Giftige Algen

Vergiftete Hunde am Neuenburgersee: Droht auch im Kanton Aargau Gefahr?

Von Cyanobakterien verschont geblieben: Im Hallwilersee gibt es derzeit keinen grossflächigen Befall.

Von Cyanobakterien verschont geblieben: Im Hallwilersee gibt es derzeit keinen grossflächigen Befall.

Der Gang in den See war Ende Juli im Kanton Neuenburg für sechs Hunde tödlich. Schuld daran waren vermutlich die giftigen Cyanobakterien, gemeinhin bekannt als Blaualgen. Auch im Kanton Aargau können die schädlichen Pflanzen angetroffen werden.

Nachdem Ende Juli sechs Hunde mutmasslich an Algentoxinen aus einer Massenvermehrung von Blaualgen gestorben sind, wurde zwischen der Mündung der Areuse und der Ortschaft Colombier ein absolutes Badeverbot ausgesprochen. Obwohl der Neuenburgersee seit Mittwoch wieder bebadbar ist, wollen die zuständigen Behörden noch keine Entwarnung geben. Da sich die zum Teil giftigen Cyanobakterien, gemeinhin bekannt als Blaualgen, besonders an heissen Tagen stark vermehren, sei bei Kleinkindern und Haustieren weiterhin grosse Vorsicht geboten.

Auch in den Gewässern des Kanton Aargau sind laut Lukas De Ventura, Fachspezialist Oberflächengewässer beim kantonalen Departement Bau Verkehr und Umwelt, Blaualgen vorhanden. «Blaualgen kommen in allen stehenden oder langsam fliessenden Gewässern vor. Im Aargau zum Beispiel im Hallwilersee, dem Klingnauer Stausee oder dem Flachsee», so De Ventura. Dennoch gibt er schnell Entwarnung: «Damit die Algenblüten Toxine und Giftstoffe bilden und es zu einer dramatischen Massenentwicklung kommt, müssen die Umweltbedingungen stimmen.»

Besonders wohl fühlen sich die Blaualgen laut ihm in Gewässern mit einem hohen Nährstoffgehalt. Dann kann es zu einer Massenvermehrung kommen, die als «Algenblüte» bezeichnet wird. Auch die Konkurrenzsituation unter den Algen und ihre genaue Zusammensetzung haben einen Einfluss. Weil die Wahrscheinlichkeit für Algenblüten bei niedrigeren Nährstoffgehalten abnimmt und der Hallwilersee nur einen Phosphorgehalt zwischen 10 und 20 Milligramm pro Kubikmeter hat, kommen Blaualgenblüten seltener vor als früher. «Die Literatur besagt, dass es unter 20 Milligramm eher seltener zur Bildung von Algen kommt», so De Ventura.

Burgunderblutalge sorgt für einen rotgefärbten Hallwilersee

Ganz verschont von schädlichen Algen bleibt der See allerdings trotzdem nicht. Nicht selten sorgte die sogenannte Burgunderblutalge in der Vergangenheit für einen rotgefärbten Hallwilersee. Auch sie gehört zur Kategorie der Blaualgen. Eingeschichtet in 10 bis 12 Metern Wassertiefe dringt sie allerdings nur selten an die Oberfläche.

Die Burgunderblutalge färbte den Hallwilersee Anfang des Jahrzehnts jeweils rot ein.

Die Burgunderblutalge färbte den Hallwilersee Anfang des Jahrzehnts jeweils rot ein.

Wenn doch, dann geschieht dies vor allem im Herbst und Frühling, wenn die Wassersäule im See gemischt ist. Sobald die Burgunderblutalgen einmal an der Wasseroberfläche aufschwimmen, ist Vorsicht geboten. Ob Giftstoffe gebildet werden und in welchem Masse dies geschieht, hängt dabei allerdings stark von den Umweltbedingungen ab. Je nach Art und Dosis des aufgenommenen Toxins können Symptome wie Haut- und Schleimhautreizungen, Erbrechen oder Atembeschwerden auftauchen.

Nichtsdestotrotz droht bei der Burgunderblutalge erst Gefahr, wenn sie verschluckt wird. «Die Giftstoffe sind vorwiegend in der Alge, sie gibt sie normalerweise nicht ans Wasser ab. Man muss sie somit verschlucken oder trinken, damit es tatsächlich gefährlich werden kann», so Lukas De Ventura. 

Er betont, dass die Blaualgen in den letzten Jahren und in der derzeit vorhandenen Masse kaum für grössere Probleme gesorgt haben. Erst wenn man auf trübes Gewässer trifft, ist Vorsicht geboten. «Sobald sich Schlieren oder gar ein ganzer Algenteppich gebildet hat, sollte man nicht baden gehen. Wenn man im knietiefen Wasser keine klare Sicht mehr auf seine Füsse hat, ist die Wasserqualität zum Baden nicht geeignet.»

Der Hallwilersee galt lange als tot

Noch vor wenigen Jahren befand sich der Hallwilersee in einem schlechten Zustand. Da er als stark überdüngt galt und nur noch wenig Leben in den tieferen Wasserschichten beherbergte, musste er von 1985 bis 2016 in den Sommermonaten mit reinem Sauerstoff künstlich belüftet werden. Somit wurde das Auftreten der Blaualge Anfang des Jahrzehnts gar als Verbesserung der Wasserqualität gewertet. Das Ausbleiben des roten Blütenteppichs ist nun ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.

Mit der laufenden Seesanierung soll die Anzahl der Burgunderblutalge weiter verringert werden. Ziel ist es, den Phosphorgehalt weiter auf rund 10 Milligramm pro Kubikmeter zu reduzieren. «Weil die Algen nur bei einem mittleren Phosphorgehalt im See vorkommen, und deren Konzentrationen in den letzten Jahren eher zurückgehen, ist dies ein Zeichen dafür, dass der See auf dem Weg zur Gesundung ist», so Lukas De Ventura.

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