Regierungsrats

Urs Hofmann über die wichtigsten Momente seiner Amtszeit – beim Fall Rupperswil versagt ihm die Stimme

Urs Hofmann über die wichtigsten Momente seiner Amtszeit – beim Fall Rupperswil versagt ihm die Stimme

«Im Bereich der Bewährungshilfe und des Strafvollzugs war man nicht optimal aufgestellt»: Urs Hofmann sprach in der Sendung TalkTäglich über seinen schwierigen Amtsantritt als Justizminister, aber auch über die schönen Momente.

1982 wurde der SP-Politiker Urs Hofmann in den Aarauer Einwohnerrat gewählt, zuletzt war er zwölf Jahre Regierungsrat und stand stets dem Departement Volkswirtschaft und Inneres vor. Am Mittwoch gab er bekannt, nicht noch einmal anzutreten und sprach am selben Tag ausführlich über die bewegendsten Momente seiner Amtszeit.

Seine Amtszeit begann mit einem tragischen Verbrechen. Noch bevor Urs Hofmann am 1. April 2009 sein Amt als Regierungsrat und Justizminister antrat, war am 4. März in Rieden bei Baden das 16 Jahre alte Aupair-Mädchen Lucie Trezzini ermordet worden. Von einem vorbestraften jungen Mann.

«Das war ein schwieriger Einstieg», sagt Urs Hofmann heute. Auch, weil dem damals frisch gewählten Regierungsrat klar wurde: «Dass man im Bereich der Bewährungshilfe und des Strafvollzugs nicht optimal aufgestellt war.»

Hofmann hat viele Veränderungen angestossen. Und er hat nichts vergessen. «Noch heute habe ich das eine oder andere Mal brieflich Kontakt mit den Eltern von Lucie», sagt er in TeleM1-Sendung TalkTäglich am Mittwochabend.

«Das geht nicht spurlos an einem vorbei»

Fast sieben Jahre später passiert im Aargau eines der grausamsten Verbrechen des Landes, das die ganze Schweiz erschüttert und Monate lang in Atem hält. Am 21. Dezember 2015 begeht Thomas N. in Rupperswil einen Vierfachmord, rund fünf Monate später wird er gefasst. Später stellt sich heraus, dass der Mörder weitere Taten geplant hatte. 

Die Erinnerungen an diese Zeit bringen Urs Hofmann sichtlich aus der Fassung. Ihm versagt immer wieder die Stimme, als er sagt: «Das geht nicht spurlos an einem vorbei.»

«Unvorstellbar, diese Brutalität»

«Unvorstellbar, diese Brutalität»: Polizeidirektor Urs Hofmann im Interview mit Moderator Markus Gilli nach der Medienkonferenz zum Ermittlungserfolg im Vierfachmord Rupperswil. (13.5.2016)

Immer wieder hinstehen musste Hofmann, wenn Unternehmen im Kanton den Abbau von Arbeitsplätzen verkündeten – General Electrics, Novartis, Kabelwerke Brugg, Müller Martini. Über diese Situationen sagt er geradeheraus: «Es ist eine Tatsache, dass die Leute von diesen Unternehmungen in der Regel nicht hinstehen, das überlässt man gern den Politikern.»

«Waren Sie wirklich der heimliche Chef?»

Die schönen Momente, das waren für ihn die lockeren Auftritte an Festen, unter den Leuten. Aber auch seine «eigentliche Tätigkeit als Regierungsrat», das Entwickeln von Projekten, die Zusammenarbeit mit vielen Mitarbeitern, das Treffen von Entscheidungen. In seinen zwölf Jahren als Regierungsrat stand Hofmann stets dem Department Volkswirtschaft und Inneres vor.

Die politische Karriere von Urs Hofmann in Bildern:

Das Gerücht, er sei auch stets so etwas wie der heimliche Chef der Aargauer Regierung gewesen, wehrt Hofmann ab: «Nein, nein. Wir waren in all diesen Zusammensetzungen immer fünf gute Regierungsrätinnen und Regierungsräte und sind als Team aufgetreten.»

Nun sei der richtige Moment, aus der Politik auszusteigen. Ein Entscheid, der in den vergangenen Monaten gewachsen sei. Jetzt habe er bald mehr Zeit «für all das, was das Leben schön macht»: länger Schlafen, Zeit für sich selbst, Sport und Kultur. (smo)

Den ganzen Talk mit Urs Hofmann sehen Sie hier:

12 Jahre sind genug, der Aargauer SP-Regierungsrat Urs Hofmann tritt bei den Wahlen im Herbst nicht mehr an.

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