Bezirksgericht Zofingen

Vermögensverwalterin bezahlte jahrelang Löhne mit Klientengeld – wegen Burn-Out

(Symbolbild)

Die heute 63-jährige Esther erhob Einsprache gegen das Urteil. «Ich wollte ihr niemals schaden»

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60'000 Franken hatte die Frau in sieben Jahren vom Konto ihrer Kunden an sich überwiesen. Sie wurde per Strafbefehl wegen Veruntreuung und Urkundenfälschung verurteilt. Sie erhob Einsprache. Vor dem Bezirksgericht Zofingen versuchte sie sich einer Erklärung – sie habe niemanden schaden wollen.

Rund 60'000 Franken hatte Vermögensverwalterin Esther * in sieben Jahren vom Konto ihrer Klientin Johanna * auf ihr eigenes überwiesen. Als die Steuererklärung kam, überklebte sie die Zins- und Kapitalbescheinigung mit dem Namen ihrer Kundin und übergab sie so dem Steueramt. Die Staatsanwaltschaft Zofingen-Kulm verurteilte sie per Strafbefehl wegen Veruntreuung und Urkundenfälschung zu einer bedingten Geldstrafe von 5400 Franken.

Die heute 63-jährige Esther erhob Einsprache gegen das Urteil. Am Dienstag stand sie vor Gericht. Klientin Johanna ist inzwischen verstorben. «Ich wollte ihr niemals schaden», versicherte Esther vor der Gerichtspräsidentin.

Und erklärte, wie es zwischen 2006 und 2013 zu den Transaktionen kam: Esther übernahm 2006 die Vermögensverwaltung der 71-jährigen Johanna. Dann stirbt ihr Mann, sie verletzt sich bei einem Unfall, erleidet ein Burnout. «Ich war völlig überfordert.» Zeit, um Johanna die Rechnungen für ihr Honorar zu schreiben, findet sie nicht mehr. «Also sprach ich mit ihr ab, dass ich mir das Honorar überweise und ihr die Rechnungen später vorlege.»

Überweisung nicht aus Jux

«Woher haben Sie in Ihrer Überforderung gewusst, wann Sie wie viel überweisen müssen?», unterbrach Gerichtspräsidentin Kathrin Jacober. «Einmal haben Sie sich in einer einzigen Woche 7000 Franken überwiesen.» Sie habe eine Durchschnittsrechnung gemacht, sagte die Beschuldigte. Die Honorare habe sie oft für mehrere Monate zusammengerechnet bezogen; manchmal auch die Löhne ihrer Angestellten von Johannas Konto bezahlt.

«Ich habe das Geld nicht aus Jux genommen», betonte Esther und begann zu weinen. Ihre Klientin habe alle Belege für die Überweisungen gesehen. «Sie wusste, worum es geht», sagte Esther. Das gelte auch für die Zins- und Kapitalbescheinigung, bei der sie ihren Namen durch den ihrer Klientin ersetzt hatte.

Die Anwältin der Beschuldigten forderte einen Freispruch. Es fehle an Beweisen. Esther habe nicht aus Böswilligkeit gehandelt, sondern sei Opfer ihres fehlenden Wissens und ihres Burnouts geworden. Das Bezirksgericht Zofingen entschied anders: Es sprach Esther der mehrfachen Veruntreuung und Urkundenfälschung schuldig.

Sie erhielt eine bedingte Geldstrafe von 5400 Franken bei einer Probezeit von zwei Jahren. Esther habe das ihr anvertraute Vermögen zu eigenen Zwecken benutzt; etwa zur Auszahlung von Löhnen ihrer Angestellten. Als Vermögensverwalterin müsse sie sich zudem im Klaren gewesen sein, dass amtliche Dokumente nicht verfälscht werden dürfen. (cki)

* Namen geändert

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