Zürcher Obergericht
Verschwörungstheorie hilft Millionenbetrüger nicht weiter – vier Jahre Knast

Von Aarburg aus hat ein türkischer Unternehmer Grosslieferanten um 1,2 Millionen Franken geprellt. Auch vor Obergericht sprach der Beschuldigte vergebens von einer Verschwörung und kassierte eine unbedingte Freiheitsstrafe von vier Jahren.

Attila Szenogrady
Drucken
Teilen
Bereits im September 2012 hatte der Beschuldigte an einem ersten Prozess vor dem Bezirksgericht Zürich vergebens eine Verschwörung geltend gemacht. (Symbolbild)

Bereits im September 2012 hatte der Beschuldigte an einem ersten Prozess vor dem Bezirksgericht Zürich vergebens eine Verschwörung geltend gemacht. (Symbolbild)

Keystone

Es war eines der grössten Aargauer Betrugsfälle in den letzten Jahren. Die Polizei nahm am 5. August 2008 einen im Raum Niedergösgen wohnhaften Türken fest, worauf der Unternehmer 206 Tage in Untersuchungshaft verbrachte. Der Beschuldigte hatte im Juni 2004 in Aarburg eine Gastrofirma gegründet und zwei grosse Lagerhallen in Rheinfelden sowie Rothrist eingerichtet.

Bestellungsbetrüge im grossen Stil

Der Dreh des Beschuldigten und einigen Landsleuten war einfach und erfolgreich. So gaben die Türken bei mehreren Grosslieferanten massenweise Bestellungen auf und bezahlten die ersten Warenposten für insgesamt 193'000 Franken überpünktlich. Mit der Folge, dass die Zulieferer dem neuen Aargauer Grosskunden Vertrauen schenkten.

Schon bald folgten die nächsten Bestellungen. So kaufte der Betrüger-Ring in erster Linie Getränke, Spirituosen sowie Tabakwaren auf. Doch diesmal blieben die Grosshändler auf ihren Rechnungen sitzen. Die Täterschaft zahlte nichts mehr und verkaufte die „Beute" zu Dumpingpreisen weiter.

Zu den geprellten Geschädigten gehörten Unternehmen wie Feldschlösschen AG, Evian oder die EDV-Firma Dell, welche dem Beschuldigten rund 25 Laptop-Computer für über 86'000 Franken ins Haus geliefert hatte. Der gesamte Deliktsbetrag bezifferte sich nach drei Jahren auf rund 1,2 Millionen Franken. Als Hauptopfer zählte der Getränkeriese Coca Cola. Er alleine hatte 200'000 Franken verloren.

Vergebens Verschwörung geltend gemacht

Bereits im September 2012 hatte der Beschuldigte an einem ersten Prozess vor dem Bezirksgericht Zürich vergebens eine Verschwörung geltend gemacht. (AZ berichtete). Er wurde wegen gewerbsmässigen Betrugs sowie ungetreuer Geschäftsbesorgung zu einer hohen Freiheitsstrafe von fünf Jahren verurteilt.

Die Verteidigung legte Berufung ein und verlangte am letzten Donnerstag vor dem Zürcher Obergericht weitgehend Freisprüche. Im schlimmsten Fall von teilweisen Schuldsprüchen sei eine bedingte Freiheitsstrafe von höchstens 18 Monaten angebracht.

Allerdings ohne grossen Erfolg. So schenkten auch die Oberrichter dem Unternehmer keinen Glauben. „Das Aussageverhalten des Beschuldigten war absolut katastrophal, beschönigend und verlogen", erklärte der Gerichtsvorsitzende Peter Marti anlässlich der Urteilseröffnung vom vergangenen Freitag. Die Aussagen des heute 38-jährigen Beschuldigten würden nur so von Widersprüchen strotzen. Er sei von mehreren Mittätern glaubhaft belastet worden.

Vier statt fünf Jahre Knast

Nur in einem Punkt hatte sich Berufung für den Täter doch noch gelohnt. So stuften die Oberrichter die erstinstanzliche Strafe als zu hoch ein und setzten neu eine unbedingte Freiheitsstrafe von vier Jahren fest.

Der erneut verurteilte Beschuldigte wurde verpflichtet, vom unrechtmässig erlangten Vermögensvorteil 35'000 Franken abzuliefern. Zudem soll er den diversen Geschädigten einen Grossteil der Schäden ersetzen.

Erstaunlich war, dass der mit einer türkischstämmigen Eidgenössin verheiratete Ex-Ringer schon seit 1994 in der Schweiz lebt, aber das Urteil über einen Dolmetscher zur Kenntnis nehmen musste.

Aktuelle Nachrichten