Rupperswil-Prozess
Verhöhnung der Opfer? Staranwalt Landmann kritisiert Strategie der Verteidigerin von Thomas N.

Pflichtverteidigerin von Mörder Thomas N.,Renate Senn, wies den Opfern eine Mitschuld an der Bluttat zu. Dafür wird sie heftig kritisiert.

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Carla Schauer hätte nur ein Handzeichen machen müssen, als ihre Nachbarin den Hund abholen gekommen ist. Dann wäre alles anders gekommen. Vielleicht wäre aufgeflogen, dass im Hause der Familie Schauer bereits Thomas N. war. Vielleicht wären Carla Schauer und ihre Söhne Dawin und Dion sowie dessen Freundin nicht ermordet worden. Vielleicht. Tatsache ist: Thomas N. brachte kurz vor Weihnachten 2015 in Rupperswil genau diese vier Menschen um.

Die Aussage von Thomas N.s Verteidigerin Renate Senn ist vielen sauer aufgestossen. Sie glauben, Senn verhöhnt die Opfer. Wird ihnen hier sogar eine Mitschuld an der Tat zugeschrieben?

Renate Senn, die Pflichtverteidigerin von Thomas N.

Renate Senn, die Pflichtverteidigerin von Thomas N.

Senn zitiert auch noch den Angeklagten Thomas N., der aussagte: Weil der ältere Sohn sich von den Fesseln befreien konnte, sei er zur Tötung getrieben worden.

Solche Aussagen kommen bei Prozessbeobachtern sehr schlecht an, wie sie gegenüber TeleM1 erklären.

Noch vor dem Prozess erklärte Senn: "Ich werde meine Arbeit mit allem Respekt und mit Würde gegenüber den Opfern und den Hinterbliebenen wahrnehmen, denen unfassbares Leid angetan wurde."

Staranwalt Valentin Landmann hat schon viele Mörder vor Gericht verteidigt. Er kritisiert das Vorgehen seiner Kollegin: "Als Verteidiger sollte man auf keinen Fall anderen die Schuld zuweisen."

Senn will sich zur Strategie nicht äussern. Ob sie damit Erfolg hatte, wird sie am Freitag an der Urteilseröffnung erfahren.