässe könnten in der Regel innerhalb einer Region gelöst werden, «indem über bestehende und geplante Verbindungen ein Ausgleich zwischen Überschüssen und Defiziten erreicht wird». Genau das plant die IB Wohlen AG im Reuss- und Bünztal. Dort gab es bei längeren Trockenperioden schon Versorgungslücken in mehreren Gemeinden.

Dass die Leitung, die Grundwasser aus dem Gebiet Lenzhard in Niederlenz in die Region verteilen soll, sinnvoll und nötig ist, scheint klar. Dennoch verzögert sich das Projekt: Die Gemeinden haben Vorbehalte, ihre Pumpwerke und Quellfassungen teilweise in eine neue Aktiengesellschaft einzubringen. Deshalb muss die Vision «Wasser 2035» nun nochmals überarbeitet werden.