Atomkraftwerke
Verband will Beznau rasch abstellen, dafür Leibstadt länger laufen lassen

Geht es nach Swiss Cleantech, sollen Beznau I und II ihre Restlaufzeiten möglichst schnell einem neueren Atomkraftwerk wie Leibstadt abtreten. Aargauer Politiker sind nicht begeistert – AKW-Befürworter hin oder her.

Thomas Röthlin
Drucken
Teilen

Die Idee von handelbaren Betriebsstunden präsentierte der Verband in der «Zentralschweiz am Sonntag». Präsident Nick Beglinger sagte gegenüber der Zeitung: «Ein neueres Werk braucht bei gleichem Sicherheitsstandard weniger Instandhaltungsinvestitionen.»

Beznau (Inbetriebnahme 1969/71) müsste also früher vom Netz als Leibstadt (1984) oder Gösgen SO (1979). Die beiden jüngeren Werke sollen «bei vergleichsweise tieferen Risiken einen wertvollen Versorgungsbeitrag» leisten – allerdings nur noch im Winterhalbjahr, zumal im Sommer genügend Wasser- und Sonnenstrom zur Verfügung stünden.

Der Vorschlag von Swiss Cleantech ist vor dem Hintergrund zu sehen, dass in der bundesrätlichen Energiestrategie 2050 eine Regelung der AKW-Laufzeiten fehlt. Dabei würde eine solche «die Planungssicherheit für die Wirtschaft» erhöhen, schrieb der Nachhaltigkeitsverband in seiner Vernehmlassung.

«Die Idee hat etwas für sich», sagt auf Anfrage der Aargauer Zeitung Gertrud Häseli, Präsidentin der Grünen Aargau. Die Grossrätin findet es jedoch «bedenklich, dass man einfach die Restlaufzeit von Beznau und Mühleberg den beiden anderen AKW überschreiben möchte». Auch Leibstadt und Gösgen sollten bis 2029 vom Netz genommen werden, «weil wir sie dann auch nicht mehr brauchen dank einem konsequenten Zubau der Erneuerbaren und mehr Energieeffizienz». Ein «Ablaufdatum» für alle Atomkraftwerke erhöhe die Planungssicherheit für die Energiewende, nimmt Häseli den Ball von Swiss Cleantech auf. Der Vorschlag «von anderer Seite» gehe «klar in die richtige Richtung».

Der Idee von «künstlichen Restlaufzeiten» gar nichts Positives abgewinnen kann FDP-Präsident und Grossrat Thierry Burkart, derzeit stellvertretendes Mitglied der Energiekommission. «Wie lang ein Kernkraftwerk noch läuft, darf einzig und allein vom Einhalten der Sicherheitsstandards abhängen», sagt Burkart. Dies gelte für alle fünf Schweizer Werke, die noch möglichst lang möglichst viel Strom liefern sollten. Der Vorschlag zeige überdies einmal mehr, dass Swiss Cleantech eine «Anti-AKW-Bewegung unter dem Deckmantel eines Wirtschaftsverbandes» sei, so Burkart.

Aktuelle Nachrichten