Schulanfang
Verbote sollen Aargauer Elterntaxis stoppen

Mütter und Väter spielen Chauffeur für ihre Schulkinder – und sorgen für gefährliche Situationen, beispielsweise in Safenwil. Neben einem Halteverbot hat die Schule dort auch physische Massnahmen ergriffen.

Emiliana Salvisberg
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Nicht nur in Safenwil chauffieren Eltern ihre Kinder bis vor die Schule. Mütter und Väter, die auf dem Schulareal anhalten, können wegen des Halteverbots eine Strafanzeige und Busse kassieren.

Nicht nur in Safenwil chauffieren Eltern ihre Kinder bis vor die Schule. Mütter und Väter, die auf dem Schulareal anhalten, können wegen des Halteverbots eine Strafanzeige und Busse kassieren.

Emiliana Salvisberg

Das ganze Jahr über sind die Elterntaxis im Einsatz – morgens, mittags und nachmittags. Und das sind von Aarburg bis Zofingen nicht wenige. Die Situationen rund um die Schulhäuser sind teilweise chaotisch und prekär, weil Mütter und Väter mit ihren Autos oft dort anhalten, wo sie nicht sollten.

So beispielsweise in Safenwil. «Bei uns ergeben sich durch die Elterntaxis viele Probleme», sagt Janick Wisler, Co-Leiter der Kreisschule Safenwil-Walterswil. Trotz Halteverbot bei der Einfahrt zum Schulareal parken viele Eltern ihre Autos direkt bei der Treppe zum Pausenplatz. «Die Wendemanöver sind haarsträubend. Vor allem schränken die Elterntaxis die Sicht der Schülerlotsen am Zebrastreifen ein.» Andere wiederum weichen aus und laden ihre Kinder in der Nähe aus. Dabei bleiben sie auf dem Trottoir stehen oder benutzen den Parkplatz vis-à-vis der Schule beim alten Gemeindehaus und versperren so teilweise die offizielle Haltestelle des Schulbusses.

Das Blechgewusel bereitet Janick Wisler Sorgen: «Die Kinder sollten sich auf dem Weg zur Schule sowie dem Schulgelände frei bewegen können.» Um die Sicherheit zu erhöhen, ist neben dem Halteverbot seit geraumer Zeit zwischen Oberstufenschulhaus und Treppenaufgang zu den weiteren Schulhäusern extra ein Fussweg mit Stangen vom Fahrweg abgesperrt.

Eltern sensibilisieren

Über die Kinder die Eltern erreichen – hier setzt auch die Kreisschule auf Prävention. Alle zwei Jahre nimmt die ganze Primarschule und der Kindergarten an den Aktionswochen «Walk to school» teil. Heuer, so Wisler, beteiligt sich der Kindergarten freiwillig daran. Zweck der Aktion ist es, den Kindern zu vermitteln, wie sinnvoll der Schulweg zu Fuss ist. Die teilnehmenden Klassen sammeln Punkte, denn es gibt Preise in Form von Reka-Checks zu gewinnen.

«Elterntaxis sind aus Sicht der Eltern gut gemeint, aber aus pädagogischer Sicht unsinnig», sagt Silvia Gonzalez von der Schulpflege Aarburg. Es gehöre zu einer gesunden Entwicklung des Kindes, dass es den Schulweg alleine meistert. «Eltern müssen lernen, Verantwortung abzugeben.» Auch Regen oder Schnee seien kein Grund für den Einsatz. «Ein Gips am Bein dagegen ist etwas anderes.» In Aarburg sei der elterliche Fahrdienst an allen Schulstandorten immer wieder ein Thema. Die Schule Aarburg reagiert wie andere auch mit Informationen an Elternabenden und Schreiben an die Eltern.

In Safenwil sind für die Schulbusse gekennzeichnete und reservierte Parkfelder in Planung. Regelmässig ist auch die Regionalpolizei vor Ort und verteilt Bussen. Denn wo ein offizielles Verbot ist, da kann die Repol einschreiten. Parken oder Anhalten innerhalb eines signalisierten Park- oder Halteverbotes hat eine Busse von 40 Franken zur Folge. Ansonst sind Polizei und Schulen bei den Elterntaxis die Hände gebunden: Sie dürfen den Eltern nicht verbieten, ihre Kinder zum Schulhaus zu fahren.

Auf den Schulweg der Kinder haben die Schulen keinen Einfluss – das ist Elternsache und so im Gesetz verankert. Für Thomas Weyermann, Gesamtleiter Schule Zofingen, ist die Zunahme der Elterntaxis ein gesellschaftliches Phänomen. «Akut ist die Situation rund um das Gemeindeschulhaus», sagt Weyermann. Die Absperrung des Pausenplatzes mit versenkbaren Pollern habe sich bewährt. Seit einigen Jahren gibt es auch zwei speziell gelb markierte Elterntaxi-Parkplätze. Diese befinden sich am Anfang und Ende der weiss markierten, kostenpflichtigen Parkfelder der Schützenstrasse. «Es ist keine Animation, sondern eine Reaktion», sagt Weyermann und fährt fort: «Wenn die Parkplätze auch benutzt werden, trägt dies sicher zur Verbesserung der Sicherheit bei.» Oft sei es aber so, dass die Autos irgendwo kurz anhalten.

Dafür zeigt der Zofinger Leiter Tiefbau und Planer Werner Ryter gewisses Verständnis: «Die Zeitpläne sind heutzutage oft sehr durchgetaktet, das Wetter ist schlecht, der Schulsack schwer, dass es einfacher ist, das Kind direkt vor der Schule auszuladen.» So gehe es bei den getroffenen Massnahmen in erster Linie darum, die Sicherheit der Kinder zu erhöhen. So sieht es auch der Murgenthaler Gemeindeschreiber Rolf Wernli. Seit etwa einem Jahr ist beim Schulhaus Fridau in Murgenthal ein versenkbarer Poller installiert. Wie in Safenwil ist das Areal abends den Vereinen zugänglich – auch mit Autos. Beim Schulhaus in Riken herrscht seit drei Jahren ein Halteverbot. «Dort kam es immer wieder zu gefährlichen Situationen», erklärt Wernli. Wer sich nicht daran hält, kann eine Strafanzeige und Busse kassieren. Strafanzeige können die Schulleitung, der Hausabwart oder auch Schulpflegemitglieder erstatten. «In erster Linie wird die Einhaltung aber durch die Regionalpolizei kontrolliert», sagt Gemeindeschreiber Wernli.

Dass die Repol dies nicht nur in Murgenthal und Safenwil tut, bestätigt Reto Tresch von der Regionalpolizei Zofingen. «Elterntaxis sind bei den sporadischen Überwachungen der Schulwege immer ein Thema.» Auch während der Schulweg-Aktion «Rad steht, Kind geht», die nächsten Montag in Oftringen mit Erstklässlern stattfindet. «Wenn immer möglich, weisen wir die Eltern auf die Gefahren des Elterntaxis hin.»