Nationalrat

Verein «frauenaargau»: «Wir wollen mindestens 50 Prozent Frauen in Bern»

Sie geben das Co-Präsidium von «frauenaargau» im nächsten Jahr ab: Connie Fauver (Iinks) und Sandra-Anne Göbelbecker.

Sie geben das Co-Präsidium von «frauenaargau» im nächsten Jahr ab: Connie Fauver (Iinks) und Sandra-Anne Göbelbecker.

Der Verein «frauenaargau» schaltet sich in die Debatte um die Frauenvertretung in der Politik ein. Die beiden Co-Präsidentinnen fordern acht Aargauer Nationalrätinnen im Jahr 2019.

Mittlerweile sind zwei Wochen vergangen, seit die SP Aargau mit der Ständerats-Nomination von Cédric Wermuth für Diskussionen um die Frauenfrage in der Politik gesorgt hat. Yvonne Feri, die weibliche Alternative, bekam zu wenig Support aus den sonst feministischen SP-Reihen.

Nachdem die Debatte etwas abgeflaut ist, meldet sich nun auch der Verein «frauenaargau» zu Wort. Zur Nomination selber will sich der politisch neutrale Verein nicht äussern. «Für ‹frauenaargau› ist es wichtig, dass sich Frauen für politische Ämter zur Verfügung stellen und die erste Hürde nehmen», sagen Connie Fauver und Sandra-Anne Göbelbecker, die beiden Co-Präsidentinnen des Vereins. Sie halten fest, im Hinblick auf die Wahlen 2019 bestehe Handlungsbedarf: «Heute stellt der Aargau fünf Nationalrätinnen, dies soll sich nächstes Jahr ändern: Wir streben 50 Prozent an, also acht Aargauer Nationalrätinnen. Und wir wollen eine Frau im Ständerat behalten.»

Frauenförderung als Ziel

«frauenaargau» ist Mitglied bei «alliance F», der obersten Frauenorganisation der Schweiz. Der Verein unterstützt die jüngst ins Leben gerufene Bewegung «Helvetia ruft!» sowie die Forderung nach gleichmässiger Vertretung der Geschlechter im Parlament: «Die Parteien müssen für die Nationalratswahlen Wahllisten präsentieren, auf denen 50 Prozent Frauen stehen. Wir gehen davon aus, dass die Stimmbevölkerung bereit ist, einer Frauenkandidatur die gleichen Chancen einzuräumen wie einem Mann», sagen Fauver und Göbelbecker.

Zwei Mal jährlich lädt der Verein alle Aargauer Parteien, Frauenorganisationen und Fachstellen an den runden Tisch. Daraus entstehen laut den Co-Präsidentinnen überparteiliche Kooperationen: «Zum Beispiel stehen amtierende Grossrätinnen den Kandidatinnen vor den Wahlen Rede und Antwort und erzählen von ihren Erfahrungen im Amt», sagt Connie Fauver. «Ausserdem bieten wir an unseren Tagungen explizit Workshops an, die die Auftrittskompetenz von Frauen fördern.» 264 Einzelfrauen und 10 Organisationen sind beim Verein «frauenaargau» dabei, darunter die Stiftung Frauenhaus Aargau-Solothurn, die Aargauische Evangelische Frauenhilfe sowie die SP Frauen und die CVP Frauen Aargau.

Nachfolgerinnen gesucht

Um Frauen in der Politik zu fördern und zu vernetzen, organisierte der Verein «frauenaargau» zuletzt jährlich eine Tagung. Die meiste Arbeit des Vereins erfolge ehrenamtlich, sagen die Co-Präsidentinnen Fauver und Göbelbecker auf die Frage, weshalb dieses Jahr keine Tagung stattfindet: «Leider ist es heutzutage nicht einfach, Personen zu finden, die Lust und Zeit haben, in Zusammenarbeit mit uns als Co-Präsidentinnen eine Tagung zu stemmen.» 2019 soll wieder eine Tagung stattfinden, danach werden die beiden das Co-Präsidium abgeben. Die Nachfolge ist derzeit offen: «Wir sind auf der Suche nach geeigneten interessierten Frauen.»

Und wie sieht es bei den Co-Präsidentinnen selbst mit politischen Ämtern aus? Connie Fauver hatte bereits 2011 und 2015 als Nationalrätin für die Grünen kandidiert. Zuletzt erreichte sie Platz 13 auf der 16er-Liste. Ob sie sich nächstes Jahr wieder aufstellen lässt, lässt Fauver offen: «Die Auswahl und Nomination für die Liste ist Sache der Partei, dazu kann ich nichts sagen.»

Sandra-Anne Göbelbecker (SP) ist seit 2016 Mitglied im Einwohnerrat Baden. Dort ist das auf nationaler Ebene angestrebte Geschlechterverhältnis bereits mehr als erreicht: Von den neun Sitzen der SP sind sieben von Frauen besetzt.

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