Gedenkjahr 1415
Urs Hofmann zum Schluss des Gedenkjahres: «Neue lösen alte Regionen ab»

2015 stand im Zeichen des Gedenkjahres zur Eroberung des Aargaus vor 600 Jahren durch die Eidgenossen. Jetzt wurden die Festivitäten im Museum Schloss in Aarau mit einem Akt abgeschlossen.

Mathias Küng
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Schlussakt zum Gedenkjahr im Museum Schloss in Aarau
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Schlussakt zum Gedenkjahr zur Eroberung des Aargaus vor 600 Jahren durch die Eidgenossen.
Patty Basler, Poetry-Slammerin führte durchs Programm.
«Der Stadtrat hatte ein ausgewogenes Gesamtpaket geschnürt. Leider ist es nicht gelungen, dieses im Einwohnerrat breit zu verankern», Jolanda Urech Stadtpräsidentin Archiv
Blick ins Publikum
Schauspieler Werner Bodnek
Der Tambour führt durch das Museum.

Schlussakt zum Gedenkjahr im Museum Schloss in Aarau

Chris Iseli

Im April beging der Kanton Aargau in der Stadtkirche Zofingen feierlich einen würdigen Auftakt zum Gedenkjahr 2015. Zu gedenken war einerseits der Eroberung des Aargaus (ohne Fricktal) 1415 durch die Eidgenossen. Und anderseits des Wiener Kongresses 1815, an dem die damals von den Bernern noch bestrittene Zukunft des Aargaus als eigenständiger Kanton definitiv bestätigt wurde.

Seither haben viele gut besuchte szenische Aufführungen, Podien, Vorträge, Fahrten zu einstigen Ereignisorten und vieles mehr stattgefunden. Das Interesse in der Bevölkerung, Geschichten zum Aargauer Schicksalsjahr zu erleben, war gross.

Jetzt wurde im neuen Stadtmuseum Aarau der Kreis mit einem wiederum würdigen, musikalisch mit dem «neuen Aargauerlied» und weiteren kulturellen Leckerbissen umrahmten Schlussakt geschlossen. Dieser fand bewusst am 20. November statt. Genau vor 200 Jahren nämlich sind durch den Zweiten Pariser Frieden auch die Beschlüsse des Wiener Kongresses zur Schweiz bestätigt worden.

Nach der Begrüssung durch Museumsleiterin Kaba Rössler liess der kantonale Kulturchef Thomas Pauli vor den zahlreichen Zuhörern das Geschehene in diesem Jahr Revue passieren. Anschliessend begab sich Landammann Urs Hofmann auf einen sehr profunden Tour d`horizon durch die Jahrhunderte und kam schliesslich zurück in die Aktualität. Heute, 2015, stelle er fest, so Hofmann, dass die Regionen noch präsent sind, vielleicht noch stärker als in vergangenen Jahrzehnten.

Die eigene Region sei nach wie vor für viele identitätsstiftend. Regionales Denken sei gerade für geschichtsbewusste Menschen wichtig und rufe dazu auf, sich mit seiner Herkunft zu befassen. Aber, so Hofmann mahnend, Regionalismus dürfe nicht das Denken in neuen Dimensionen verhindern, die sich unabhängig von regionalen Befindlichkeiten entwickeln.

Heute werden die alten Regionen durch neue abgelöst: Gemeindeverbände, Regionale Arbeitsvermittlungszentren, sechs regionale Staatsanwaltschaften usw. Immer wichtiger seien wirtschaftliche Zentren, die sich ihre eigenen Regionen schaffen: «Der Aargau ist längst in neue Einflussbereiche aufgeteilt – ganz zu schweigen von den Metropolitanregionen, zu denen wir längst gehören.»

Die regionale Vergangenheit lehre uns, wie Menschen mit unterschiedlichem kulturellen und wirtschaftlichen Hintergrund gemeinsam etwas Neues erreichen können, wenn sie es wollen. Nach 1803 habe im Aargau keine Region je die Sezession verlangt. Hofmann: «Man hatte unterschiedliche Vorstellungen, kämpfte, verlor oder gewann, fügte sich, arrangierte sich – und versöhnte sich. Darauf dürfen wir Aargauerinnen und Aargauer stolz sein.»

Auch die Aarauer Stadtpräsidentin Jolanda Urech erinnerte daran, dass wir historisch gesehen in einem Kanton der Regionen leben. Pino Dietiker habe Recht, wenn er im Aargauerlied dichtet: «Aargau, Rüüssgau, Rhygau, Limmetgau, i eusne Müüler flüüsst alles zäme und am Schluss mündet alles is Meer.»

Der Motor des bevölkerungsmässig viertgrössten Kantons, des Aargaus, seien starke Kernstädte mit ihren Agglomerationen, etwa die Kernstädte Aarau und Baden-Wettingen. Dass immer mehr Menschen in Städten leben, sei erwünscht. So liessen sich «die Eingriffe in die einmalig schöne Aargauer Landschaft reduzieren». Urech fragte ins Publikum, ob wir mit dem Erstarken dieser Zentren gerade den Umbruch zu einer neuen Epoche erleben? Die Erstarkung einer Gesamtaargauer Identität? Solche Fragen gaben am folgenden Apéro gewiss genug her für eine angeregte Diskussion zur Zukunft des Aargaus.

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