Der Verein Lehrpersonen Mittelschule Aargau (AMV) ist neu Mitglied im Aargauischen Lehrerinnen- und Lehrerverband (alv). Das hat die Generalversammlung am Mittwochabend bei nur zwei Gegenstimmen beschlossen. «Dieser Beschluss ist über Jahre gereift», sagt Michael Bouvard, Lehrer für Bildnerisches Gestalten an der Alten Kantonsschule Aarau und Co-Präsident des AMV, «jetzt ist der richtige Moment, um ihn zu vollziehen.»

Der alv vereinte bisher schon rund 20 Mitgliedorganisationen und 6000 Lehrpersonen unter einem Dach, von den Kindergärtnerinnen bis zu den Hochschuldozierenden. Auch in anderen Kantonen fahren die Mittelschullehrer zum Teil noch einen separaten Zug, doch der Trend hin zu Einheitsverbänden ist klar erkennbar.

Dem AMV gehören aktuell 486 Lehrpersonen an. Total unterrichten an den sechs Tagesmittelschulen und an der Maturitätsschule für Erwachsene rund 860 Lehrerinnen und Lehrer. Der Organisationsgrad beträgt damit knapp 60 Prozent.

Mehr Schlagkraft

Was war das Hauptmotiv für den klaren Beschluss? Michael Bouvard: «Wir versprechen uns davon mehr politische Schlagkraft und ein grösseres Durchsetzungsvermögen für unser Anliegen. Das bildungspolitische Klima ist rauer geworden, oft besteht Bildungspolitik nur noch aus Finanzpolitik. Da ist es wichtig, dass die Lehrerschaft geeint auftritt.

Wir sitzen jetzt auch im grossen Bildungsboot, haben Zugang zum bildungspolitischen Netzwerk und zu allen Informationen – und dies auch schweizweit, denn mit der alv-Mitgliedschaft ist man automatisch Mitglied im schweizerischen Dachverband LCH.»

Gleichzeitig vernetzt man sich besser mit seinesgleichen: Beschlossen wurde nämlich auch der Beitritt als Kollektivmitglied zum Verein der Schweizerischen Gymnasiallehrpersonen (VSG). Damit folgt der AMV als Ganzes dem Weg, den rund die Hälfte seiner Mitglieder mit der Einzelmitgliedschaft bereits gegangen sind.

Wider den Polit-Ausschluss

Eines der grössten politischen Anliegen der Mittelschullehrer besteht darin, endlich die Zeit der politischen Abstinenz beenden zu können. Als einer der letzten Kantone kennt der Aargau nämlich immer noch den Ausschluss von Mittelschullehrpersonen aus dem Grossen Rat. Die Begründung: Sie werden vom Staat sowohl angestellt wie auch besoldet. Volksschullehrpersonen dagegen sind im Kantonsparlament zugelassen – sie werden zwar auch mehrheitlich vom Kanton besoldet, aber von den Gemeinden angestellt.

Michael Bouvard bestätigt: «Jetzt, im grösseren Verband, werden wir das Thema so schnell als möglich auf die polische Bühne zurückbringen. Wir können dabei auch auf die Unterstützung der Volksschullehrer zählen.»

Der Co-Präsident betont, dass die alv-Mitgliedschaft nicht zum Untergang des AMV führt: «Wir verlieren keine Autonomie, die Öffentlichkeit wird uns weiterhin als eigenständige Körperschaft wahrnehmen. Auch das Vereinsvermögen bleibt in unseren Händen. Der AMV wird nicht vom alv übernommen, er begibt sich lediglich unter sein Dach.»