Gegen den Verkehrskollaps

VCS-Präsident: «Neue Strassen sind keine Lösung»

«Es macht einfach keinen Sinn, unsere gesamte Infrastruktur auf die zwei- bis dreistündigen Spitzenzeiten pro Tag auszurichten.»

SP-Grossrat und Präsident VCS Aargau: Jürg Caflisch.

«Es macht einfach keinen Sinn, unsere gesamte Infrastruktur auf die zwei- bis dreistündigen Spitzenzeiten pro Tag auszurichten.»

SP-Grossrat Jürg Caflisch kritisiert den Vorstoss der SVP für einen staufreien Aargau scharf. Für den VCS-Präsidenten ist klar: Die Verkehrsinfrastruktur im Kanton darf nicht auf Spitzenzeiten ausgerichtet werden.

Mit einem Auftrag verlangt die SVP-Fraktion von der Regierung ein Konzept, um den Aargau zu «entstauen». Dabei setzt die Grossratsfraktion der Volkspartei auf neue Umfahrungen und Ausbauten.

Jürg Caflisch kritisiert das Anliegen, das SVP-Grossrat Martin Keller als Sprecher vertritt, als «unüberlegten Vorstoss aus Eigeninteresse».

Der Auftrag von 42 SVP-Grossräten ist aus seiner Sicht ziemlich grotesk. «Das wäre ungefähr so, wie wenn ich stehplatzfreie Züge für Bahnbenutzer fordern würde», vergleicht der VCS-Präsident.

Staus trotz Strassenbauprojekten

Jürg Caflisch gibt zu bedenken: «Es ist eine Tatsache, dass der Verkehr auf Strasse und Schiene in den letzten Jahren massiv zugenommen hat.» Allein die Zahl der Motorfahrzeuge, die auf Aargauer Strassen verkehren, sei seit dem Jahr 2000 von 390 000 auf 523 000 gestiegen.

Trotz grosser Strassenprojekte in den letzten Jahren (Bareggtunnel, Obersiggenthalerbrücke, diverse Umfahrungen) würden sich die Autos in Spitzenzeiten stauen – «und in den Zügen gibt es manchmal nur noch Stehplätze», ergänzt er.

Dennoch ist für Jürg Caflisch klar: «Es macht einfach keinen Sinn, unsere gesamte Infrastruktur auf die zwei- bis dreistündigen Spitzenzeiten pro Tag auszurichten.»

Abgesehen von den Kosten benötigten neue Strassen zusätzliches Kulturland, die Landschaft werde verbaut, die Menschen mit Lärm belästigt. «Neue Strassen sind einfach keine Lösung, sondern verschärfen das Problem», argumentiert Caflisch.

Eines der wirksamsten Mittel gegen den zunehmenden Strassenverkehr wäre laut Jürg Caflisch eine bessere Raumplanung.

«Eine wirksame Massnahme wäre auch die Abschaffung oder Reduktion der Pendlerabzüge, so jedenfalls die Meinung des Bundesamts für Raumplanung», fügt er an.

Doch ausgerechnet gegen diese Massnahme sei die SVP, kritisiert Caflisch. «Einmal mehr möchte sie keine Lösung für ein Problem, sondern beschränkt sich auf dessen Bewirtschaftung.»

Dass dies ausgerechnet von Martin Keller, einem Vertreter der Bauwirtschaft, gemacht wird, zeigt für Caflisch, «woher der Wind für neue Strassen weht.»

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