Kalkstein und Mergel aus dem Steinbruch Jakobsberg, nur 900 Meter entfernt und mit dem Förderband direkt über die Aare verbunden. Bei einer Rundfahrt entsteht der Eindruck, das riesige Gelände müsste Material für Dutzende von Jahren hergeben. «In nur 10 bis maximal 15 Jahren ist der bewilligte Perimeter erschöpft», sagt Projektleiter Paul Zosso von Jura-Materials. Durch einen Ausbau in der Breite und bis zu 30 Meter tiefer als bisher geplant «hätten wir für 20 bis 25 Jahre genügend Rohstoff», meint Zosso. Aber das braucht ein Richtplan-Verfahren, mit Widerstand ist zu rechnen.

Verein will sachliche Diskussion

Seit über 10 Jahren tritt die Jura Cement an Ort, weil sich die Standort-Gemeinden durch alle Instanzen wehren. Selbst von Probebohrungen wollen sie nichts wissen, das Bundesgericht hat ihnen recht gegeben (az 4. April), dass der Kanton dafür eine Baubewilligung braucht. Weil die Zeit langsam, aber sicher davonläuft, wurde der Verein cementaargau.ch aus der Taufe gehoben. «Wir wollen die Diskussion versachlichen und den Dialog mit Politik, Wirtschaft und der Bevölkerung führen», betont Präsident und SVP-Grossrat Martin Keller (Obersiggenthal). Vizepräsident ist Martin Bhend (FDP) aus Oftringen. Im Vereinsboot sitzen auch SVP-Nationalrat Hans Killer, vom Baumeisterverband Martin Kummer, Rechtsanwalt Andreas Röthlisberger vom Verband Kies und Beton, Unternehmer Hans Rudolf Wyss vom Vorstand der AIHK, Paul Zosso und eine Persönlichkeit von Holcim.

Hunderte von Arbeitsplätzen

Den einheimischen Rohstoff nutzen und Hunderte von Arbeitsplätzen erhalten, erklärt Keller seine Motivation zur Hilfe auf der Steinbruchsuche. Der Schweizer Bau benötige jährlich über vier Millionen Tonnen Zement, zu den grossen Produzenten gehöre die Jura Cement und Holcim. Deren Werk in Siggenthal Station habe nur noch raumplanerisch bewilligten Kalk und Mergel aus dem Villiger Steinbruch für 35 bis 40 Jahre. «Wenn der Aargau seine Werke halten will, brauchen sie genügend Rohmaterial», stellt der Verein nüchtern fest. Wenn die Gesellschaft den zentralen Baustoff Zement aus heimischer Produktion wolle, müsse sie Eingriffe in die Natur mittragen.

Theoretisch wäre auch ein Import denkbar, aber ökonomisch und ökologisch wenig sinnvoll. Die vom irischen Konzern CRH im Jahr 2000 gekaufte Jura-Gruppe betreibt die Zementfabriken Wildegg und Cornaux, aber auch 18 Kiesgruben und 28 Betonwerke sowie 4 Recycling-Anlagen mit insgesamt 550 Beschäftigten.

Der neue Verein versteht sich nicht nur als Plattform für die Auseinandersetzung um Vorteile und Nachteile eines Abbaugebiets, er will auch die Leistungen der Zementindustrie aufzeigen. In einem heiklen Punkt will er sich zurückhalten: «Wir mischen uns nicht in die Standortwahl ein», versichert der im Baugewerbe tätige Martin Keller. Das erklärte Ziel sei es, Vertrauen bei allen Beteiligten zu schaffen.

Wichtig auch für die Entsorgung

Neben der Versorgung spielt die Zementindustrie auch eine wichtige Rolle in der Entsorgung: Die Werke in Wildegg und Siggenthal entsorgen jährlich über 200 000 Tonnen Abfälle, Altreifen, Altöl, Lösungsmittel, Kunststoffschnitzel, Tiermehl, Klärschlamm, Kalkschlamm und ölverschmutzte Erde. Im 1450 Grad heissen Brennprozess werden die Schadstoffe vollständig vernichtet. Allein Wildegg hat 65 Prozent der Energie aus alternativen Brennstoffen.

Holcim senkt den CO2-Ausstoss dauerhaft mit dem neu eingeführten Optimo-Zement. Dank einem neuen Silo für Eco- und Mischzement braucht es in Wildegg weniger Klinker, was den CO2-Ausstoss um 15 Prozent reduziert. Die irischen Besitzer investieren Millionensummen und zeigen damit ihr Interesse am Schweizer Standort. Wildegg hat den Ruf als Muster-Unternehmen, das selbst von Gästen aus China besucht wird. Auf einem Rundgang durch das Werk zeigt Produktionsleiter Marcel Bieri von JCF die neue Wärmerückgewinnung. Daraus entstehen 14 Gigawattstunden Strom, der für 3600 Haushalte reicht.