Ferien in Coronakrise

Verband rät vom Campen ab – dennoch ist ein Platz im Aargau geöffnet

Der Touristenplatz auf dem Campingplatz Sulz in Künten.

Der Touristenplatz auf dem Campingplatz Sulz in Künten.

«Wir als Camper tragen Eigenverantwortung und schützen uns und andere – also keine Campingaktivitäten»: So lautet der Aufruf des Schweizerischen Camping- und Caravaningverbands. Dennoch ist der Campingplatz Sulz in Künten im Reusstal geöffnet, die Betreiber beschränken aber die Zahl der Besucher.

Grundsätzlich dürfen Campingplätze in der Coronakrise geöffnet bleiben. Gerade über Ostern und in den anstehenden Frühlingsferien wäre Camping wohl für manche eine verlockende Option. Doch der Schweizerische Camping- und Caravaningverband rief seine Mitglieder schon am 17. März auf seiner Webseite auf: «Wir als Camper tragen Eigenverantwortung und schützen uns und andere - also keine Campingaktivitäten, nicht in der Schweiz und schon gar nicht im Ausland.»

Dennoch ist der Campingplatz Sulz in Künten im Reusstal geöffnet, derzeit halten sich rund 15 Dauercamper dort auf. «Wir beschränken aber die Plätze für Touristen über Ostern auf höchstens 30 zusätzliche Wohnwagen, Wohnmobile oder Zelte», sagt Betreiber Ivo Kohler. Derzeit werde nur einer von zwei Plätzen benutzt - wenn mehr Camper kämen, würde man den zweiten auch öffnen, sagt Kohler. «Wir möchten keinen Ansturm von Touristen, damit es auf dem Platz und auch in den Dusche- und WC-Anlagen nicht zu eng wird», sagt Kohler. Mindestens bis zum 19. April geschlossen ist hingegen das Restaurant Rüssstübli mit Gartenbeiz. Offen für die Camper ist nur der Kiosk, wo Take away-Waren angeboten werden.

Die meisten Plätze im Aargau sind bis mindestens 19. April geschlossen. Das gilt unter anderem für den Platz in Bad Zurzach, sowie für die Campings Waldesruh in Mettauertal, Wiggerspitz in Aarburg und Bachtalen in Möhlin. Auf der Webseite des «Camping am Rhein» in Kaiseraugst steht: «Wir haben Winterpause - Eröffnung der Saison 2020 am 3. April.» Geht der Campingplatz beim Schwimmbad tatsächlich morgen Freitag auf? «Nein», sagt Betreiber Reto Demarmels auf Anfrage der AZ, «der Platz bleibt mindestens bis am 19. April geschlossen.» Für die Zeit danach werde man schauen, welche Vorgaben der Bundesrat im Zusammenhang mit der Coronapandemie mache.

Nur eine Person im Dusch- und WC-Bereich erlaubt

Ebenfalls bis zum 19. April geschlossen ist der Campingplatz Frick – die Betreiber verweisen unter anderem darauf, dass der Schweizerische Camping- und Caravaning- Verband dies empfehle. Dauercamper mit Wohnsitz auf dem Platz in Frick dürfen trotz der Coronapandemie dort bleiben, die Betreiber rufen aber dazu auf, unnötige Besuche vermeiden. Um die "räumliche Distanzierung" zu gewährleisten, gilt auf dem Campingplatz Frick die Regel, dass sich jeweils nur eine Person im Dusch- oder im WC-Bereich aufhalten darf.

Auch der idyllische Campingplatz beim Arbeiterstrandbad Tennwil am Hallwilersee ist geschlossen. Ein paar Kilometer weiter südlich, knapp jenseits der Luzerner Kantonsgrenze, liegt in Mosen der Platz «Seeblick». Dieser ist seit gestern Mittwoch offen, wie Betreiberin Antigona Walser sagt, «und wir haben sehr viele Anfragen.» Sie wolle aber Camping-Ausflüge derzeit nicht fördern, deshalb habe man entschieden, höchstens 15 der 75 Plätze für Wohnmobile zu besetzen. «Wir haben viele ältere Leute als Dauercamper bei uns auf dem Platz, die zur Risikogruppe gehören, darum möchten wir wenig zusätzliche Gäste», sagt Walser.

Sie komme sich manchmal etwas blöd vor, wenn Leute anfragten für einen Platz und sie diesen sage, sie sollten lieber zu Hause bleiben. «Natürlich gibt das finanzielle Ausfälle für uns, aber im Moment ist die Gesundheit der Menschen viel wichtiger, darum rufe ich alle auf, jetzt keine Campingferien zu machen», sagt Walser. Auch ein zweiter Campingplatz gleich jenseits der Aargauer Grenze, der Platz bei der Reussbrücke in Ottenbach, ist geschlossen. Nur bisherige Dauercamper dürfen ihn benutzen, touristische Gäste werden nicht angenommen.

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