Fachmittelschule
Verschlungener Weg zur Fachmittelschule

Schulübertritte können zu absurden Situationen führen. So lohnte es sich für einen Bezler in die Sek zurückzufallen, weil er dort die Prüfung für die Fachmittelschule bestand. Eine Kollegin jedoch musste ein Jahr zur Prüfung warten.

Anna Wanner
Merken
Drucken
Teilen
Von der Bezirksschule an die Fachmittelschule:

Von der Bezirksschule an die Fachmittelschule:

Im vergangenen Sommer bestand eine Schülerin zwar die Bezirksabschlussprüfung (BAP). Nur verfehlte sie dabei den Notenschnitt von 4,4, der sie auf direktem Weg in die Fachmittelschule (FMS) gebracht hätte.

Weil die 16-Jährige von einem sozial-pädagogischen Beruf träumt, suchte sie nach anderen Wegen, im selben Jahr noch an die FMS zu kommen. «Unmöglich», sagt ihre Mutter Karin Reichlin rückblickend. Denn an die Aufnahmeprüfung der FMS seien im Jahr 2011 nur Viertklässler der Sekundarschule zugelassen gewesen. So kam es zu einem absurden Fall, wo ein Bezler wegen ungenügender Noten in die Sek zurückfiel, deshalb die Aufnahmeprüfung an die FMS machen durfte und prompt bestand. Wäre er in der Bez geblieben, hätte er wohl ein Jahr warten müssen. Wie es die Tochter von Karin Reichlin musste.

Tatsächlich sahen die Aargauer Schulverordnungen bis 2011 vor, dass Bezirksschüler, die den 4,4-Schnitt nicht erreichten, noch im selben Jahr die Aufnahmeprüfungen für die Wirtschaftsmittelschule (WMS) und die Informatikmittelschule (IMS) machen durften; für die Aufnahmeprüfung der FMS mussten sie allerdings ein Jahr warten. Alle drei sind weiterführende Schulen, die eine 4,4 erfordern. Der Übertritt per Prüfung ist aber unterschiedlich geregelt.

Aufnahmeregelung wird angepasst

Die Aufnahmeverfahren seien historisch gewachsen, erklärt Bettina Diem, Leiterin der Sektion Mittelschulen vom Departement für Bildung, Kultur und Sport (BKS). «Indem man die WMS und die IMS an die Berufsbildung anglich, musste man auch die Aufnahmeverfahren an diejenigen der lehrbegleitenden Berufsmittelschulen anpassen», sagt sie.
Die Aufnahmebedingungen der WMS und IMS sind eidgenössisch festgelegt, da die Schüler mit einer Berufsmatur abschliessen. Die FMS führt zu einem Fachmittelschulabschluss mit Möglichkeit einer Fachmatur.

Offenbar hat das BKS die Diskrepanz erkannt. «Nach der geltenden Mittelschulverordnung dürfen alle Bezirksschüler, die im Abschlusszeugnis eine 4,4 verpassen werden, die Aufnahmeprüfung für die FMS in ihrem Bez-Abschlussjahr machen», sagt Bettina Diem. Anders als die Aufnahmeprüfung im Juni für die WMS und IMS findet diejenige der FMS im April statt. Also noch vor der BAP.
Die Mehrheit der Bezirksschulleiter begrüsst die Anpassung und findet es gut, dass die Chancengleichheit zwischen Bezirks- und Sekundarschüler wiederhergestellt ist. Götz Arlt von der Bezirksschule Frick: «Es bestand definitiv eine Lücke in der Schulverordnung.»

Anders sieht es Renate Hoffmann. Die Leiterin der Bezirksschule Baden findet die neue Verordnung «sehr seltsam». Denn so könne ein Schüler die Anforderungen für die FMS einfach unterlaufen: «Es ist mit der BAP klar geregelt, ob es ein Schüler an die Mittelschule schafft.» Wenn dieser nun bereits im April die Aufnahmeprüfung für die FMS machen kann, sei die BAP nicht mehr relevant.

Kardinalsweg Notenschnitt 4,4

Bettina Diem vom BKS erklärt: «Es ist uns bewusst, dass diese Verfahren zurzeit unübersichtlich sind. Deshalb prüfen wir, ob es eine Überarbeitung mit dem Ziel einer Vereinheitlichung und Vereinfachung braucht.» Der Kardinalsweg sei für alle Bezirksschüler nach wie vor, mit dem verlangten Notenschnitt an die Mittelschule zu gelangen. «Eine Prüfung ist immer nur eine Momentaufnahme und zeigt nie, welche Leistung ein Schüler auf Dauer erbringen kann», so Diem. Falls der Notendurchschnitt nicht erreicht werde, müsse sich der Schüler eben fragen, ob die FMS wirklich das Richtige ist. Diem: «Die FMS ist streng.» Auch ein Lehrling könne eine Berufsmaturität erwerben und damit an eine Fachhochschule gehen.