Jahrzehntelang wurden in Aargauer Bächen und Flüssen Hunderttausende Forellen ausgesetzt. Das war nicht nur teuer, sondern auch aufwendig.

Aargauer Fischer setzten sich mit viel Herzblut dafür ein – ohne den gewünschten Erfolg, wie populationsgenetische Untersuchungen zeigen. Die bittere Erkenntnis: Wer mehr Fische aussetzt, fängt nicht automatisch mehr Fische. Werden Arten ausgesetzt, die aus anderen Gewässern stammen, können sie sich gegen die einheimische Konkurrenz nicht durchsetzen, weil sich diese besser der Umgebung angepasst hat.

Der Kanton will deshalb das Aussetzen von Fischen stark reduzieren und in einigen Gewässern gar ganz darauf verzichten. Auf dieses Jahr hin wurden die Fischereireviere für die nächsten acht Jahre neu verpachtet: Doch die Verteilung der 24 Fluss-, 103 Bach- und 39 Weiherreviere lief nicht reibungslos ab. Zwischen Fischern und Kanton sei ein Streit entbrannt, berichtete jüngst das SRF-«Regionaljournal». Auf Nachfrage sagt Kurt Braun, Präsident des Aargauischen Fischereiverbands: «Der Kanton befiehlt und geht nach der Methode ‹Vogel friss oder stirb› vor.»

Die Kritik der Fischer: Sie seien vor der Neuvergabe der Reviere nicht in den Entscheid einbezogen worden, wo weiterhin Fische ausgesetzt werden dürfen und wo nicht. Zuerst seien die Interessierten aufgefordert worden, sich für ein Revier zu bewerben, erst in einem zweiten Schritt sei ihnen das neue Besatzkonzept erklärt worden, kritisiert Braun. «Das hat bei vielen Fischern Unmut ausgelöst. Wir mussten die Katze im Sack kaufen, das ist unfair.»

«Ich habe kein gutes Gefühl»

Der kantonale Fischereiaufseher Samuel Gerhard sagt: Schon bei der Ausschreibung sei bekannt gewesen, ob in einem Revier auch in Zukunft Besatz vorgesehen ist oder nicht. Zudem sei die neue Strategie im Vorfeld intensiv mit den Fischern besprochen worden, die Fischereikommission sei während des ganzen Prozesses involviert gewesen.

Fischereiverband-Präsident Kurt Braun entgegnet, er habe sich distanziert von der Besatzstrategie und dies auch offiziell gesagt. Er spricht von grossen Veränderungen für die Fischer – aus eigener Erfahrung.

Braun ist Mitpächter an der Surb und hat dort zusammen mit Vereinsmitgliedern über Jahre hinweg junge Fische im Frühling in geschützten Nebenbächen eingesetzt, sie im Herbst elektrisch abgefischt und im Hauptgewässer wieder ausgesetzt – «Knochenarbeit», wie Braun es nennt. Für ihn steht fest: «Es war richtig, was wir gemacht haben.» Dennoch sei nun Schluss damit. «In einem Abschnitt des Reviers dürfen wir gar keine Fische mehr aussetzen, in anderen Teilen nur noch bestimmte Arten.»

Die Autoren der genetischen Untersuchung schlagen vor, das Kantonsgebiet in 35 Zonen zu unterteilen – so gross sind die Unterschiede zwischen den Forellen-Populationen. Kurt Braun und seine Mitpächter müssen deshalb geeignete Tiere züchten lassen. Dazu werden Muttertiere aus dem Hauptgewässer gefischt, der Laich in der Zucht ausgebrütet und später in den Bach gebracht.

Dem Beispiel der Surb sollen später auch Abschnitte anderer Gewässer folgen. Fischereifaufseher Samuel Gerhard betont: «Auch in Zukunft soll die Möglichkeit bestehen, Fische in Bäche und Flüsse einzusetzen, sofern geeignetes Besatzmaterial vorhanden ist. Allerdings gezielt und in geringerer Menge – ‹Qualität vor Quantität›.»

Verbandspräsident Kurt Braun ist skeptisch, ob diese Strategie aufgeht. «Ich habe kein gutes Gefühl.» Ihn würde nicht erstaunen, wenn nun einige Pächter trotz Verbot weiterhin Fische aussetzen würden. Bei Verstössen gegen die Auflagen könnte der Kanton bei der Staatsanwaltschaft Anzeige einreichen.

Aufseher Gerhard sagt, Kontrollen seien möglich, aber nicht flächendeckend geplant. «Die Zusammenarbeit mit den Pächtern basiert auf Vertrauen. Wir werden nun nicht ein spezifisches Augenmerk darauf legen und die Aufseher darauf ansetzen.» Beim Fischereiverband tönt es wenig versöhnlich: «Die Fronten zwischen Fischern und dem Kanton sind verhärtet. Ich wüsste nicht, wie sich die Wogen wieder glätten sollten», sagt Präsident Kurt Braun.

Auch Hechte erfolglos ausgesetzt?

Beim Kanton will man auf Aufklärungsarbeit setzen. Gerhard, selbst seit 40 Jahren Fischer, versteht die Ernüchterung gewisser Fischer. «Auch ich habe lange an den Erfolg vom Besatz gegeglaubt, dass mehr ausgesetzte Fische automatisch zu grösseren Beständen führen.» Jahrzehntelang sei man von der positiven Wirkung überzeugt gewesen, ohne diese zu überprüfen.

Erst mit den genetischen Untersuchungen liess sich nachweisen, dass das Aussetzen der Forellen und Äschen nicht das gewünschte Resultat brachte. Diese Erkenntnisse, die zur neuen Strategie beim Aussetzen der Fische geführt haben, sind erst der Anfang: Bald werden die Ergebnisse für die Hechte erwartet. Dann zeigt sich, ob diese ebenfalls über Jahrzehnte hinweg weitgehend vergeblich gezüchtet und ausgesetzt worden sind.