Kris V. hatte im August 2009 als 16-Jähriger im Tessin eine junge Frau, die 17-jährige Boi, mit einem Holzscheit getötet. Das Jugendgericht Baden verurteilte ihn dafür 2013 wegen Mordes zur jugendstrafrechtlichen Maximalstgrafe von vier Jahren Freiheitsentzug. Dies wurde verbunden mit einer therapeutischen Massnahme.

Im Hinblick darauf, dass jugendstrafrechtliche Massnahmen gemäss der damals geltenden gesetzlichen Regelung mit Vollendung des 22. Lebensjahres enden (heute mit dem 25. Lebensjahr), beantragte die Aargauer Jugendanwaltschaft 2015 die fürsorgerische Unterbringung von Kris V. nach Vollendung seines 22. Altersjahres.

Das Verwaltungsgericht des Kantons Aargau bestätigte im vergangenen Februar eine vom zuständigen Familiengericht angeordnete fürsorgerische Unterbringung des Mannes in der psychiatrischen Klinik Königsfelden. Dagegen wehrte sich Kris V. mit einer Beschwerde, diese hat das Bundesgericht nun abgewiesen. Die Voraussetzungen für eine fürsorgerische Unterbringung seien im konkreten Fall erfüllt, teilt das Bundesgericht mit.

"Mittel- bis hochgradiges Risiko"

Kris V. leide gemäss einem Gutachten an einer qualifizierten Persönlichkeitsstörung, die der Behandlung bedürfe. Für die Bundesrichter ist klar: „Ohne Behandlung geht von ihm nach wie vor ein mittel- bis hochgradiges Risiko für Dritte aus.“ Das Gericht hielt an der bisherigen Rechtsprechung fest und entschied, dass eine Gefährdung von Drittpersonen in Ausnahmefällen zur Anordnung einer fürsorgerischen Unterbringung ausreichen kann. Üblicherweise wird eine solche Massnahme nur verhängt, wenn der Betroffene sich selber gefährdet.

Das Bundesgericht hält weiter fest, eine stationäre Behandlung von Kris V. sei „angesichts des gutachterlich festgestellten und gegenwärtig noch unbehandelten Krankheitsbildes sowie vor dem Hintergrund der begangenen Tat unabdingbar“. Derzeit sitzt Kris V. in der Justizvollzugsanstalt Lenzburg in Untersuchungshaft – zuvor war er aus der Psychiatrischen Klinik Königsfelden ausgebrochen und in Deutschland verhaftet worden.

Ermittlung gegen Mutter von Kris V.

Ermittlung gegen Mutter von Kris V.

Ende Mai flüchtete der Mörder aus der Klinik Königsfelden und wurde in Deutschland gefasst. Nun ist bekannt, dass seine Mutter ihm zur Flucht verhalf. (Tele M1, 22. Juli 2016)

Bei der Flucht half ihm offenbar seine Mutter, gegen sie läuft ein Verfahren der Staatsanwaltschaft. Für die Unterbringung von Kris V. ist das Familiengericht Baden zuständig. Dieses hatte am 1. Juli entschieden, dass er auch nach dem Ende der Untersuchungshaft in der Strafanstalt Lenzburg fürsorgerisch untergebracht wird. Diese Anstalt sei geeignet, da auch die öffentliche Sicherheit gewährleistet werde. Ebenso könne dort für die psychiatrische Behandlung und Betreuung von Kris V. gesorgt werden. Auch diesen Entscheid des Familiengerichts kann der verurteilte Mörder wieder anfechten.