Interview

Urs Hofmann zum neuen Aargauer Corona-Hilfspaket: «Es wäre falsch zu sagen, diese Mittel gibt es, fertig»

Volkswirtschaftsdirektor Urs Hofmann.

Volkswirtschaftsdirektor Urs Hofmann.

Die Aargauer Regierung will den von den Auswirkungen der Coronapandemie betroffenen Aargauer Unternehmen mit zusätzlichen Massnahmen helfen.

Herr Hofmann, warum hat die Regierung für die Wirtschaft ein 125-Millionen-Franken-Hilfspaket geschnürt?

Urs Hofmann: Verschiedene Branchen sind in einer schwierigen Situation. Ich denke hier etwa an die Reise- oder Eventbranche, die Gastronomie und die Hotellerie oder die Schausteller. Hier gibt es Betriebe, die auf die Unterstützung der öffentlichen Hand angewiesen sind.

Haben Sie Hinweise, dass in diesen Bereichen schon viele Firmen wegen Corona schliessen mussten?

Dank der bisherigen Massnahmen, vor allem dank Kurzarbeit, konnte dies bisher meist verhindert werden. Viele Firmen konnten sich irgendwie durchschleppen. Jetzt haben wir aber klare Hinweise, gerade aus den erwähnten Branchen, dass ihnen zunehmend der Schnauf ausgeht.

Wie viel von den 125 Millionen werden à fonds perdu sein? Was sind die Kriterien dafür?

Das Kriterium ist, ob eine Firma darauf angewiesen ist. Falls sie immer noch ohne weiteres kreditfähig ist, kann auch ein Darlehen gewährt werden. Wir erwarten aber angesichts der sehr angespannten Lage etwa in der Reise- und Eventbranche sowie im Gastrobereich, dass ein signifikanter Anteil Beiträge à fonds perdu beantragt wird, und solche Zahlungen auch ausgelöst werden müssen. Die Realität wird zeigen, wie viel nötig ist.

Gibt es mehr, falls der Bundesrat seinen Beitrag an die Kantone massiv aufstockt?

Nein, der Aargau würde einfach um den Betrag, den der Bund gibt, entlastet. Wir schlagen ja vor, dass er statt 200 Millionen für die ganze Schweiz mindestens 500 Millionen Franken einsetzt. Falls er das tut, würde der Aargau um 34 Millionen Franken entlastet.

Für die Kultur steht vergleichsweise wenig zur Verfügung. Reicht es?

Für die Kultur stehen gemäss Antrag des Departements Bildung, Kultur und Sport (BKS) 16 Millionen Franken vom Bund und Kanton zusammen für 2020 und 2021 zur Verfügung. Vom Bund fliessen aber noch weitere Mittel. Die Regierung geht davon aus, dass dies in einer ersten Tranche reicht. Sie sagt aber auch, dass im Bedarfsfall allenfalls eine Aufstockung möglich sein muss.

Enttäuscht sein dürfte der Sport. Da verweist die Regierung vorab auf die Bundesmittel. Warum tut sie nicht mehr?

Hier ist der Bund in der Pflicht. Die von uns im Frühling bereitgestellten 5 Millionen Franken für «Swisslos-­Fonds-Massnahmen Covid-19» sind noch nicht ausgeschöpft. Wir haben bisher keine Kenntnis, dass nebst den Bundesmassnahmen zusätzliche kantonale Mittel erforderlich sind.

Glauben Sie, dass das Parlament für Ihr Paket grünes Licht gibt, und vor allem schnell, weil es pressiert?

Ich bin zuversichtlich, ja. Im Frühling wurden rasch 150 Millionen Franken gesprochen, dann aber lediglich 25 Millionen beansprucht. Die verbliebenen 125 Millionen wollen wir jetzt einsetzen. Erste Signale aus verschiedenen Parteien stimmen mich sehr positiv.

Aber reichen denn 125 Millionen?

Das ist enorm schwierig zu sagen. Wir schauen die Gesuche an und beurteilen, ob sie berechtigt sind. Auch weiss niemand, wie sich die Pandemielage entwickelt. Es wäre jedenfalls falsch, jetzt zu sagen: Diese Mittel gibt es, fertig. Im Bedarfsfall wäre seitens der Regierung und wohl auch des Bundes die Bereitschaft da, eine neue Beurteilung vorzunehmen. Im Frühling hatte ja der Regierungsrat zunächst sogar 300 Millionen Franken beantragt. (mku)

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