Öffentlich in Erscheinung trat der Verband Kantonspolizei Aargau (VKA) in den vergangenen Jahren nicht häufig. Das heisst aber nicht, dass er nichts tat.

Die Arbeitnehmervertretung der Kapo-Angehörigen wirkte einfach wie seine Mitglieder im Dienst: zuverlässig, effektiv, im Stillen. Kamen Personalthemen auf den Tisch, wurden Lösungen direkt mit dem Kommando gesucht und gefunden.

Geändert hat sich das nur, wenn man sich mit obersten Chef, dem Kanton, punktuell überhaupt nicht einig war. Zuletzt 2016, als sich Fahnder und Ordnungshüter als «Weisser Block» unter 10 000 Lehrpersonen und Staatsangestellte mischten, um friedlich, aber lautstark gegen die Abbaupläne des Kantons zu protestieren.

Nicht mit dem Besen warten

Gestern trafen sich rund 100 der 856 Mitglieder zur Jahresversammlung in der Zentrale der Mobilen Einsatzpolizei in Schafisheim. Und es war klar: Als Thema das Jahres würde das Sparen auch die Versammlung prägen.

Vizepräsident Hansjörg Schenk sagte: «Es sind auch viele Ehemalige gekommen. Das zeigt, wie die Verbundenheit mit dem Korps über das Pensionsalter hinaus besteht. Was uns besonders freut, weil wir es ja gerade nicht sehr einfach haben.»

Die Polizeiführung wurde vom stellvertretenden Kommandanten Peter Gassler vertreten. Er lobte die Arbeit des Verbands: «Es stimmt, die Anstellungsbedingungen sind unter Druck. Sie spielen dabei als vertrauensvoller Partner eine wichtige Rolle.» Der VKA-Vorstand sei für das Kommando «wie ein Spiegel», den es unbedingt brauche.

Gassler gab Einblick, worüber man im Kommando aktuell diskutiert. Vor allem gehe es um die Frage, «wie wir mit unseren knappen Ressourcen weiterhin den Job machen können, den wir machen müssen».

Und mittelfristig wolle man die Kriminalitätsbekämpfung verbessern. Dabei gehe es nicht um die Strafverfolgung: «Mit dem Besen in der Hand warten, bis etwas passiert ist, und dann möglichst sauber aufwischen, das können wir gut. Aber wir müssen vermehrt verhindern, dass überhaupt etwas passiert.» Dieser Gedanke stehe im Zentrum, wenn 2018 die Revision des Aargauer Polizeigesetzes an die Hand genommen werde.

Ersatzlösung für abgeschaffte Privatauto-Pflicht

Diesen Faden nahm Regierungsrat Urs Hofmann auf. Der Polizeidirektor lobte den VKA als die «bestorganisierte» Personalvertretung von Kantonsangestellten. Er hoffe, dass es 2018 die vom Regierungsrat vorgeschlagene Lohnerhöhung von 1 Prozent geben wird: «Ich bin überzeugt, dass wir dies als Zeichen der Wertschätzung für Ihren grossen Einsatz setzen sollten.»

Das hörten die Polizistinnen und Polizisten gerne, denn kürzlich mussten sie mit der Aufhebung der Fahrzeugstellungspflicht und der Einführung einer obligatorischen Parkgebühr am Arbeitsplatz faktisch eine Lohneinbusse hinnehmen.

Zur Fahrzeugstellungspflicht hatte Hofmann auch News parat: Den Unmut des Korps nehme er ernst, man prüfe jetzt ein Ersatzlösung, eine «Alarmzulage», die man bei ausserordentlichen Einsätzen, bei denen Polizisten mit dem Privatauto einrücken, auszahlen würde.

Erstmals mehr Polizistinnen als Polizisten

Apropos Polizistinnen: Zum ersten Mal überhaupt seien im aktuellen Lehrgang der interkantonalen Polizeischule Hitzkirch mehr Frauen als Männer eingetreten, wie Hofmann verriet.

In der Ausbildung steht ebenfalls eine Veränderung bevor. Sie könnte von gegenwärtig einem auf zwei Jahre erweitert werden – ein Jahr Schule, ein Jahr Praxis im Korps. Der Aargauer Polizeikommandant Michael Leupold befindet sich gerade an der nationalen Kommandantenkonferenz, wo darüber diskutiert wird.

Schliesslich legten die VKA-Mitglieder die Führung ihres Verbands in neue Hände: Nach einem Jahr, in dem Vizepräsident Hansjörg Schenk den Polizeiverband interimistisch geführt hat, übernimmt SP-Grossrat Dieter Egli das Präsidium. «Ich bin beeindruckt, wie ihr eure Arbeit in einem schwierigen Umfeld unaufgeregt, gut strukturiert und diszipliniert macht», lobte Egli.

Er wolle sich deshalb für die Kapo auf politischer Ebene einsetzen. «Die Aargauer Bevölkerung fühlt sich dank euch sicher. Doch das führt auch dazu, dass man teilweise das Gefühl hat, diese Sicherheit wäre auch günstiger zu haben.» Deshalb brauche es den direkten Draht zur Politik. Die bisherigen Vorstandsmitglieder wurden in globo einstimmig bestätigt. Als zusätzliches Vorstandsmitglied wurde der junge Damien Rodriguez gewählt.